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3. Platz beim Erima-Cup in Bremen

HSV Hamburg noch nicht startklar

Kurz vor dem Ende des ersten Halbfinals des Erima-Cups in Bremen. Die
jungen Fans sammeln sich an der Seitenlinie. Es herrscht helle
Aufregung: Lemgo liegt mit vier Toren vorne! Gibt es dennoch Autogramme
vom HSV Hamburg? Kurz darauf bestätigen sich die Befürchtungen. Der
deutsche Meister verliert mit 32:38, kassiert einen Schuss vor den Bug.
Bei den Hamburgern hat bis auf Johannes Bitter und Nachwuchsmann Marcel
Schliedermann niemand die Muße, Autogramme zu schreiben. Wortlos geht es
in die Katakomben der Messehallen. Nur Johannes Bitter redet Klartext.
"Diese vielen technische Fehler", ärgerte er sich. "Das muss noch viel
besser werden. Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen."

Die Westfalen feierten indes den unerwarteten Erfolg. "Das ist gut für
die Atmosphäre, die Mannschaft hat gezeigt, was in ihr steckt.",
lächelte Manager Volker Zerbe. Dabei hatten mit Rolf Hermann und Patrik
Johansson sogar beide Rückraum-Linkshänder gefehlt. Florian Kehrmann
sprang in die Bresche, markierte stolze neun Treffer. Der Routinier war
es dann aber auch, der auf die Euphoriebremse drückte und auf den
Vorbereitungs-Charakter der Partie verweisen. "Wir haben gut gekämpft",
sagte er. "Aber wir dürfen es nicht überbewerten, dass wir den deutschen
Meister geschlagen haben."

Der neue HSV-Trainer Per Carlén war  die erstaunliche Formkurve
seiner Truppe nicht verborgen geblieben. Mit 7:2 nach sechs Minuten
hatte sie einen "Raketenstart" erwischt. "Und dann hat es wumm gemacht",
deutete er einen Tiefflug an, um die Erklärung gleich nachzuschieben:
"Die Mannschaft hat hart trainiert, sie ist wirklich müde." Außerdem
musste er in seiner zweiten Reihe auf drei Spieler verzichten: Das
Comeback von Sohn Oscar Carlén wird nach einem Kreuzbandriss für Oktober
erwartet. Guillaume Gille laboriert an Achillessehnen-Beschwerden.
Michael Kraus absolvierte während der Partie eine Laufeinheit in einem
nahen Park. "Ein Knoten im Oberschenkel -wir wollten kein Risiko
eingehen", sagte der Nationalspieler.

Immerhin: Am Sonntag, im kleinen Finale, zeigten die Hamburger einen
Aufwärtstrend und schlugen die SG Flensburg-Handewitt mit 31:28.
Allerdings pfeifen die Nordlichter derzeit - so wie über weite Strecken
der vergangenen Rückrunde - personell aus dem letzten Loch. Die
Abwehrsäulen Tobias Karlsson (Bandscheiben-Vorfall) und Jacob Heinl
(Kreuzbandanriss) sollen erst zum September wieder einsatzfähig sein.
Mit dem Comeback von Rechtsaußen Lasse Svan Hansen (Leiste) wird in
knapp zwei Wochen gerechnet.

Für einen Schock sorgte Neuzugang Lars Kaufmann. Gleich bei der ersten
richtigen Handballeinheit störten Probleme an der Wurfhand. Ein
Sehnenriss am Daumen! Der Rückraumshooter unterbrach die Vorbereitung
und reiste für Untersuchungen nach Süddeutschland. Danach soll
entschieden werden, ob eine Operation notwendig ist. In Bremen pausierte
zudem Holger Glandorf weitgehend, kam nur zu einigen Kurzeinsätzen in
der Abwehr: die Schulter. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme,
wirklich nichts Ernstes", wiegelte der Weltmeister ab. Der neue Keeper
Mattias Andersson, der beim 27:33 gegen die Füchse Berlin allein im
zweiten Durchgang 19 Mal den Ball aus den Maschen holen musste, nahm die
aktuelle Situation mit Galgenhumor. "Lieber jetzt die ganzen
Verletzungen als während der Saison."