THW Kiel - Vor dem Champions-League-Klassiker gegen Barcelona - Neues Selbstvertrauen bei Kiel - Handball - Artikel - Handballwoche
Vor dem Champions-League-Klassiker gegen Barcelona

Neues Selbstvertrauen bei Kiel

Die Bundesliga im Kopf, die Champions League vor Augen: Der THW Kiel will eine Woche nach dem Aus im DHB-Pokal positive Schlagzeilen auf europäischer Ebene schreiben und die Querelen um die Anklage von Ex-Trainer Noka Serdarusic und Ex-Manager Uwe Schwenker verdrängen. Die Kieler empfangen am Sonntag (16.30 Uhr) in der Champions League den FC Barcelona und können mit einem Sieg die Führung in Gruppe D ausbauen. Der THW hat derzeit einen Vorsprung von einem Punkt auf die Spanier. Zwar sind beide Teams bereits für das Achtelfinale (24. März bis 4. April) qualifiziert, doch der Gruppensieger darf auf einen vermeintlich leichteren Gegner in der K.o.-Runde hoffen.

Mit Selbstbewusstsein gegen die Kieler in diese 14. Auflage des Klassikers. Immerhin haben die „Zebras“ mit dem knappen 23:22-Sieg in Mannheim bei den Rhein-Neckar Löwen Selbstvertrauen getankt. „Das war ein unglaublich wichtiger Sieg“, meinte Rückraumspieler Filip Jicha auch mit Blick auf das Spiel gegen Barcelona. Verzichten muss der THW in dieser Partie allerdings erneut auf den verletzten Franzosen Daniel Narcisse.

Der hauchdünne Sieg im Mannheim war die sportliche Antwort des THW auf ungewohnt turbulente Tage. Am vergangenen Sonntag war der THW in Gummersbach aus dem DHB-Pokal geflogen. Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer Uwe Schwenker und Ex-Trainer Zvonimir Serdarusic erhoben. Auch wenn jeder im Verein versuchte, Gelassenheit vorzuleben: Im Falle einer weiteren Niederlage hätten die Kieler genau zum Champions-League-Klassiker am Sonntag in einer ernsten Krise gesteckt. So aber sagte Torhüter Thierry Omeyer: „Wir haben die Nerven behalten.“

Im weiteren Saisonverlauf wird diese Tugend noch vonnöten sein. In der Liga hat der Titelverteidiger weiter einen Minuspunkt mehr als der HSV Hamburg. Viele Aussetzer wie beim 28:35 in Gummersbach oder dem 37:39 in Balingen darf sich Kiel nicht leisten. Auch das Barcelona-Spiel hat trotz der vorzeitigen Achtelfinal-Qualifikation beider Teams immer noch genug Prestige-Charakter. 13 Mal trafen sie bereits aufeinander. Die jüngsten drei Partien und zwei der drei letzten K.o.-Duelle gewann zwar der THW, aber die Final-Niederlage 2000 und das Halbfinal-Aus 2001 tun jedem Kieler Fan noch heute weh.

Barcelona ist definitiv nicht mehr so stark wie damals. Kiel dagegen bemüht sich noch, einen ähnlichen Verdacht bei sich zu zerstreuen. Obwohl er erst zwei Spiele verloren hat in dieser Saison, wirkt der THW nicht mehr so unangreifbar wie in den Jahren zuvor. Ohne Regisseur Stefan Lövgren sowie den Ausnahmehandballer Nikola Karabatic und den Slowenen Vid Kavticnik läuft es beim Meister nicht mehr so rund wie in der Vorsaison. Die neu formierte Mannschaft harmoniert noch nicht perfekt. „Natürlich muss man Spieler wie Karabatic und Lövgren auf dem Feld und als Charaktere erst einmal ersetzen“, sagte Gislason. „Uns fehlt etwas die Konstanz.“ Karabatic- Nachfolger Daniel Narcisse ist häufig verletzt, Filip Jicha im Zentrum ein anderer Spielertyp als Lövgren. Der große Umbruch in Kiel erfordert Geduld.    Eines hat Gislason aber genauso beruhigt wie der Sieg in Mannheim: Die jüngsten Schlagzeilen in der Bestechungsaffäre um Schwenker und Serdarusic „belasten die Mannschaft in ihrer Arbeit nicht“, sagte er. Ob er damit wirklich Recht hat, wird sich am Sonntag gegen Barcelona zeigen…