DHC Rheinland - TSV Dormagen in höchster finanzieller Not - Im Dezember droht eine Zahlungslücke - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
TSV Dormagen in höchster finanzieller Not

Im Dezember droht eine Zahlungslücke

>Ruhig und gelassen ging Karl-Josef Ellrich, der kommissarische Vorsitzende des TSV Bayer Dormagen, am Donnerstag vor dem Training des Wandschneider-Teams in die Kabine und gab den Spielern nach neuerlichen Veröffentlichungen über die finanzielle Situation den Rat: "Gebt auf dem Spielfeld die passende Antwort, das andere regeln wir schon." Das sportliche Sammeln der ersten Punkte in dieser Saison klappte am Freitag gegen Balingen freilich nicht. Am Kampf lag´s wohl nicht, die Mannschaft hat bis zum Schlusspfiff gefightet. "Wenn die Spieler auch noch in den letzten Minuten solchen Einsatz zeigen, dann macht das doch Mut für die Zukunft", richtete auch Balingens Geschäftsführer Benjamin Chatton aufmunternde Worte an den TSV. Ob die relativ hohe Fehlerzahl und die häufig zu unplatzierten Abschlüsse mit der aktuellen Situation zu tun hatten, will Teammanager Thomas Dröge indes nicht ausschließen: "Natürlich spielen solche Dinge im Unterbewusstsein mit." Und Trainer Kai Wandschneider stellte fest: "Die Spieler haben gegen Balingen kämpferisch 100 Prozent gegeben und zum Schluss die Köpfe nicht hängen gelassen. Auch im Training ziehen alle voll mit. Doch anschließend sitzen sie zusammen und machen sich natürlich ihre Gedanken."

Ob der Verein die offenkundige Schieflage in den Griff bekommt, dürfte sich in dieser Woche entscheiden. Ellrich hatte schon kurz nach der Übernahme seines Amtes vor drei Wochen erklärt, dass der TSV die Finanzlage prüfe und die Schlussfolgerungen nach Lage der Dinge ziehen und mitteilen werde. Mitten in die weit gediehenen Gespräche platzte dann am Donnerstag der zunächst von ZDF-Online verbreitete Bericht mit der Überschrift "Dormagen kämpft ums Überleben". In einem "clubinternen Papier" sei die Rede von einem Schuldenstand in Höhe von 1,8 bis 2,5 Millionen Euro, der Liga drohe schon wieder ein Zwangsabsteiger, wurde kolportiert.

Die Zahlen dementierte Karl-Josef Ellrich prompt, räumte aber laut Neuß-Grevenbroicher Zeitung ein, dass "wir im Dezember eine Zahlungslücke haben, wenn wir nicht gegensteuern." Er wiederholte seine bereits vor zwei Wochen gemachte Aussage: "Ich gehe davon aus, dass wir die Saison zu Ende spielen. Und wenn wir sportlich den Klassenerhalt schaffen, werden wir alles daran setzen, weiter Bundesliga-Handball in Dormagen zu bieten."

Der Verein befinde sich seit längerem in Gesprächen mit der Liga und hat nach HW-Informationen am Freitag den von der HBL angeforderten aktuellen Finanzstand geliefert. Was ein solch vager Bericht über den finanziellen Zustand in der aktuellen Situation erreichen wolle, das fragen sich inzwischen etliche Beteiligte. Und: "Wenn es ein clubinternes Papier über die Schuldensituation gäbe, dann würde doch darin eine exakte Summe stehen und keine Spanne von bis", meint ein Vereinsmitarbeiter. Zwangsläufig wird auch die "Schuldfrage" für die Misere verstärkt diskutiert. Dabei geht niemand ernsthaft davon aus, dass ein Schuldenberg in bedeutsamer Höhe erst nach dem Weggang von Manager und Hauptgeschäftsführer Uli Derad Richtung THW Kiel Ende Juni angehäuft werden konnte. Der Bayer-Konzernbetriebsratsvorsitzende Ellrich feierte übrigens am gestrigen Montag seinen 60. Geburtstag. Das aufgestellte Sparschwein galt ausschließlich seinem persönlichen Geschenk. TSV Dormagen

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