HSG Wetzlar - Interview mit Sascha Schnobrich (Manager der HSG Wetzlar) - Mein Herz schlägt für Mittelhessen - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Interview mit Sascha Schnobrich (Manager der HSG Wetzlar)

Mein Herz schlägt für Mittelhessen

> Die Sommerpause in der Toyota-HBL geht allmählich zu Ende. Für den Manager eines Erstligisten ist das aber häufig die arbeitsintensivste Zeit.

Sascha Schnobrich: „Offiziell ist die Sommerpause ja ab heute beendet. Aber natürlich war der Juni voll mit Sponsorengesprächen. Mit denjenigen, die uns bereits zur Seite stehen, ging es um die Verlängerungen der jeweiligen Verträge. Wir konnten aber auch diverse neue Sponsoren für die HSG gewinnen. Zudem lief und läuft der Dauerkarten-Verkauf auf vollen Touren. Wir sind sehr gut dabei und werden mindestens so viele Saisontickets wie in der Vorsaison verkaufen. Und nicht zuletzt ging es natürlich auch darum, für die kommende Saison eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen.“

> Was passiert denn bei der HSG Wetzlar? Wer sind die neuen Gesichter?

„Aus Hannover kommt Lars Friedrich, ein 25-jähriger Linkshänder, aus Balingen verstärkt Philipp Müller, der Bruder des Nationalspielers, unser Team. Mit Milos Hacko konnten wir einen Klasse-Torhüter von TuSpo Obernburg loseisen, der diverse andere Angebote aus der ersten Liga hatte. Lukas Loh, Christian Rompf und Timo Ludwig sind drei Spieler aus unserer zweiten Mannschaft, die sämtlichst für unser Konzept stehen, junge Spieler über unsere Reserve an das Erstligateam heranzuführen. Und dann ist da ja auch noch Steffen Fäth.“

> Der ist gerade von der Internationalen Handball-Federation zum Rookie des Jahres gewählt worden. Ein Juwel?

„Definitiv. Unser Trainer Michael Roth hatte den jungen Mann schon als 16-Jährigen beim TV Grosswallstadt im Training. In Wallau spielte er bereits mit 17 in der zweiten Liga. Roth verfolgt die Entwicklung Fäths und dessen Karriere bereits seit geraumer Zeit. Alle sind sich sicher, dass wir gemeinsam noch einiges aus dem Kerl herausholen werden. Er ist ein Riesentalent.“

> Sie kamen im Verlaufe der vergangenen Saison, nachdem Ihr Vorgänger Axel Geerken zum VfL Gummersbach wechselte. Das ist eher ungewöhnlich.

„Kann man so sagen. Eigentlich hatte ich vor, mich aus dem Profihandball komplett zu verabschieden. Ich hatte eine ganz andere berufliche Orientierung ins Auge gefasst, als dann das Angebot von der HSG Wetzlar kam. Jetzt bin ich seit dem 1. Dezember hier als Manager tätig, habe ein ganz tolles Team auch außerhalb der Mannschaft vorgefunden, mit dem das Arbeiten richtig Spaß macht.“

> Von einer ordentlichen finanziellen Schieflage war zwischenzeitlich die Rede. Konnten Sie schon gegensteuern?

„Sicher, sonst hätten wir die Lizenz doch gar nicht erst bekommen. Hier hatte sich in der Vergangenheit einiges summiert. Aber so ist das, wenn die Zuschauereinnahmen sich verringern und wenn aufgrund der Wirtschaftskrise unerwartet Sponsoren wegbrechen. Dann laufen eben gewisse Dinge auf. Aber wir haben viele bereits vorhandene Sponsoren und zahlreiche neue davon überzeugen können, uns mit Geld durch diese schwere Situation zu helfen. Das gilt auch für unseren Aufsichtsrats-Vorsitzenden Hardo Reimann und dessen Team. Und das gilt auch für die Stadt Wetzlar. Wir waren zwar die letzten, die die Lizenz für die kommende Spielzeit bekamen, weil wir noch diverse Unterlagen nacharbeiten mussten. Aber letztlich gab uns die Toyota-HBL die Lizenz ohne Auflagen. Darauf sind wir schon ein wenig stolz.“

> Aus Grosswallstädter Zeiten kennt man Sie als jemanden, der sehr konkrete Vorstellungen von der Umsetzung seiner Pläne hat. Konnten Sie in Wetzlar schon strategische Dinge auf den Weg bringen?

„Wir sind hier ein starkes Team mit einem gemeinsamen großen Ziel. Wir schauen ständig danach, was wir bewegen, was wir verbessern können. In der Sponsorenpflege sind wir sicher schon einen großen Schritt vorangekommen. Aber auch was Strukturen und was Abläufe angeht, kommen wir gemeinsam gut voran. Meine Vorstellungen decken sich gottlob mit denen meiner Mitarbeiter. Insofern haben wir hier neue Werbepakete angeboten, haben bereits in der abgelaufenen Saison Kinderaktionen durchgeführt und werden für die neue Spielzeit erstmals auch ein Family-Ticket anbieten.“

> Was hat es mit der Kampagne „Mein Herz für Mittelhessen” auf sich?

