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Bestes Kreisläufer-Duo der Welt gesprengt

Hamburgs Poker mit RK Zagreb um Spielmacher Duvnjak geht weiter

Martin Schwalb schien es fast unheimlich zu sein. "Zum ersten Mal seit zwei Jahren können wir eine komplette Vorbereitung absolvieren", schwärmte der HSV-Coach beim Trainingsstart am 27. Juli. Nachdem der Vizemeister in die vergangene Saison ohne ein einziges Testspiel starten musste, konnten diesmal gleich zwölf Begegnungen "gegen hochwertige Gegner" (Schwalb) organisiert werden. Dass schon beim ersten Duell im Trainingslager in Herrsching am Ammersee Neuzugang Igor Vori auf der Platte stehen durfte, war dabei eine kleine Überraschung. Der Ex-Klub des wertvollsten Spielers der WM 2009, der RK Zagreb, hatte dem 2,03-Meter-Riesen wochenlang die Freigabe verweigert. Wenige Stunden vor dem ersten Test aber hielt Sportchef Christian Fitzek das ersehnte Schreiben endlich in der Hand.

Die Verpflichtung von Vori ist der "Königs-Transfer" der Hamburger. Schneller als erwartet - oder befürchtet - zeigte sich, wie wichtig es war, den "wertvollsten Spieler" der WM im Januar an die Elbe zu holen: Im Vorbereitungsspiel gegen den SC Magdeburg zog sich Bertrand Gille, der andere "alteingesessene" Weltklasse-Kreisläufer des HSV, einen Teilabriss der Achillessehne im linken Fuß zu. Der Franzose wird wohl erst zur zweiten Saisonhälfte nach der EM in Österreich wieder einsatzfähig sein. Schon vor der Verletzung von "Bobo" Gille hatte sein neuer Mitspieler klar gemacht, dass er sich über solch starke Konkurrenz auf seiner Position durchaus freute: "Wir werden so viele Spiele haben, dass es genügend Einsatzmöglichkeiten für beide gibt. Durch die Pausen haben wir dann umso mehr Power", hatte Vori verkündet, der sich jetzt mit Niklas Grundsten die Spielzeit teilt.


Rätselraten um Duvnjak

Rätselraten herrscht noch immer bei einer anderen Personalie. Super-Talent Domagoj Duvnjak hat bereits beim HSV unterschrieben, ab 2011 wird er auf jeden Fall ein Bestandteil der Mannschaft sein. Der HSV hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, den 21-Jährigen schon für diese Spielzeit aus Zagreb loszueisen. Der kroatische Dauermeister spielt allerdings auch hier auf Zeit, fordert mal 1,2, dann wieder 1,5 Millionen Euro. "Etwas enttäuschend", findet HSV-Präsident Andreas Rudolph die Taktik der Kroaten. "Wir sind da andere Verhandlungspraktiken gewohnt." Maximal die Hälfte der aufgerufenen Summen wäre der HSV bereit zu zahlen.

Bei dem Poker spielt Zagreb die Verletzung von Pascal Hens in die Karten. "Pommes" war Ende Juli ein Überbein in der Nähe der Achillessehne operativ entfernt worden. Neun Wochen muss der Rückraum-Star pausieren. Die ersten drei Spiele in der Bundesliga-Saison wird er damit sicher verpassen. "Davon allein können wir aber einen Deal wie den mit Duvnjak natürlich nicht abhängig machen", erklärte Fitzek, der außer Vori nur Perspektivspieler Marcel Schliedermann unter Vertrag genommen hat. Da der HSV gleichzeitig seine Leistungsträger allesamt gehalten hat, ist sich Schwalb dennoch sicher, "dass wir ein stärkeres Team in dieser Saison haben".


Velyky wieder an Bord

Auch die enorm schweren Lose in der Champions League konnten den Trainer so nicht schocken. "Uns macht niemand nervös. Wir müssen uns hinter keiner Mannschaft verstecken", nahm er es gelassen, dass man unter anderem gegen Titelverteidiger Ciudad Real, RK Zagreb und den FC Kopenhagen antreten muss. Übertriebene Kampfansagen will Schwalb allerdings in keinem Wettbewerb lancieren. Kiel sei der Favorit in der Bundesliga. Er selbst wolle (noch) nicht von der Meisterschaft sprechen. Rudolph sagt zumindest, dass man "um alle Titel mitspielen" wolle.

Doch beide sind sich einig, dass es Wichtigeres gibt dieser Tage an der Elbe. Oleg Velyky ist zurück. Kurz nach seinem Kreuzbandriss im Januar 2008 war bei dem gebürtigen Ukrainer zum zweiten Mal Hautkrebs diagnostiziert worden. Sechs Chemotherapien musste der Weltklasse-Spielmacher über sich ergehen lassen. In der alten Heimat hat er sich nun erholt. "Ich hatte die beste Zeit seit langem. Mir geht's so gut wie seit Jahren nicht mehr", sagte der 31-Jährige beim Trainingsauftakt.