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Ratlose Lemgoer von HSV in Grund und Boden gespielt

Hamburger Lehrstunde am "Sahnetag"

Sechs Tage nach dem blamablen 26:32 gegen Ciudad Real in der Champions League hat der HSV Hamburg selbst eine handballerische Lehrstunde erteilt. Staunender Schüler war ausgerechnet der TBV Lemgo, der sich fünf Tage zuvor noch mit einer Glanzleistung beim THW Kiel einen Punkt verdiente.

„Das hat man nicht alle Tage, dass man gegen so eine tolle Mannschaft so einen Sahnetag erwischt“, schwärmte HSV-Trainer Martin Schwalb von der Gala, die sein Team erstmals seit November 2004 wieder an die Bundesliga-Spitze führte. „ Angefangen mit der Abwehr, die einen tollen Mann wie Holger Glandorf so sehr auf Abstand halten konnte und Johannes Bitter zum überragenden Mann werden ließ. Der Angriff hat auch gut funktioniert und die Jungs können wirklich stolz auf ihre Leistung sein. Es ist schon ein schönes Gefühl gegen eine tolle Mannschaft wie Lemgo zu gewinnen.“

Was der Hamburger Coach in seinem Überschwang nicht erwähnte: Den Hausherren in der Lipperlandhalle hatten den körperlich und geistig flexibleren Hanseaten von Beginn an wie paralysiert gegenübergestanden. Und ausgerechnet Nationalspieler Glandorf präsentierte sich – wie schon beim TBV-Punktgewinn in Kiel – nur als Schatten seiner selbst.

Mudrow: "Vori ein überragender Spieler"

„Es war von Anfang an schwer für uns, da hatten wir uns eigentlich mehr vorgenommen. Wir haben zu schnell zurück gelegen und in den ersten Minuten hat uns allein Igor Vori vor unlösbare Aufgaben gestellt. Vori ist wirklich ein überragender Spieler“, stellte Lemgos Trainer Volker Mudrow frustriert fest, dass der kroatische Kreisläufer der Hamburger den Ostwestfalen einen Klassenunterschied aufzeigte.. „ Der HSV hat jede Entscheidung richtig getroffen, für uns war das eine Lehrstunde. Wenn man wie wir nach oben will, dann ist es schlecht, wenn man die nackten Tatsachen so aufgezeigt bekommt.“

Mudrow selbst versuchte alles, ließ im Angriff Linkshänder Tamas Mocsai auf der Mitte agieren, brachte zehn Minuten vor der Pause selbst den angeschlagenen Nationalkreisläufer Sebastian Preiß (Achilllessehenentzündung) und stellte später auf doppelte Manndeckung um – nichts half gegen Hamburger Angriffswirbel und Betondeckung samt ‚Jogi‘ Bitter in Topform.

"Alle ziehen an einem Strang"

Der „hätte nicht gedacht, dass das Ergebnis so eindeutig ausfällt. Dass wir zwischenzeitlich mit 13 Toren geführt haben, hatte ich überhaupt nicht erwartet.“ Auch Bitter war immer noch rätselhaft, wie seine ansonsten bislang so starke Mannschaft in der Königsklasse so hatte einbrechen können. Schließlich hätte man in Lemgo erkannt, „wie viel Energie in unserer Mannschaft steckt und dass wir alle an einem Strang ziehen. Wir sind absolut auf dem richtigen Weg und müssen jetzt zusehen, dass es mit aller Macht so weitergeht.“

Mudrow nahm Glandorf in Schutz: „Für mich bleibt er ein Weltklassespieler. Man muss auch berücksichtigen, dass er vor Kurzem noch eine Hand-OP hatte und noch etwas Zeit braucht. Er hatte auch Pech, als ihm ein Tor als Stürmerfoul nicht anerkannt wurde.“ Letztlich blieb dem TBV-Coach aber nur der Appell: „Es hilft aber nichts nach Entschuldigungen zu suchen. Wir müssen hart arbeiten und nach vorne schauen, dann kann es nur besser werden.“