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Nach der Gala im Nordderby

Kieler Kampfansage

Die Gala des Handball-Rekordmeisters THW Kiel ließ selbst Bundestrainer Martin Heuberger mit der Zunge schnalzen.

«Das haben die Kieler unglaublich clever gemacht. Die Mannschaft hat eindrucksvoll ihre Stärke demonstriert», schwärmte Heuberger nach der 35:21-Demontage des Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt. Die Lehrvorführung des amtierenden Vizemeisters zum Auftakt der Bundesliga-Saison war eine deutliche Kampfansage an die Konkurrenz.

Der 16-malige Meister, der in der vergangenen Saison dem HSV Hamburg den Vortritt lassen musste, ist in einer erstaunlichen Frühform, während der HSV-Motor noch stottert. Dass die Kieler ihre Gegner regelmäßig überrennen und zu Statisten degradieren, ist nichts Neues. Wenn das aber zum Saisonstart gegen einen Top-Konkurrenten passiert, der sich Nationalspieler wie Holger Glandorf und Lars Kaufmann geangelt hat, um dem HSV und dem THW in diesem Spieljahr auf die Pelle zu rücken, dann erstaunt das schon. «Da war eine Liga Unterschied», sagte Sport1-Experte Bob Hanning von den Berliner Füchsen und war bass erstaunt.

Der verpasste Titel in der Vorsaison hat die Kieler gewurmt. «Vielleicht mussten wir das als Sportler einmal erleben. Aus Fehlern lernt man, und wir haben daraus gelernt», sagte Welthandballer Filip Jicha. Der Tscheche glaubt, dass die Mannschaft in der vergangenen Saison genauso stark war wie derzeit. «Aber da konnten wir das nicht abrufen. Wichtig ist, dass wir immer gute Laune haben.»

Einen großen Unterschied zur Vorsaison gibt ein Blick auf die Personallage preis. Der genesene Kim Andersson, der dem THW nahezu die gesamte vorherige Spielzeit wegen Knorpelschadens und anschließenden Daumenbruchs fehlte, wertet den Kader deutlich auf. Neun Tore beim Supercup-Sieg gegen den HSV, elf Treffer gegen die Flensburger - der schwedische Linkshänder trifft nach Belieben. «Das ist ein traumhaftes Gefühl», meinte der Zwei-Meter-Riese und entschuldigte die überforderten Flensburger. «Wenn wir einen guten Tag haben, sehen die anderen Mannschaften ein wenig harmlos aus.»

Was die Kieler in zwei Jahren verlieren, wurden ihnen am Sonntag bewusst. Torhüter Thierry Omeyer, der seinen Vertrag in Kiel nicht mehr verlängern möchte und im Sommer 2013 in die Heimat zu HC Montpellier wechselt, ist der wahre Hexer. Das Tor war wie vernagelt, mehr als 20 Würfe parierte der Franzose. Trainer Alfred Gislason: «Überragend.» Omeyer gestand, dass ihn die Wechselfrage zuletzt belastet habe, «aber jetzt ist der Kopf frei.» Wer ihn beerben soll, ist noch nicht klar. Gemunkelt wird: Silvio Heinevetter von den Füchsen Berlin. Die beteiligten Clubs dementieren jedoch heftig. Noch?