Folgen des Skandals - Handball-Referees mit «Null-Toleranz-Grenze» - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Folgen des Skandals

Handball-Referees mit «Null-Toleranz-Grenze»

Leipzig (dpa) - Keine Geschenke, keine Zugeständnisse und keine Gnade mit Sündern: Die Handball-Schiedsrichter gehen mit einer «Null- Toleranz-Grenze» als Lehre aus der Manipulationsaffäre in die neue Bundesliga-Saison.

«In der Bundesliga gibt es eine Null-Toleranz- Grenze zum Beispiel bei Geschenken. Da gibt es nicht einmal mehr ein Handtuch vom Verein. Wir haben eine Ehrenerklärung unterschrieben. Wer sich nicht daran hält, muss mit den Konsequenzen leben», sagte Lars Geipel, zweiter Sprecher der deutschen Referees, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der 34-jährige Journalist aus Steuden in Sachsen-Anhalt, der gemeinsam mit seinem Partner Marcus Helbig seit 2001 auch international pfeift, erwartet künftig mehr Professionalität. «Du hast keine Freunde auf dem Parkett», sagte er, «wir waren die letzten Amateure in dem Sport, es war familiär. Aber das Familiäre ist vorbei. Wir sind Teil des Theaters, spielen unsere Rolle und müssen sie gut spielen.»

Schlagartig bekannt wurde das Duo in der vorigen Saison, als es die Partie HSV Hamburg gegen THW Kiel an Stelle der kurzfristig abgesetzten Frank Lemme und Bernd Ullrich leitete. Die Magdeburger hatten im Zusammenhang mit einem Europacup-Finale weder einen Manipulationsversuch noch den Fund von 50 000 Dollar im Gepäck gemeldet. International sind sie für fünf Jahre gesperrt, national dürfen sie ab Dezember wieder pfeifen. «Ein Tiefschlag war die Bestechungsaffäre, die mit Lemme/Ullrich ihren Anfang nahm. Das war für die Schiedsrichter belastend. Ich erinnere mich an Hamburg gegen Kiel. Das will ich nicht wieder haben. Da war die Atmosphäre aufgeheizt. Ansonsten gab es keine Anfeindungen», berichtete er.

Geipel und Helbig werden im Dezember in China zum zweiten Mal Spiele bei einer Frauen-WM leiten. In der Bundesliga pfeift das Duo am zweiten Spieltag das brisante Duell zwischen dem deutschen Meister THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen, in der Frauen-Bundesliga bereits am kommenden Wochenende die Partie FHC Frankfurt/Oder gegen Bayer Leverkusen.

Nach den Rücktritten von Harald und Bernd Andler (Remseck/Stuttgart), Jutta Ehrmann-Wolf und Susanne Künzig (Odenthal/Karlsruhe) sowie Hagen Becker und Axel Hack (Halberstadt) befindet sich die deutsche Schiedsrichter-Gilde im Umbruch. Mit Spannung wird im Dezember das Comeback von Lemme/Ullrich nach ihrer neunmonatigen Suspendierung erwartet. «Wenn beide ihre Tests abgelegt haben, dann freuen wir uns auch persönlich, dass sie wieder pfeifen dürfen», sagte Geipel.

Er hofft, dass die Affären der vorigen Saison ausgestanden sind und sich so etwas nicht wiederholt. «Wenn man konsequent die Lehren aus dem Gewitter umsetzt, kann es ein reinigendes gewesen sein. Ansonsten hat man die ganze Chose in zwei Jahren wieder», mahnte Geipel und monierte, dass es von Europas Dachverband EHF keine Regularien für den Umgang der Vereine mit den Schiedsrichtern gibt.

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