Interview mit HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann - "Mehr Berücksichtigung unserer Interessen" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Interview mit HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann

"Mehr Berücksichtigung unserer Interessen"

Die vier größten deutschen Profiligen aus Handball, Basketball, Eishockey und Fußball bündeln ihre Kräfte und haben vergangene Woche die Initiative Profisport Deutschland (IPD) gegründet. Die HW sprach mit HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann darüber.

> Welche Ziele verfolgen Sie mit der IPD?
Frank Bohmann. „Die vier deutschen Profiligen repräsentieren 123 Clubs in 96 Städten Deutschlands. Wir haben über 50 Millionen interessierte Anhänger und sind Veranstalter einer Vielzahl von Sportereignissen. Aufgabe der IPD wird es sein, unseren Interessen im politischen Umfeld ausreichend Beachtung zu geben. In der Vergangenheit sind unsere Interessen nicht immer genügend berücksichtigt worden. Dies wird nun hoffentlich anders werden.“

> Was werden die ersten Schritte dieser Interessenvertretung sein?
„Wir haben die aus unserer Sicht dringendsten Themenfelder definiert, auf die wir in den nächsten Monaten hinwirken werden. Hierzu gehört die Neuausrichtung des Glücksspielstaatvertrages, ebenso wie die Ausmerzung steuer- und sozialrechtlicher Ungerechtigkeiten. Hier ist insbesondere auf die ausufernden Abgaben zur Berufsgenossenschaft VBG abzuzielen. Weiterhin werden wir auf eine eindeutige Position bezüglich des Veranstalterschutzrechtes und der digitalen Piraterie hinwirken“.

> Ist es nicht ein denkbar ungeeigneter Zeitpunkt, um den Wettmarkt zu ffnen? Denken Sie nur an den Wettskandal im Fußball…
„Nein. Beim Glücksspielstaatsvertrag haben wir auch vor dessen Verabschiedung gute Argumente vorgebracht, aber kein Gehör gefunden. Man stellt jetzt fest, dass dieser Vertrag nur Verlierer hat: Die Fans, die Ligen, die Klubs, aber auch der Monopolist Oddset, bei dem die Einnahmen ins bodenlose gefallen sind. Wir möchten für eine Neustrukturierung dieses Vertrages werben, für eine seriöse Lizenzierung von vernünftigen Anbietern, die es den Fans ermöglichen, legal zu wetten. Wichtig ist, dass auch der Breitensport, der durch die Verluste von Oddset ebenfalls finanziell leiden muss, von dieser Neuregelung profitiert. Es ist bezeichnend, dass der einzig legale Wettanbieter in Deutschland einen Marktanteil von gerade einmal acht Prozent hat. Beachtliche 92 Prozent dieses Marktes finden also woanders, nur nicht in Deutschland statt. Das hat verheerende Folgen für den Breitensport. Aber auch der Profisport steht auf der Verliererseite, verliert zum Beispiel wichtige Werbepartner. Unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen haben es Wettanbieter leichter, in der Illegalität zu agieren, weil sie sich nicht den Vorgaben stellen müssen, die wir Profiligen fordern und fördern werden. Klar ist auch, dass gegenüber Kriminellen, die Spiele manipulieren, mit größtmöglicher Härte vorgegangen werden muss.

> Wie und durch wen wird die IPD finanziert?
„Die Finanzierung der Initiative mit Sitz in Berlin erfolgt einzig durch die vier Gründungsmitglieder.“

> Laut einer Deloitte-Analyse ist der Umsatz der vier bei der IPD beteiligten Profiligen von 545 Mio Euro in der Saison 2008/09 auf 494 Mio Euro zurückgegangen. Ist die Gründung der IPD auch eine Reaktion auf diese Zahlen?
„Die Gründung der Initiative hatte einen Vorlauf von fast einem Jahr und ist nicht aufgrund aktuell auftretender Ereignisse erfolgt. Dennoch ist es uns wichtig ein Umfeld zu schaffen, das uns eine weitere positive wirtschaftliche Entwicklung erlaubt. Bezüglich der Deloitte Studie ist anzumerken, dass die Studie die wirtschaftliche Entwicklung der DEL, TOYOTA-HBL und BBL sowie die 2. Fußballbundesliga darstellt. Die 1. Fußballbundesliga wurde nicht berücksichtigt. Ein Umsatzrückgang wurde lediglich bei der 2. Fußballbundesliga festgestellt, der darauf zurückzuführen ist, das im Vergleichszeitraum die umsatzstarken Clubs vom 1.FC Köln und Bor. Mönchengladbach in die erste Liga aufgestiegen sind. Alle anderen Ligen haben den Wachstumskurs fortgesetzt.“