TBV Lemgo - Doping-Sperre - Kakao-Samen werden Martin Galia zum Verhängnis - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Doping-Sperre

Kakao-Samen werden Martin Galia zum Verhängnis

Dies geht aus dem Urteil der Anti-Doping-Komission des DHB (ADK) unter Vorsitz von Heinz Winden hervor, das vergangene Woche veröffentlicht wurde. Galia war der Einnahme des verbotenen Wirkstoffs Octopamine überführt worden, der bei einer Dopingkontrolle am 28. März nach dem Bundesligaspiel gegen Großwallstadt entdeckt worden war. Zudem muss Galia eine Geldstrafe von 20.000 Euro zahlen. Die ADK hatte lange für diesen Urteilsspruch gebraucht, der im Endeffekt einen Kompromiss darstellt. Zwar wird Galia gesperrt, aber der Beginn dieser Sperre wurde rückwirkend auf den 1. April gelegt, weil die Verzögerung der Untersuchungen nicht ihm anzulasten sind. Ungemach droht nun möglicherweise der tschechischen Nationalmannschaft, denn noch am 10. Juni beim EM-Qualifikationsspiel gegen Portugal stand Galia im Tor.

Nahrungsergänzung

In ihrer Urteilsbegründung lobt die ADK die Kooperation von Galia und Verein, was die Suche nach dem "spezifischen Wirkstoff Octopamine", einem Extrakt aus dem Kakao-Samen, betrifft. Er fand sich in tschechischen Nahrungsergänzungsmitteln der Marke "Nox-Pump". Die Analyse des Anti-Dopinglabors an der Sporthochschule Köln gestaltete sich schwierig, da statt des tschechischen Präparats ein gleichnamiges polnisches analysiert wurde, in dem kein Octopamine gefunden wurde.

In ihrer Analyse stellen die Kölner Biochemiker nicht fest, ob Octopamine im Fall von Galia überhaupt eine leistungssteigernde Wirkung gehabt hat.Gerade diese Tatsache und dass Galia das Mittel unwissentlich eingenommen hat, betrachtet man in Lemgo beim Blick auf die Strafe kritisch: "Eine Geldstrafe hätte auch genügt", sagte Sportdirektor Daniel Stephan der HW: "Wir sind nicht sauer auf die ADK, sie hat ordentliche Arbeit gemacht, aber mit dem Urteil sind wir nicht einverstanden. Es ist zu hart, gerade im Hinblick auf die Champions-League-Qualifikation."

Übergangslösung

Anfang dieser Woche will der TBV entscheiden, ob der Verein beziehungsweise Galia Einspruch gegen das Urteil einlegen wird: "Wir werden das mit unserem Anwalt genau prüfen", sagte Stephan. Da der TBV dennoch davon ausgeht, dass Galia bis Ende September gesperrt bleibt und auch nicht am Trainingsbetrieb teilnehmen darf, sucht man derzeit fieberhaft nach einer Übergangslösung. "Wir stehen in Gesprächen und sind guter Dinge, dass wir eine Lösung finden", sagt Stephan, der klarstellt, dass der TBV keinen Torwart über den 1. Oktober hinaus verpflichten wird.

Längere Sperre gefordert

Interessant dürfte auch die Haltung der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada sein, die nach HW-Informationen eine zweijährige Sperre gefordert hatte - und ebenfalls noch Einspruch gegen das DHB-Urteil einlegen kann. Wegen der Einnahme von Octopamine waren in den vergangenen drei Jahren weltweit nur ein Boxer und eine Schwimmerin gesperrt worden. Vor allem im Vergleich zum Boxer sieht der ADK-Vorsitzende Heinz Winden (DHB-Vizepräsident Recht) die sechsmonatige Sperre als gerechtfertigt an: "Der Boxer hätte in diesem Zeitraum zwei Kämpfe gehabt, ein Handballer hat viele Spiele. Zudem darf Galia auch nicht mit der Mannschaft mittrainieren, der Boxer hätte sich sportspezifisch fithalten können." Gerne hätte man von Seiten der ADK eine höhere Geldstrafe verhängt, doch die 20.000 Euro sind das Höchstmaß, das die Nada vorsieht. "Da müsste man eine Staffelung für Profisportler einführen", so Winden.

Um in Zukunft solche Fälle wie den von Galia in Lemgo auszuschließen, haben die TBV-Verantwortlichen mit allen Spielern "ein ernstes Wort in Sachen Nahrungsergänzungsmittel" gesprochen. "Sie dürfen nur noch solche Mittel einnehmen, die vorher von unserem Arzt überprüft wurden", sagte Daniel Stephan.

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