Abschied von "Mister Rekord" - Lars Christiansen will seine Karriere in Dänemark ausklingen lassen - Handball - Artikel - Handballwoche
Abschied von "Mister Rekord"

Lars Christiansen will seine Karriere in Dänemark ausklingen lassen

Er läuft und läuft. Dieser Slogan wurde schon häufiger in der Auto-Werbung zitiert. Im nördlichen Schleswig-Holstein und Dänemark wird er meistens im Zusammenhang mit Lars Christiansen verwendet. Der dänische Handballer ist in dieser Region der Sportstar schlechthin. Der Linksaußen geht in seine 14. Bundesliga-Saison. Es ist zugleich die 14. Spielzeit im Trikot der SG Flensburg-Handewitt. Diese Treue hat den 37-Jährigen längst zur spielenden Legende gemacht - und auch zum "Mister Rekord". 3822 Treffer hat er bislang für die Flensburger erzielt. Das ist einsame Spitze. Und nur noch fünf Einsätze fehlen, dann ist nicht mehr Jan Holpert (596 Partien) der Rekordspieler in Flensburg, sondern Lars Christiansen.


Andere Dinge wichtiger

Es spricht allerdings vieles dafür, dass die 6300 Handball-Fans in der Campushalle nicht mehr so oft die Dreher und Gegenstöße des dänischen Wirbelwindes bestaunen dürfen. Der Vertrag bei der SG läuft im Juni nächsten Jahres aus. "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es mein letztes Jahr in Flensburg wird", sagt Lars Christiansen. "Ich bin stolz darauf, 14 Jahre im selben Verein gespielt und alle Flensburger Titel miterlebt zu haben. Nun werden für mich aber andere Dinge wichtiger." Da ist vor allem Sohn Frederik, aber auch der eigene Sportartikel-Shop in Hamburg und die Management-Firma, die der Handballer mit zwei Partnern aufbaut, um Sport-Profis zu beraten. Seine eigene Karriere soll - so die Planungen - in der dänischen Liga ausklingen.

Im Grunde ganz normale Überlegungen für einen Handballer seines Alters. Mit 37 Jahren trauen sich nur die wenigsten noch zu, in der besten Liga der Welt zu bestehen. Bei Lars Christiansen klingen die Abschieds-Gedanken dennoch irreal. Schließlich feilt er immer noch über die Trainingszeiten hinaus an seinen Trickwürfen. Schließlich ist ihm die Begeisterung für seinen Sport zu jeder Zeit anzumerken. Und vor allem: Ernsthaft verletzt war Lars Christiansen nie. Seine größte Blessur war ein Bänderriss im Daumen. "Das war bei einem Leichtathletik-Sportfest in der Schule", schmunzelt er. Dennoch müssen sich die Fans an den Gedanken einer Abschieds-Tournee gewöhnen. Aber nicht daran, nur einen Schatten ihres Idols zu sehen. "So lange ich in Flensburg bin, wird niemand erleben, dass ich nur 70 oder 80 Prozent meiner Leistung gebe", verspricht Lars Christiansen. Dennoch ist er Realist genug, um zu wissen, dass seine SG mit den Top-Clubs der Zunft wohl nicht mehr mithalten kann. "Wir müssen die Erwartungen drosseln", mahnt er. "Wir können nur davon träumen, ganz oben mitzuspielen." Ein Traum wäre der Gewinn des internationalen EHF-Cups. Diesen hatte Lars Christiansen schon einmal in Händen gehalten. 1997 - zur Krönung seiner ersten Saison in Flensburg.

Der Nachfolger steht bereits in den Startlöchern: Anders Eggert, zehn Jahre jünger, ein Landsmann. Die beiden verstehen sich, im Training wird viel gelacht. "Als der Verein vor Jahren einen Linksaußen suchte, habe ich Anders Eggert empfohlen", erzählt Lars Christiansen. Der Jüngere des dänischen Linksaußen-Duo hat sich viel vorgenommen. "Ich will Torschützenkönig werden", posaunt er. Die Rekordserie von Lars Christiansen, der seit 1998 (!) immer der treffsicherste Flensburger war, kann er jedoch nur einstellen, wenn er läuft und läuft.