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Hessen legen einige Kunstpausen ein

Das "roch" nach einer Vorentscheidung. Nämlich das, was in der 44. Minute in der Kasseler Rothenbach-Halle passierte: Düsseldorfs Rückraumspieler Sulc scheiterte bei einem Tempogegenstoß an Torwart Kelentric und der Melsunger Karipidis machte es im Gegenzug besser - 23:19. Als kurz darauf Nenad Vuckovic nach einem verworfenen Asgeirsson-Siebenmeter gar auf 24:19 erhöhte, schienen die Nordhessen auf der Siegerstraße eingebogen, ja sogar der verdiente Moment eines kurzen zufriedenen, mentalen Zurücklehnens gekommen.

Genau das war der Fehler. "Gegen einen solchen kampfstarken Gegner darfst du nie abschalten", sagte MT-Rückraumrecke Sanikis. Und erklärte damit, warum es schließlich noch eines furiosen Endspurts seiner Mannen bedurfte, um die tapferen Rheinländern mit 34:29 (15:14) endgültig geschlagen nach Hause zu schicken.

Fünf Tore in Folge - vom 29:28 zum 34:28 - machten denen endgültig den Garaus, nachdem sie zuvor 55 Minuten äußerst passabel mitgehalten hatten. "Dann ist uns wohl die Luft ausgegangen", bekannte ein enttäuschter und erschöpfter Marcel Wernicke. Der Linksaußen hatte in der Anfangsphase als Spitze einer disziplinierten 5:1-Deckung mit seinen gestohlenen Bällen sogar zu einer Düsseldorfer 8:6-Führung nach 14 Minuten beigetragen. Und damit die Befürchtung von MT-Trainer Zinglersen bestätigt, "dass die größte Gefahr von den gegnerischen Tempogegenstößen ausgeht."

Dazu verhalfen den Gästen "viele technische Fehler" (Zinglersen) genauso wie das eigene, robuste Eingreifen gegen Vasilakis, Sanikis und Co., die sich immer wieder festmachen ließen. Im eigenen Positionsangriff zeigte die angewandte Einschläferungstaktik Erfolg, wobei die Düsseldorfer bei ihren langatmigen Ballstaffetten aber auch überraschend unbehelligt von der Melsunger 6:0-Deckung blieben.

Immerhin: Starke Einzelaktionen von Nenad Vuckovic, Alexandros Vasilakis und Daniel Tellander hielten den Schaden für den Favoriten in Grenzen - und in der Pause nahm Ryan Zinglersen offensichtlich die entscheidenden Justierungen vor. Denn auf einmal lief der Ball in seiner Offensive, schnell und verwirrend, wurde ein Treffer nach dem anderen wunderschön herausgespielt. Ob vom Kreis, wo Felix Danner kaum noch zu halten war, von außen, wo Savas Karipidis an bessere Tage erinnerte, oder aus dem Rückraum, der nun richtig Fahrt aufnahm. "Wir haben besser zusammengespielt", begründete Trainer Zinglersen die klare Leistungssteigerung. Was auch für die eigene Abwehr galt, die nun kaum mehr Lücken bot.

Allerdings nur ein Zwischenhoch, selbst wenn der angestrebte Sieg schließlich noch komfortabel anmutete. "Wir hatten stets alles unter Kontrolle", behauptete Grigorios Sanikis. Klang etwas gewagt, war es aber nicht. Denn nach jeder Kunstpause wusste seine Mannschaft - siehe oben - immer wieder rechtzeitig Gas zu geben.