Rhein-Neckar Löwen - Nach schwerer Augenverletzung - Karol Bielecki kämpft für sein Comeback - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Nach schwerer Augenverletzung

Karol Bielecki kämpft für sein Comeback

Die Nachricht schockte die Handball-Welt. Als vor knapp sieben Wochen die Meldung über eine schwere Augenverletzung bei Karol Bielecki., dem Top-Torjäger der Rhein-Neckar Löwen, bei einem Länderspiel seiner Nationalmannschaft gegen Kroatien die Runde machte, hieß es Hoffen und Bangen. Trotz zweier Operationen in Lublin und Tübingen konnte das linke Augenlicht bei dem 28-jährigen nicht mehr gerettet werden.

Der 2,02 Meter große Weltklasse-Handballer setzt trotz des erblindeten linken Auges seine Karriere fort. Er wirkt gelassen, fast schüchtern, spricht leise über das Schicksal, aber er zeigt einen enormen Willen. „Ich möchte anderen Menschen zeigen, die auch Probleme mit dem Auge haben, dass es geht“, sagt Bielecki. Er blickt optimistisch in die Zukunft. „Es war immer mein Traum, in der Bundesliga zu spielen“, sagt Bielecki. Ein Handball-Profi vom Scheitel bis zur Sohle. Mit Josip Valcic seinem kroatischen Gegenspieler, der mit seinem Finger ihm bei einer Abwehraktion das Auge verletzt hatte, hat er keinen Kontakt. „Er konnte ja nichts dafür, es war ein Unfall“, beschreibt er die damalige Aktion. Umso mehr beweist er immer wieder ohne große Worte seine Willenskraft. „Ich möchte genauso spielen, wie vorher und noch eine bessere Leistung bringen als in der letzten Saison“.

Dafür hat er schon drei Wochen nach der Erblindung wieder mit dem Training begonnen. „Wir haben aber vom Tag der zweiten Operation an nach vorne geschaut, Karol hat den Schalter sofort auf Comeback gelegt“, berichtet Löwen-Mannschaftsarzt Dr. Andreas Klonz.  „Ich muss jetzt viel mehr den Kopf bewegen“, stellt Bielecki nüchtern fest. „Es wird mit jedem Training besser, ich bin wirklich zufrieden damit“, so der Halblinke mit dem Hammerwurf. Keine Probleme bereitet ihm das Tragen einer Schutzbrille. „Sie dient vielmehr dem Schutz des gesunden Auge“, sagt sein behandelnder Augenarzt Dr. Thomas Katlun. „Wichtig ist auch, dass Karol so früh wie möglich wieder einen Ball in die Hand genommen hat“, ergänzt der Mediziner.

Die Therapie läuft aber weiter. Zusammen mit Physiotherapeut Bernd Herbeck setzt Bielecki seine Rehabilitation in Mannheim fort. Begonnen hat dies mit einer umfangreichen Bewegungskoordination. „Wir haben am Anfang geübt, einen Softball zu fangen, mit ihm zu laufen und auch zu werfen“, erklärt Herbeck mit Blick auf den eingeschränkten Radius des Auge. „Karol zieht sehr gut mit, es ist schon erstaunlich, wie gut bisher alles verlaufen ist“. Ein Grund, weshalb man derzeit auch keine Zweifel an der Fortsetzung seiner Karriere aufkommen lässt. „Es ist klar, dass Karol noch nicht bei 100 Prozent ist, aber wir wissen, dass er Handball spielen kann. Er wird es weiterhin tun und er wird es auch bei uns tun“, sagte Manager Thorsten Storm und sichert seinem Torjäger weiterhin jegliche Unterstützung zu.

Dagegen hält sich Trainer Ola Lindgren mit einer Prognose zurück. „Da ist es momentan noch zu früh“, zeigt sich der Schwede etwas zurückhaltend. „Karol hat nie Zweifel daran gelassen, dass er zurück kommen will“, ergänzte Storm. Gerade zu Dankbarkeit sieht sich der 28-jährige jetzt schon verpflichtet. „Thorsten Storm und Ute Krebs haben viel mit mir gesprochen. Ich kann mich nur bei dem Verein und den vielen Menschen bedanken, die mir geholfen haben“, sagte Bielecki. „Dass die Rhein-Neckar Löwen nicht nur ein Verein, sondern auch ein Zuhause und eine Familie sind“, unterstrich Thorsten Storm nochmals die gelebte Philosophie.