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Karol Bielecki: Vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger

Bereits nach 50 Sekunden riss Karol Bielecki zum ersten Mal die geballte Faust in die Höhe. Für den polnischen Nationalspieler war sein erster Treffer das Zeichen für einen persönlichen Neubeginn nach seiner schweren Augenverletzung.

Für die Rhein-Neckar Löwen meldete sich in Bielecki nicht nur ein Sorgenkind zurück. 81 Tage nach der Verletzung, in dessen Verlauf er auf einem Auge erblindete, untermauerte der 28-jährige Hüne mit elf Treffern als Matchwinner im baden-württembergischen Derby gegen Frisch Auf Göppingen (28:26) seine Position als Hoffnungsträger für die Champions-League-Qualifikation. Sie wird von Freitag bis Sonntag in der Karlsruher Europahalle ausgetragen.

«Er war heute stärker denn je. Ich hatte die ganze Zeit einen Kloß im Hals. Das heute war für mich einfach mehr wert als jeder Sieg», sagte ein sichtlich gerührter Manager Thorsten Storm nach der Partie. Dass Bielecki nichts verlernt hat, zeigte er spätestens mit seinem vierten Treffer. Der schlug millimetergenau mit rund 100 km/h im rechten oberen Toreck von Göppingens Schlussmann Enid Tahirovic ein und entlockte diesem nur noch ein resigniertes Schulterzucken.

Dabei erinnert sich Storm noch gut an die ersten verzweifelten Tage nach Bieleckis Verletzung. Als die Verantwortlichen in Polen endlich mit ihm zusammenkamen, war die Linie klar. «Wir haben ihm gesagt: Karol, Du hast nur zwei Möglichkeiten. Entweder du hörst jetzt auf, oder Du versuchst es. Er hat es versucht, und er hat sein Schicksal besiegt», erzählt Storm.

Es folgten noch mehrere Operationen, das linke Auge konnten die Ärzte dennoch nicht retten. Bielecki bekam daraufhin eine Schutzbrille und ein spezielles Training, das unter anderem auf seinen Gleichgewichtssinn abstellte. In der Folge machten Storm und die Verantwortlichen ihm immer wieder Mut, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben, Fehler zu akzeptieren und vor allem den Fokus von seinem Auge zu nehmen.

«Alle werden sagen, es hat am Auge gelegen. Aber erinnere dich, du hast im vergangenen Jahr und auch im Jahr davor immer wieder schlechte Spiele gehabt. Und das weißt du. Das wird dir auch jetzt immer wieder passieren», sagte Storm, der um die Persönlichkeit des Polen weiß: «Er ist ein sehr sensibler Typ. Er hat nur den Handball. Er kommt aus wirklich einfachen Verhältnissen und nimmt sich auch vieles sehr zu Herzen. Er fokussiert sich eine ganze Woche auf so ein Spiel. Das ist der Mittelpunkt seines Lebens.»

Selbst spricht Bielecki nicht über sein Handicap. Für ihn ist die Sache erledigt. Doch trotz aller Fortschritte musste er im ersten Ligaspiel bei HBW Balingen-Weilstetten noch schwere Minuten ohne Einsatz auf der Bank verbringen. Trainer Ola Lindgren hatte dort in seinem Landsmann Grzegorz Tkaczyk gegen die offensiv ausgerichtete Abwehr der Schwaben die bessere Alternative gesehen. «Aber dass er heute so explodiert ist, ist für mich beinahe unglaublich. Dass er das so hinbekommen hat, macht mich total glücklich», sagte Storm.