HSV Hamburg - Interview mit Martin Schwalb, Trainer des HSV Hamburg - "Es gibt noch keine Vorentscheidung" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Interview mit Martin Schwalb, Trainer des HSV Hamburg

"Es gibt noch keine Vorentscheidung"

Noch eine knappe halbe Saison, dann ist Martin Schwalb kein Trainer mehr. Der ehemalige Nationalspieler und langjährige Coach des HSV Hamburg wechselt den Job und wird Geschäftsführer seines Arbeitgebers. Die Fans hierzulande haben ihn zum Coach der Weltauswahl der TOYOTA HBL
gewählt, die am 5. Februar in Leipzig zum All Star Game gegen die von Heiner Brand betreute deutsche Nationalmannschaft antritt. Grund genug, ihn zu einem ausführlichen Interview zu bitten.

> Glückwunsch: Sie werden am 5. Februar die Auswahl der TOYOTA HBL beim All Star Game gegen die DHB-Auswahl coachen. Schöne Sache, oder?
Martin Schwalb: Es ist vor allem deshalb eine schöne Sache, weil es in diesem Jahr eine Entscheidung der Fans war. Ich habe das ja schon einige Male gemacht, ich weiß gar nicht mehr wie oft schon. Aber in aller Regel wurde das von der Liga bestimmt. Diesmal aber werte ich das als besondere Anerkennung der Fans, was diese Wahl sehr viel wertvoller macht.

> Das All Star Game findet nach Münster, Braunschweig und Berlin im kommenden Jahr erstmals in Leipzig statt. Eine gute Wahl?
Aber ja, das ist eine gute Entscheidung. In Leipzig herrscht von je her eine große Handball-Begeisterung. Die Leute werden diese Veranstaltung annehmen, da bin ich sicher.

> Stefan Kretzschmar möchte gern mit einigen fleißigen Helfern den Handball in Leipzig nach dem Hamburger und Berliner Vorbild auf Sicht wieder erstklassig machen. Ist das ein realistisches Unterfangen?
Absolut. Wenn man den Jungs in Leipzig die erforderliche Zeit gibt, ist das sicher möglich. Der Handballsport hat in Leipzig eine lange Tradition und ist entsprechend etabliert. Auch in Bezug auf die Größe der Stadt ist das ein zwar ehrgeiziges, aber auch realistisches Projekt. Ich wünsche allen daran Beteiligten viel Erfolg und viel Glück.

> Kann das All Star Game dabei helfen?
Da bin ich sicher. Ich merke ja auch jedes Mal, wie begeistert die Leute sind, wenn der HSV Hamburg mit all seinen Stars irgendwo auftritt. Die Leute freuen sich darauf, den ganz großen Handball zu erleben. Das wird in Leipzig nicht anders sein.

> Auch der Termin ist neu. Statt wie bisher zum Saisonende findet das Spiel nun zum Auftakt der Rückrunde statt.
Das wurde ja auch mal Zeit, dass dieser Termin geändert wurde. Wir haben in vielen Gesprächen immer wieder darauf hingewirkt. Der Termin zum Saisonende war ganz einfach unglücklich. Die einen Spieler hatten was zu feiern, die anderen wollten in den Urlaub, und wieder andere hatten wichtige Qualifikationstermine mit ihren jeweiligen Nationalmannschaften zu absolvieren. Da war alles andere wichtig, aber nicht das All Star Game, was ja auch an der Zahl der Absagen immer wieder zu sehen war. Das wird diesmal ganz anders sein. Zudem gehe ich davon aus, dass auch nebenher jede Menge Programm geboten wird, um die gesamte Handballfamilie zusammenzuholen und ein schönes Wochenende zu feiern.

> Die DHB-Auswahl wird dann gerade von der WM in Schweden zurück sein. Was trauen Sie der Mannschaft von Heiner Brand zu?
Wenn das Team von Verletzungen verschont bleibt und alle fit sind, dann traue ich der Mannschaft durchaus das Halbfinale zu. Die Jungs haben immer wieder bewiesen, dass sie gegen gute Gegner auch gut spielen. Ein Erfolg bei der WM würde auch hierzulande wieder eine gewaltige Woge der Begeisterung auslösen.

> Ihr eigenes Team ist bisher regelrecht durch die Liga gerauscht. Auf den THW Kiel, Ihren wohl härtesten Widersacher, hat der HSV nun bereits fünf Punkte Vorsprung. Ist das schon so etwas wie eine Vorentscheidung?
Dass das keine Vorentscheidung ist, haben wir im Pokal-Achtelfinale gesehen, als wir in Berlin ausgeschieden sind. Wir werden in der Rückrunde noch viele schwere Auswärtsspiele haben. Wir müssen nach Berlin, nach Kiel und zu den Rhein-Neckar Löwen. Verlieren wir diese Spiele, brauchen wir nicht mehr über den Meistertitel nachzudenken. Aber gegenwärtig haben wir das erreicht, was wir wollten und können. Die Mannschaft tritt als geschlossene, homogene Einheit auf. Das gibt mir Zuversicht angesichts der noch ausstehenden Aufgaben.

> Sie selbst wechseln zum Saisonende von der Bank an den Schreibtisch und werden Geschäftsführer des HSV. Wäre doch eine tolle Sache, sich mit einem Meistertitel zu verabschieden.
Ja, sicher, aber in der ganzen Sache geht es doch nicht um mich. Meine Arbeit als Trainer und im Verein sollte man eigentlich ganz anders bewerten. Wir haben es hier in Hamburg geschafft, von einem Projekt zu einem Verein zu werden, und innerhalb dieses Vereins haben wir eine Spitzenmannschaft geschaffen. Ich habe einen bescheidenen Anteil daran, worauf ich auch sehr stolz bin – mehr aber auch nicht. Ich bin sicher, dass der HSV Hamburg Meister werden wird. Wenn nicht in dieser Saison, dann in einer bald darauf folgenden.

> Es wird seit geraumer Zeit wild über einen Nachfolger spekuliert. Wie ist da gegenwärtig der Stand der Dinge?
Wir werden im Frühjahr bekannt geben, wer mein Nachfolger wird. Wir wollen jetzt erst einmal die WM abwarten. Das bisschen Zeit wollen wir uns schon noch lassen. Für das Team spielt das zurzeit ohnehin keine große Rolle. Meine Spieler sind da ausnahmslos auf ein großes Ziel fixiert.