THW Kiel - HBW Balingen-Weilstetten - 2. Teil des Exklusiv-Interview mit Balingens Trainer Dr. Rolf Brack - "Glückwünsche aus ganz Europa" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
2. Teil des Exklusiv-Interview mit Balingens Trainer Dr. Rolf Brack

"Glückwünsche aus ganz Europa"

Trotzdem fahren Sie als krasser Außenseiter nach Hamburg.
“Klar, wir haben im Pokal zu Hause gegen Hamburg kein Land gesehen, und unterschätzen wird uns auch keiner. Andererseits hat uns der Erfolg, aber auch die beiden Siege der Wochen zuvor (in Düsseldorf und gegen Wetzlar), eine Menge Auftrieb gegeben. Es haben viele Dinge endlich funktioniert, die wir seit Juni geübt trainiert haben, das gibt uns Selbstvertrauen. Wir müssen uns auf Hamburg konzentrieren und dürfen nicht schon das Spiel gegen Hannover, dass für uns viel wichtiger ist, im Hinterkopf haben. Zudem kann es sein, dass nach unserem Triumph erst einmal ein emotionales Loch bei den Spielern entsteht, so ähnlich, wie Kiel es nach dem Topspiel eben auch hatte.“

Hatten Sie vor dem Kiel-Spiel auch wieder Sonderprämien für besondere Aktionen ihrer Spieler ausgelobt wie vor den Siegen in Düsseldorf und gegen Wetzlar?
Lacht: “Nein, das kann ich mir von meinem Familienbudget gar nicht dauerhaft leisten. Außerdem habe ich ja gar nicht mit einem Sieg gerechnet.“

Angebot von Magdeburg?

Mit Ihrem Sieg haben Sie (fast) ganz Handball-Deutschland – außerhalb von Kiel – begeistert.
„Ja, ich habe, glaube ich, 35 SMS mit Glückwünschen bekommen, aus der ganzen Liga und ganz  Europa von Kroatien bis Skandinavien. Eine war von (Hamburgs Sportdirektor) Christian Fitzek, mit der Bitte, das nicht in Hamburg zu wiederholen.“

Eine ganz andere Frage: Sie werden gerüchteweise als Kandidat auf den vakanten Trainerjob in Magdeburg gehandelt.
“Klar, mein Vertrag läuft im Sommer aus, da ist es wohl normal, dass mein Name ins Gespräch gebracht wird. Aber ´das will ich nicht im Detail kommentieren. Nur so viel: Mein erster Ansprechpartner ist weiter Balingen. Wir hatten schon im Oktober erste Gespräche, das war mehr ein Abtasten, bei dem beide Seiten eine mögliche weitere Zusammenarbeit bejaht haben. Wir haben uns darauf geeinigt haben, erst einmal abzuwarten, da ja keiner wusste, wie die Vorrunde weiterläuft. Damals hatten wir, glaube ich 2:18-Punkte, bei 2:30 wäre ja auch heute eine  ganz andere Situation.“

Vier Punkte mehr mit Zoubkoff

Sie sind ja durch den Coup gegen Kiel nun in einer dankbaren Verhandlungsposition.
„Ja, aber das interessiert mich derzeit nicht so sehr. Ich bin ja glücklicherweise nicht so existenziell abhängig von dem Trainerjob, da kann ich gelassen bleiben. Zudem warne ich vor jedem Überschwang, wir sind noch lange nicht in Sicherheit und müssen noch viel Arbeit leisten, bevor der Klassenverbleib sicher ist. Andererseits: Wenn wir Hannover schlagen, haben wir eine gute Ausgangsposition, da wir in der Rückrunde alle direkten Konkurrenten zuhause erwarten. Zudem zählt unser sehr gutes Torverhältnis wie ein weiterer Punkt. Gar nicht auszudenken, was alles möglich gewesen wäre: Ich bin sicher, wenn wir früher den Schritt mit der Torhüterverpflichtung gewagt haben, wenn wir von Beginn an Ivan Zoubkoff als Alternative gehabt hätte, hätten wir schon vier Punkte mehr. Mit einem weiteren Linkshänder für den Rückhänder, nach dem wir weiter suchen, wären es auch vier Punkte mehr. Und wenn wir nicht die vielen Abgänge in den vergangenen Jahren gehabt hätten – aber das sind wohl weihnachtliche Träume . . .“

Vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen weiterhin viel Erfolg und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010.

Hier können Sie den ersten Teil des Interviews nachlesen: Brack über die Voraussetzungen des Sensationssieges, den Einsatz eines siebten Feldspielers und Matchwinner Felix Lobedank