THW Kiel - HSV Hamburg - Hamburg ist moralischer Sieger - Gerechtes Remis: HSV entführt einen Punkt aus der Kieler "Festung" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Hamburg ist moralischer Sieger

Gerechtes Remis: HSV entführt einen Punkt aus der Kieler "Festung"

775 Tage oder 34 Spiele ist der THW Kiel in der Bundesliga zu Hause, in der eigenen Halle an der Förde - in seinem Wohnzimmer - ungeschlagen. Auch der HSV Hamburg, der am 6. November 2007 mit 31:30 der letzte deutsche Sieger in der Kieler Arena gewesen war, zerstörte diesen Nimbus zwar nicht, brachte ihn aber bis in die letzten Sequenzen der Partie ins Wanken. Der Herausforderer von der Elbe entführte letztendlich einen Zähler von der Ostsee. "Das Spiel hat das gehalten, was es versprochen hatte", verließ HSV-Coach Martin Schwalb wenige Momente nach dem Schluss mit einem Lächeln die "Coaching-Zone". Im Schlepptau sein Kollege Alfred Gislason. Noch mit zerknirrschtem Gesicht - aber schon mit dem gewohnt trockenem Humor: "Es passiert zwar nicht oft, aber ich habe die gleiche Meinung wie Martin."

Hinter ihnen lag eine stets packende Partie, die beide Trainer mit einigen taktischen Kniffen würzten. Martin Schwalb setzte nicht nur auf eine offensive Deckung mit Igor Vori als kolossale Vorhut, sondern auch auf Per Sandström im HSV-Kasten. Der Schwede rechtfertigte das Vertrauen, machte eine bessere Figur als Thierry Omeyer. Die Torwart-Leistung war ein Grund, weshalb der HSV besser ins Spiel kam als die Hausherren. Nach knapp einer Viertelstunde - es stand 6:9 - legte Alfred Gislason die Grüne Karte auf den Kampfrichter-Tisch. Danach - Überraschung - tauchte Igor Anic auf Linksaußen auf. Mit großem Zug zur Mitte, um dort den zweiten Kreisläufer Marcus Ahlm zu unterstützen. "Das haben wir nicht oft gespielt, aber diese Variante ist ein probates Mittel gegen offensive Deckungsreihen", erklärte Marcus Ahlm.

Dieser taktische Zug brachte aber nichts Zählbares. Hamburg führte bald mit 12:8. Zwar rückte der THW auf einen Treffer heran, geriet in eigener Überzahl aber wieder deutlicher in Rückstand und war mit dem knappen Halbzeit-Ergebnis (16:17) gut bedient.

Nach dem Wechsel drückte der THW weiter, drehte die Zwischenstände zu seinen Gunsten und schien beim 22:19 (39.) zu enteilen. "So einen Druck kann man nicht eine ganze Halbzeit aufbauen", war Filip Jicha nicht überrascht, dass sich der HSV zurückkämpfte. Zudem hatte nun auch Johannes Bitter viele gute Aktionen im HSV-Tor, während sich auch der eingewechselte Blazenko Lackovic gut einfügte und an der starken Leistung von Pascal Hens (bei ihm ließen die Kräfte nach) aus Halbzeit eins anknüpfte.

Dann die Schlussphase: Torsten Jansen glich zum 24:24 (46.) aus. Das Spitzenspiel war nun ein einzigartiger Kampf, ein Kopf-an-Kopf-Rennen, ein echter Krimi, den alle so erwartet hatten. 125 Sekunden vor Schluss erzielte Filip Jicha das letzte Tor des Tages. Torsten Jansen und Kim Andersson hatten danach den Siegtreffer in der Hand. Der Hamburger Außen scheiterte an Thierry Omeyer, der Schwede warf über das Tor. So trennen sich beide Teams gerecht mit einem Unentschieden.