„Die HSG will ja nicht nur ihrer Verantwortung als Handball-Bundesligist gerecht werden, sondern auch soziale Verantwortung übernehmen. Wir gehen mit Spielern in die Krankenhäuser, wir machen zusätzliche Trainingseinheiten in Schulen. Mit dieser Kampagne kommunizieren wir unser Engagement nach außen und können so Sponsoren gewinnen und sogenannte Förderbeiträge einsammeln, die dann wieder zurückfließen in diese Aktivitäten. Der Startschuss für diese Kampagne fiel beim letzten Heimspiel gegen MT Melsungen. In Anwesenheit des Stellvertretenden Hessischen Ministerpräsidenten und Hessischen Integrationsministers, Jörg-Uwe Hahn, informierten Manfred Thielmann von der HSG Wetzlar, und der Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar, Wolfram Dette, über die geplante Zusammenarbeit beim Thema Modellregion Integration Wetzlar.“

> Wie muss ich mir das konkret vorstellen?

„Mit der Kampagne „Mein Herz für Mittelhessen“ bündeln wir künftig verschiedene soziale Projekte unter einem sportlichen Dach. Ziel ist es, mit dem Sport als Motor und vielen kleinen und großen regionalen „Herz-Partnern“ das Gemeinschaftsgefühl in der Region Mittelhessen zu stärken, Verantwortung für sozial benachteiligte Menschen zu übernehmen und insbesondere das Zusammenleben mit den Menschen anderer Kulturen weiter zu fördern. Privatpersonen können sich bereits mit 50 Euro engagieren, Unternehmen leisten einen Jahresbeitrag von 250 Euro. Ab Sommer werden wir mit Plakaten und Werbeaktionen in die Öffentlichkeit gehen und die Menschen durch Mitmach-Aktionen und Sportangebote für die Kampagne begeistern und mit ihnen kommunizieren.“

> Was bietet der Club konkret dafür?

„Ich gebe Ihnen ein paar Beispiele. Es wird ein Nachtsportangebot geben, bei dem Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren gemeinsam mit Nachwuchsspielern aus dem Leistungszentrum Mittelhessen einmal pro Monat ein sinnvolles Sport- und Freizeitangebot nutzen können. Die Profispieler der HSG Wetzlar werden die Veranstaltungen regelmäßig besuchen. Einkommensschwachen Familien ermöglichen wir das Erlebnis bei einem Sportevent in der Bundesliga und lassen sie so am gesellschaftlichen Leben teilhaben. In Kooperation mit Schulen und sozialen Einrichtungen stellen wir kostenlose Tickets für einen Familienausflug zu den Heimspielen der HSG Wetzlar bereit. Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien können Handball-Schnupperkurse im Leistungszentrum Mittelhessen kostenfrei besuchen. Bei Interesse erhalten diese Kinder eine kostenlose Vereinsmitgliedschaft für ein Jahr. Talentierten Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren bieten wir zur Förderung ihrer weiteren sportlichen Entwicklung ein wöchentliches Training unter professioneller Anleitung.“

> Ihr Lieblingskind beim TVG war das HBLZ – ein Handball-Leistungszentrum zur Nachwuchsförderung. Was hat es mit dem Leistungszentrum Mittelhessen auf sich?

„Es wurde hier in den vergangenen Jahren das Leistungszentrum Mittelhessen (LZMH) aufgebaut. Dort werden neben unseren eigenen Jugendteams auch die A- und B-Jugendlichen aus der Region Mittelhessen gefördert, um die entsprechend zu uns zu holen und an uns zu binden. Jeden Samstagvormittag findet ein Training statt, bei dem die Jugendlichen entsprechend aus- und weitergebildet werden. Neben den professionellen Trainern nimmt sich Ghennadi Khalepo als Jugend-Koordinator der HSG Wetzlar dieser Dinge an. Es gibt andere zusätzliche Trainingseinheiten, die dann von einem oder gar zwei Spielern unserer Erstligamannschaft besucht werden. Da passiert richtig was.“

> War das auch Ihre Idee?

„Wir haben das ausgeweitet, aber die Idee ist nicht neu.“

> Wie wird sich die HSG in den kommenden Jahren sportlich entwickeln. Kommt das Team irgendwann mal in Schlagdistanz zu den Europacup-Plätzen?

„Wir planen für die kommenden fünf Jahre. Dafür haben wir ein Gesamtkonzept erarbeitet, das auch unseren Stammverein Dutenhofen/Münchholzhausen mit einbinden wird. Wir wollen künftig unsere zweite Mannschaft stärken und alles dafür tun, damit die in die Regionalliga aufsteigt. So können wir leichter unsere zahlreichen Talente über die Reserve an die Bundesliga heranführen. Und dann werden wir sehen, wohin uns dieser Weg führt.“