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Trainerentlassung in Lemgo

Heiner Brand: „Ein unglaubliches Verhalten."

Dem kläglichen Scheitern in der Champions-League-Qualifikation folgte das abrupte Aus: Noch vor seinem Bundesliga-Auftaktspiel hat der TBV Lemgo Trainer Markus Baur und den Sportlichen Leiter Daniel Stephan beurlaubt. „Es ist schon ein Ziehen der Reißleine“, sagte Geschäftsführer Volker Zerbe am Donnerstag  zur Zwangsdemission des Duos. Handball-Bundestrainer Heiner Brand reagierte mit einer heftigen Rüge: „Ein unglaubliches Verhalten, das mich fast schon an die Methoden im Fußball erinnert.“
  Die drei Niederlagen im Kampf um einen Platz in Europas „Königsklasse“ am Wochenende im spanischen Leon brachten das Fass zum Überlaufen. Die sportliche Entwicklung des Teams, die schwachen Resultate in der Saisonvorbereitung und das Abschneiden in Leon zwangen die TBV-Entscheidungsträger zu der Maßnahme: „Wir mussten reagieren“, sagte Zerbe. Den Willensakt habe man sich nicht leicht gemacht: „Wir haben lange überlegt, diskutiert und analysiert.“ Am Ende mussten Baur und Stephan gehen.
  Für Brand ist dies kaum nachvollziehbar: „Da wird ein Trainer quasi vor Beginn der Saison entlassen, der in der vergangenen Spielzeit trotz vieler Verletzungsprobleme mit dem vierten Tabellenplatz ein optimales Ergebnis erzielt hat.“ Der TBV müsse sich schon gut aufgestellt fühlen, „wenn er zwei ausgewiesene Handball- Fachleute wie Baur und Stephan so plötzlich vor die Tür setzt“. Dass „so schnell Taten folgen - damit habe ich nicht gerechnet“, ergänzte der Bundestrainer.
  Vorerst übernehmen Co-Trainer Jürgen Franke und Abwehrchef Daniel Kubes die Verantwortung für die Mannschaft des EHF-Pokalsiegers von 2006. Zerbe wollte das Team des zweimaligen deutschen Meisters am Donnerstagabend in der Bundesliga gegen den SC Magdeburg von der Bank aus unterstützen. „Natürlich stehe ich auch in der Pflicht und werde alles dafür tun, dass wir gemeinsam dieses Spiel gewinnen werden“, wurde der ehemalige Nationalspieler im Internet zitiert. Ein Sieg sei immens wichtig, „um wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen“.
  Lemgos früherer Manager Fynn Holpert, der beim TBV-Hauptgeldgeber (Heristo) beschäftigt und Beiratsmitglied des Bundesligisten ist, war in Leon Augenzeuge der drei Niederlagen und reagierte auf die Pleite: „Es ist extreme Eile geboten. Es muss unbedingt etwas passieren, um die Truppe wieder in die Spur zu bringen“, sagte er der „Lippischen Landes-Zeitung“. Stephan, Welthandballer von 1998 und in Lemgo eine Handball-Ikone, hatte noch vor der Beurlaubung darauf gehofft, dass es mit ihm und Baur weitergeht: „Alle haben den Ernst der Lage erkannt. Es gab ein reinigendes Gewitter.“
  Die Übergangslösung mit Franke und Kubes soll laut Zerbe schnell beendet werden. „Wir haben ganz konkrete Vorstellungen. Es gibt zwar keinen Zeitplan, aber es wird eine sehr kurzfristige Lösung geben“, kündigte er an. Baur und Stephan hätten auf die Nachricht von ihrer Beurlaubung am Mittwochabend „natürlich nicht erfreut“ reagiert. „Aber sie haben es vernünftig aufgenommen“, ergänzte Zerbe.