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Vor dem Saisonstart

Kiels Konkurrenten werden stärker

Sie haben den höchsten Etat, sind Rekordmeister, Champions-League-Sieger und Titelfavorit Nummer eins: Die Handballer des THW Kiel sind in der Bundesliga-Saison 2010/11 erneut die Gejagten. Eine Kräfteverschiebung im deutschen Handball scheint dennoch nicht ausgeschlossen.

Mit dem Gewinn des Supercups hat der Vorjahreszweite HSV Hamburg seine Ambitionen auf den deutschen Meistertitel untermauert. Mit dem Rekord-Budget von 9,5 Millionen Euro startet der THW das Unternehmen Titelverteidigung - es wäre der 17. Erfolg für die Männer von der Förde. «Wir wollen um jeden Titel mitspielen, und auch den einen oder anderen einfahren», sagte THW-Geschäftsführer Uli Derad. Und das trauen die 18 Bundesliga-Trainer den Kielern durchaus zu. In einer Umfrage bekam der Champions-League-Sieger 17 Stimmen.

Doch ganz ohne Sorgenfalten gehen die Kieler nicht in die neue Spielzeit, die am 29. August mit dem Heimspiel gegen die TSG Friesenheim beginnt. Nach seinem Kreuzbandriss fällt Top-Rückraumschütze Daniel Narcisse noch Monate aus. Ob die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason diesen Verlust kompensieren kann, muss sich zeigen. Bei der 26:27-Niederlage im Supercup gegen den HSV war das Fehlen des französischen Nationalspielers nicht zu übersehen. Dennoch blickt Gislason optimistisch in die Zukunft: «Ich bin froh, dass die Vorbereitung jetzt endlich vorbei ist. Insgesamt können wir gut darauf aufbauen.»

Das kann auch der Meister-Konkurrent aus Hamburg, der in Nationalspieler Michael Kraus (TBV Lemgo) wohl den spektakulärsten Transfer der Liga vermeldete. «Natürlich wollen wir alle am Ende der Saison auf dem Balkon des Rathauses feiern», erklärte Kraus. Und sein Trainer Martin Schwalb fügte hinzu: «Die Titelvergabe darf nur über den HSV gehen.» Dafür haben sie an der Alster den nötigen Rahmen geschaffen. Der Etat stieg auf 8,5 Millionen Euro, zudem wurden bereits 5600 Dauerkarten verkauft - Vereinsrekord.

Für perfekte Bedingungen will auch der Ligaverband HBL sorgen. «Wir sind die stärkste Handball-Liga der Welt. Es ist aber ein ständiger Wettlauf, in dem wir uns keine Fehler erlauben dürfen. Wir müssen die Wirtschaftsstärke weiter verbessern», sagte HBL- Geschäftsführer Frank Bohmann.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga kommt in dieser Spielzeit ein Frühwarnsystem gegen Wettmanipulation zum Einsatz. Und das, obwohl es keinen konkreten Verdachtsmoment gibt. «Es ist sehr gut, dass sich der Ligaverband mit diesem Thema beschäftigt, bevor es überhaupt den ersten Fall gibt. Das zeigt Weitsicht», sagte Christian Fitzek, Sportlicher Leiter des HSV Hamburg.

Neu in dieser Spielzeit ist zudem die Spielervereinigung GOAL. Die Gemeinschaftliche Organisation Aller Lizenzhandballer in Deutschland will sich für die Rechte der Profi-Spieler einsetzen und ihnen etwa bei Rechtsberatungen zur Seite stehen. Zudem soll mehr Mitsprache beim engen Terminkalender und bei der Lizenzierung erwirkt werden.

Nicht selten kommen die Spieler der Spitzenclubs wie Kiel und Hamburg auf 100 Pflichtpartien pro Saison. «Das zermürbt den Körper, das zerschleißt den Geist, das vermindert die Qualität des Spiels. Wir müssen die Schraube einfach zurückdrehen. So geht es einfach nicht weiter», betonte Nationaltorhüter Johannes Bitter. Auch Kiels Trainer Gislason hatte eine Entzerrung des Spielplans gefordert.