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HSV Hamburg

Neue Saison, neue Führung, alter Chef

Der HSV Hamburg setzt in der neuen Saison der Handball-Bundesliga auf alten Wein in neuen Schläuchen. Die Mannschaft bleibt, das Führungsteam wechselt. Lediglich der polnische Rückraumschütze Krzysztof Lijewski und der schwedische Torhüter Per Sandström verlassen das Team.

Sandström geht zum Konkurrenten Melsungen. Bei Lijewski wird noch gerätselt. Obwohl der 27-Jährige einen Vierjahresvertrag bei den Rhein-Neckar Löwen unterzeichnet hat, ist auch ein Wechsel des 1,99-Meter-Mannes zu AG Kopenhagen im Gespräch.

Als neue Spieler kommen zwei Schweden: Rückraumakteur Oscar Carlén und Torwart Dan Beutler, beide von der SG Flensburg-Handewitt. «Die Mannschaft steht. Die Truppe ist gereift. Dafür brauchte sie einige Jahre und hat nun ein festes Gefüge. Das wird auch in Zukunft ihr großes Plus sein», sagt Vizepräsident Dierk Schmäschke.

Anders als in der Mannschaft geben sich die Führungskräfte die Klinke in die Hand. Trainer Martin Schwalb geht und übergibt den Staffelstab an den früheren Flensburger Coach und Oscar-Vater Per Carlén. Schwalb wird Geschäftsführer, ist nach jüngsten Gerüchten aber auch als Präsident eine Alternative. Der Sportliche Leiter Christian Fitzek ist bereits weg. Vizepräsident Schmäschke räumt ebenfalls seinen Schreibtisch und kehrt aus familiären Gründen zu seinem Heimatverein SG Flensburg-Handewitt zurück, wo er mit Holger Kaiser eine Geschäftsführer-Doppelspitze bilden wird.

Wichtigste Veränderung auf den ersten Blick: Präsident Andreas Rudolph gibt sein Amt auf. Der 56 Jahre alte Medizindienstleister und Millionär, der seit 2005 rund 20 Millionen Euro als Mäzen in den Verein gepumpt haben soll, bleibt aber Hauptgesellschafter und damit Chef. «Der HSV ist sein Baby, das lässt er doch nicht einfach fallen», sagt Vize Schmäschke, der beteuert, er habe «nie eine einzige Differenz» mit Rudolph gehabt. «Sonst würde ich nicht noch immer beim HSV arbeiten.»

Rudolphs Rolle als Großgeldgeber, an dessen Wohl und Wehe das Schicksal des Vereins geknüpft ist, wird von der Konkurrenz mit Argwohn betrachtet. Bob Hanning, der einst Trainer beim HSV war und nun bei den Füchsen Berlin die Strippen zieht, sieht keine Neuausrichtung trotz des Präsidentenwechsels bei den Hamburgern: «Es gibt nur einen, der beim HSV entscheidet: Andreas Rudolph. Er bestellt die Musik und er bezahlt sie. Alle anderen drum herum sind austauschbar. Das wird sich nicht ändern.»

Hanning will das Modell, das er nicht als beispielgebend für die Bundesliga ansieht, nicht verteufeln. «Wenn es denn funktioniert, ist es ja auch in Ordnung. Ich freue mich jedenfalls über die tolle Saison des HSV. Schließlich habe ich einst am Aufbau mitgewirkt. Wenn der HSV Meister wird, ist das ein emotionaler Tag für mich.»