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Analyse des Gipfeltreffens

Kiel in Meisterform - HSV vergibt Matchball

Christian Zeitz demonstrierte eine gute Minute vor dem Schlusspfiff genau die Nervenstärke, die Nationalspieler Pascal Hens über 60 Minuten im Spitzenspiel der Bundesliga fehlte.

In fast aussichtsloser Position schlenzte der Kieler den Ball ins Tor des HSV Hamburg und sorgte für die Vorentscheidung der spannenden Partie und wohl auch im Titelrennen zugunsten des THW. Hens schaffte es hingegen im gesamten Spiel nicht, seine Nervosität abzulegen. Gerade dreimal traf der sonst so wurfgewaltige Schütze.

«Glückwunsch an den THW, sie sind zu Recht deutscher Meister», sagte HSV-Coach Martin Schwalb und gratulierte nach dem 31:33 (14:15) bereits zwei Spieltage vor Saisonende zum Gewinn des 16. Titels. Mit 58:6 Punkten führt der Rekord-Champion mit einem Punkt und dem besseren Torverhältnis die Tabelle an.

«Die Big Points hat der THW gemacht, deswegen haben sie auch gewonnen. Ein Duell auf Augenhöhe», sagte Schwalb, der wegen des Pokalsieges und der langen Dominanz an der Bundesliga-Spitze von einer erfolgreichen Spielzeit sprach. Dennoch hat sein Team im entscheidenden Moment nicht das gezeigt, was es kann. «Der eine oder andere hat ein Problem gehabt, sein Spiel aufzuziehen», meinte der ehrgeizige Übungsleiter, dem ebenso wie seinem Starensemble klar war, dass die Chance auf den Titel «noch nie so groß wie in diesem Jahr war». Wie 2007 und 2009 wird wahrscheinlich nur Platz zwei bleiben.

Nicht einmal die lärmende Heimkulisse der HSV-Fans unter den 13 296 Zuschauer in der seit Monaten ausverkauften O2-Arena half den Hamburgern. Im Gegenteil: Hens und Co. schien die eigene Erwartungshaltung und die der Anhänger zu lähmen. Nicht einmal führten die Gastgeber. «Wir hatten das Ziel vor Augen, den Traum, heute mit einem Sieg die Meisterschaft klar zu machen», sagte der starke Torhüter Johannes Bitter. Er musste jedoch die glänzende Kieler Abwehrleistung anerkennen, mit der seine Mannschaft nicht klarkam. 

So ging auch die letzte Rettungsaktion daneben, als etwa drei Minuten vor dem Ende Hens das gelbe Trikot überstreifte, Bitter hinausging und sie mit sieben Feldspielern die Partie noch drehen wollten. «Wir waren darauf vorbereitet», sagte Kiels Trainer Alfred Gislason. Hens traf nur den Pfosten, im Gegenzug warf Christian Sprenger übers ganze Spielfeld ins leere Tor zur Vier-Tore-Führung. Doch Glückwünsche zum sechsten Titel in Serie wollte Gislason nicht annehmen. «Ich bin sehr stolz auf meine Jungs, in schwierigen Phasen haben sie die Nerven gehalten, es war eine Superleistung», sagte der Isländer, «aber es ist noch lange nicht der Fall, dass wir Meister sind. Wir haben noch sehr schwere Spiele vor uns.»

So wollen die Kieler am kommenden Wochenende in Köln beim Turnier der besten vier europäischen Teams um den Gewinn der Champions League ein Wörtchen mitreden. Schon das Halbfinale gegen das spanische Team von Ciudad Real, an das die Hamburger gescheitert waren, ist eine Herkulesaufgabe.

«Ciudad ist genauso stark wie der HSV», sagte Gislason, der auch weiß, wie schwer es danach in der Bundesliga zu Hause gegen Balingen und in Großwallstadt wird. «Das schwerste Spiel der Saison findet in Großwallstadt statt, die Saison ist noch lange nicht entschieden», warnte der besonnene Gislason. Das haben auch seine Spieler kapiert. «Nein, ich nehme noch keine Glückwünsche entgegen, auch wenn manche schmunzeln angesichts des Restprogramms», sagte Dominik Klein.