HSG Wetzlar - Lebenswichtige Trotzreaktion von Nationalspieler Timo Salzer - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

Lebenswichtige Trotzreaktion von Nationalspieler Timo Salzer

>Dass die HSG Wetzlar den Gast aus Magdeburg niederringen konnte, hatten die Grün-Weißen auch Kapitän Timo Salzer zu verdanken und damit jenem Spieler, den Trainer Michael Roth nach der bitteren 21:30-Heimpleite der HSG vor zwei gegen die SG Flensburg-Handewitt am härtesten kritisiert hatte. "Er steckt den Kopf in den Sand", hatte der Coach seinen Spielmacher abgewatscht.

Die von Roth zuletzt vermissten Führungsqualitäten zeigte der Spielführer dann am Freitagabend. Von Beginn an demonstrierte der Nationalspieler mit seiner Körpersprache, dass er Wiedergutmachung auch in eigener Sache betreiben wollte und gewillt war, die HSG nach der Serie von 3:21-Punkten und nur einem Sieg aus den vergangenen elf Spielen zum nächsten doppelten Punktgewinn zu führen. Salzer, der drei der ersten sechs HSG-Treffer erzielte, ging im wahrsten Sinne des Wortes voran und stürzte sich immer wieder in die Magdeburger Deckung. "Die Mannschaft hat mir geholfen den Sand aus dem Kopf herauszuziehen", scherzte der Mann mit der Nummer acht, der wegen seiner Formkrise auch das Gespräch mit den HSG-Routiniers gesucht hatte, "was mir gut getan hat." Weil von diesen Alois Mraz und Daniel Valo verletzt fehlten, war Salzer ("Zuletzt hat nichts bei mir geklappt - egal, was ich versucht habe") als Leader noch mehr gefragt, wobei er seine Rolle nicht nur wegen seiner sieben Treffer sehr gut ausfüllte.

Und dies auch zur Freude von Trainer Roth, der nach den wichtigen zwei Punkten, mit denen sich die HSG Luft im Kampf gegen den Abstieg verschaffte, gut gelaunt war, "dass uns vorher klar war, dass es schwer werden würde, mit unserem Pygmäen-Rückraum plus Sven-Sören Christophersen die Magdeburger Abwehr in Verlegenheit zu bringen." Durch die habe seinem Team die körperliche Präsenz gefehlt, "so dass unsere Probleme im Angriff auch mit der Aufstellung zu tun hatten."


Allrounder Schmidt

Ein besseres Offensivspiel gelang der HSG erst, als der Coach nach 20 Minuten Christophersen für den laut Roth "nervösen" Timm Schneider vom rechten in den linken Rückraum beförderte, wo "Smöre" vier Minuten später zum ersten Mal traf, während Kevin Schmidt auf halbrechts seine Allrounderqualitäten zeigte. "Er hat wie Salzer überragend gespielt", lobte Roth den 21-Jährigen, der mithalf, dass die HSG nach drei Niederlagen in Folge erstmals wieder gewann.


Katastrophaler SCM

Dabei kam dem Team aber auch zugute, "dass wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, die keinen guten Tag hatte"" so Coach Roth, womit er die katastrophale Vorstellung der körperlich überlegenen Gäste noch nett umschrieb. Dass diesen in den Nationalspielern Andreas Rojewski (Muskelfaserriss) und Christoph Theuerkauf (Virusinfektion) zwei wichtige Kräfte fehlten, reichte als Entschuldigung für die katastrophale Vorstellung des SCM nicht aus. So schwach wie wohl noch nie hatten sich die Magdeburger in Wetzlar präsentiert. "Meine Enttäuschung ist riesengroß. Unser Angriffsspiel war über 60 Minuten krankhaft. Wir haben nur zwei Tore aus dem Rückraum erzielt", zürnte Trainer Sven Liesegang und charakterisierte die schwache Partie als "zähflüssiges Spiel. Das war definitiv nichts für Handball-Ästheten", sagte der Coach und dachte dabei vor allem an das Fehlerfestival, welches beide Mannschaften in den ersten 20 Minuten geboten hatten. "Wir hätten gewinnen müssen, haben aber zu viele einfache Bälle verworfen", sagte Magdeburgs Rechtsaußen Robert Weber, während die Wetzlarer noch ausgiebig ihren Sieg, den Roth als "Meilenstein" zum Ligaerhalt ansieht, feierten. "Wir sind aber noch nicht durch", warnte Schmidt.

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