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HSG Wetzlar

Krebspatient Roth startet sportlichen Neuanfang

Als Michael Roth am 16. April von seiner Prostatakrebserkrankung erfuhr, war der damalige Trainer des Handball-Bundesligisten TV Großwallstadt «völlig am Ende».

Knapp fünf Monate später startet der 47-Jährige nach einer erfolgreichen Operation als Coach der HSG Wetzlar mit großer Zuversicht einen sportlichen Neuanfang. «Mein erster Bluttest drei Monate nach der Operation im Mai war so, wie er sein muss», erzählt der 44-fache Nationalspieler, dessen Zwillingsbruder Uli ebenfalls an Prostatakrebs erkrankte und im Juli operiert wurde.

«Auch ihm geht es gut», sagt Michael Roth über den Manager der Popgruppe Pur. Am Tag vor dessen erfolgreicher Operation hatten die Zwillinge, die 1984 in Los Angeles gemeinsam Olympia-Silber gewannen, in einer ZDF-Talkshow über ihre Krankheit berichtet. Um Aufklärung über das Tabuthema zu leisten, sprachen beide in bemerkenswerter Offenheit über ihren Prostatatumor und erzählten von ihrer Angst vor Impotenz, Inkontinenz und Unfruchtbarkeit.

Auf ihren mutigen TV-Auftritt werden die beiden gebürtigen Heidelberger sehr oft angesprochen; die HSG-Geschäftsstelle wird von E-Mails Betroffener überhäuft. «'Schade, dass Sie nicht schon vor drei Jahren im Fernsehen waren', hat mir ein Mann geschrieben, 'dann wäre mir die Impotenz erspart geblieben'», erzählt Michael Roth. Ihm tue es auch von der Psyche her gut, mit der Krankheit offen umzugehen. Ihm sind zumindest Impotenz und Inkontinenz erspart geblieben. Nachdem ihm die Prostata entfernt werden musste, ist der Familienvater aber wie sein Bruder nicht mehr zeugungsfähig.

Roth, der schon im Alter von 40 Jahren zur Krebsvorsorge ging, will weiter für das Thema sensibilisieren. «Viele Selbsthilfegruppen haben uns aufgefordert weiterzumachen», berichtet er. Dies hatten die Brüder ohnehin vor. So wird Mitte Oktober zur Frankfurter Buchmesse eine vom Journalisten Udo Ludwig geschriebene Autobiografie erscheinen, in der der Kampf gegen den Krebs breiten Raum einnimmt. Dass nur 15 Prozent der Männer zur Vorsorge gehen, «weil sie wie viele in unserem Freundeskreis auch Angst haben, dass sie etwas haben», hoffen die Roth-Brüder mit ihrer Aufklärungsarbeit zu verändern.

Für Michael Roth bedeutete die Krankheit auch eine persönliche Zäsur. «Als ich die Diagnose bekam, habe ich mein Leben Revue passieren lassen und mir vorgenommen, Ballast abzuwerfen», erzählt er. Roth hat deshalb seine Promotion-Agentur aufgegeben. Und in seinem Job als Handball-Coach geht er nun etwas lässiger mit Drucksituationen um. Ganz aus seiner Haut kann er jedoch nicht. «Man darf sich keine Schwäche erlauben, weil die Mannschaft eine starke Führung braucht. Und da ich Trainer mit Leib und Seele bin, ärgere ich mich über Niederlagen noch genauso», bekennt der 1,90 Meter große Ex-Spieler. Mit der HSG Wetzlar strebt er in der am Mittwoch beginnenden Bundesligasaison den zwölften Platz an. «Das wäre für uns ein Riesenerfolg», sagt Roth. Privat hat er diesen schon gefeiert.

 

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