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Anklage gegen Schwenker und Serdarusic - SG-Präsident unter Verdacht

Justiz-Ärger in Flensburg und Kiel

Den Vorzeige-Handballclubs aus Schleswig-Holstein droht großer juristischer Ärger. Die Kieler Staatsanwaltschaft erhob in der Affäre um angebliche Bestechung von Schiedsrichtern Anklage wegen Betrugs gegen den früheren Manager des THW Kiel, Uwe Schwenker, und Ex-Trainer Noka Serdarusic.

Das bestätigte ein Kieler Gerichtssprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Anklage sei bei der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts eingegangen, sagte er. Schwenker werde Betrug und Untreue in mehreren Fällen, Serdarusic Betrug und Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. Bei beiden Delikten drohen jeweils bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe.

Ermittlungen kurz vor dem Abschluss

Ebenfalls am Wochenende wurde bekannt, dass die Kieler Staatsanwälte wegen Bestechlichkeit und besonders schwerer Untreue in mehreren Fällen gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Flensburger Sparkasse und aktuellen Präsidenten der SG Flensburg- Handewitt, Frerich Eilts ermitteln. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Uwe Wick der dpa. Die Ermittlungen stünden kurz vor dem Abschluss, Eilts drohe eine Anklage, sagte Wick und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Schleswig-Holstein am Sonntag".

Nach Angaben von Wick wirft die Staatsanwaltschaft Eilts unter anderem vor, einem Makler systematisch Immobilien verschafft und zugleich Vorteile für die SG angenommen zu haben. Die fraglichen Immobilien seien nach den Erkenntnissen seiner Behörde mit Krediten der Flensburger Sparkasse finanziert worden.

Faule Kredite über 120 Millionen

Eilts wies die Vorwürfe gegenüber der Zeitung zurück. Zwischen den Immobiliengeschäften und dem Werbevertrag des Immobilienmaklers zugunsten der SG Flensburg-Handewitt gebe es keinen Zusammenhang. Eilts räumte 2008 seinen Posten bei der Flensburger Sparkasse, nachdem diese in Schieflage geraten war und von der Nord-Ostsee- Sparkasse übernommen wurde. Die Nospa berichtete vor kurzem über faule Kredite von rund 120 Millionen Euro, die aus Altlasten der Flensburger Sparkasse resultieren sollen.

Für die Anklagebehörde kündigte deren Sprecher Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer in der Schiedsrichteraffäre "in Kürze" eine Erklärung an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit mehr als zehn Monaten gegen Schwenker und Serdarusic. Ob die 5. Große Wirtschaftsstrafkammer tatsächlich die Anklage zulässt und ein Verfahren eröffnet, entscheidet sich erst nach einem sogenannten Zwischenverfahren, sagte der Sprecher.

EHF will "nicht spekulieren"

Das Gericht leitet die Anklage zunächst Betroffenen und Beschuldigten zu. Diese haben dann einen Monat Zeit, Stellung zu nehmen. Danach prüft die Kammer, ob sie gegebenenfalls noch selbst Ermittlungen veranlassen oder Zeugen hören will, bevor sie entscheidet. Bis zur Eröffnung eines Verfahrens könnten Monate vergehen.

Die Europäische Handball-Föderation (EHF) reagierte verhalten auf die Anklageerhebung im Fall Kiel. "Ich kann nicht präjudizieren. Und zu spekulieren ist nicht sinnvoll in meiner Position. Wir werden alle Informationen seriös weiterbearbeiten", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer am Rande der EM in Wien. Er kündigte an, dass die EHF mit Justizbehörden in Kiel weiter eng zusammenarbeiten will, um auch das eigene Verfahren abschließen zu können. "Die Staatsanwaltschaft wird uns informieren, weil wir in ständigem Kontakt sind", sagte der Österreicher.

Nach Informationen des Nachrichten-Magazins "Der Spiegel" stehen vor allem zwei Überweisungen des THW Kiel in Höhe von 92 000 Euro im Fokus der Strafverfolger, die auf ein Konto des kroatischen Geschäftsmanns Nenad Volarevic im April und Juni 2007 eingingen. Volarevic bezichtigte sich dem Bericht zufolge angeblich selbst, mit dem Geld zwei polnische Schiedsrichter bestochen zu haben, die am 29. April 2009 das Rückspiel des Champions-League-Finales in Kiel geleitetet hatten. Beide Schiedsrichter bestreiten dies jedoch, hieß es weiter.

Schwenkers Anwalt Harald Riettiens wies im "Spiegel" jeglichen Korruptionsverdacht gegen seinen Mandanten zurück. Das im Rückspiel des Champions-League-Finales unterlegene Flensburg-Handewitt prüft dem Bericht zufolge wegen angeblicher Manipulation eine Schadenersatzklage gegen den THW. Sportrechtler Thomas Summerer, der die Flensburger vertritt, sagte dem "Spiegel": "Aus unserer Sicht gibt es in den Akten stichhaltige Indizien, dass das Champions- League-Finale 2007 manipuliert wurde."