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Interview

Noka Serdarusic: "Ich bin froh"

Herr Serdarusic, nach über einem Jahr Pause und einer auch für Sie persönlich ganz schweren Zeit treten Sie jetzt einen neuen Trainerjob als slowenischer Nationalcoach an. Wie sieht Ihre Gefühlswelt aus?

Noka Serdarusic: "Ich bin froh, endlich wieder meiner Arbeit nachgehen zu können und ich freue mich auf die neue Aufgabe, wenngleich der Posten eines Nationaltrainers natürlich anders geartet ist als der eines Vereinstrainers. Die täglichen Beanspruchungen hätte ich gesundheitlich wohl nicht mehr bewältigen können. Die Folgen meiner beiden Operationen begleiten mich noch immer. Aber den Arbeitsrhythmus, der jetzt auf mich wartet, den traue ich mir wieder zu. Meine Ärzte auch, das war wichtig. Ich bin dankbar, dass meine Gesundheit überhaupt wieder soweit mitmacht. Ich hatte viel Zeit, zu realisieren, dass das ein sehr hohes Gut ist."

Können Sie all das, was geschehen ist, die Manipulationsaffäre und ihre Folgen sowie all die Gerüchte - auch um Ihre Person - einfach so hinter sich lassen?

"Einfach? Ich möchte über dieses Thema weiterhin weder öffentlich noch sonst sprechen. Nur soviel: Ich habe viele persönliche Erfahrungen gemacht in der zurückliegenden Zeit. Auch gute. Nun schaue ich nach vorne. London 2012 ist das große Ziel, so ist auch die Vertragsdauer ausgerichtet."

Und wenn Sie die Vergangenheit doch noch einholt?

Kein Kommentar. Bitte nur noch Fragen zu meiner neuen Tätigkeit.

Okay. Hat das slowenische Team genug Potenzial, international wieder weiter nach vorne zu kommen?

"Ich muss mir erst einmal ein genaues Bild machen, wie es um die Mannschaft und die Spieler bzw. Kandidaten bestellt ist. Potenzial und gute Leute haben wir ohne Frage. Aber mit Blick auf die EM muss ich gleich mal die Erwartungen relativieren: Das wird schwer für uns. Wir haben eine Hammergruppe erwischt. "

Sie treffen dort u.a. auf Deutschland ...

"Ja, das ist ja längst nicht der einzige, aber einer dieser Kracher. Man weiß ja, dass ich Heiner Brand und seine Arbeit schätze. Er hat ein relativ neues gutes Team aufgebaut. Wenn alle seine Spieler fit sind, ist Deutschland ein Favorit. Im Spiel gegen uns sowieso. Die Qualifikation hat es ja gezeigt. Andererseits interessieren mich Favoritenrollen und so etwas ja bekanntlich nicht besonders. Ich bin ein Trainer, der sich vor allem auf das nächste Spiel konzentriert und der das auch seiner Mannschaft beibringt. Ziel ist es zu gewinnen, auch im Spiel gegen Deutschland - danach sehen wir weiter."

In der Qualifikation hatte Slowenien nicht alle Topspieler dabei ...

"Stimmt. Aber Heiner Brand auch nicht. Wir müssen einfach sehen, was in der kurzen Zeit machbar ist. Jungs wie Ales Pajovic und Vid Kavticnik sind natürlich ein Gewinn für uns, wenn sie zurückkehren."

Ist es wichtig für Sie, dass Sie sich weitestgehend in Ihrer Sprache arbeiten und ausdrücken können?

"Weitestgehend, ja. Eine gute Kommunikation ist wichtig. Es soll keine Missverständnisse geben, die an der Sprache liegen. Vor allem im Umgang mit den Spielern. Ich spreche nur meine Muttersprache, die der slowenischen ähnlich ist, und deutsch gut genug, mir über Sprachbarrieren keine Gedanken machen zu müssen. Insofern war es auch ein Pluspunkt für dieses Angebot, dass die Sprachprobleme relativ gering und überwindbar sind. Ich werde noch daran arbeiten, aber das kriege ich schon hin."

Bleiben Sie in Deutschland bzw. Kiel wohnen und pendeln Sie fortan oder ziehen Sie nach Celje bzw. Ljubljana um?

"Wir ziehen um. Angedacht ist ein Wohnsitz in Deutschland für meine Familie und mich - aber nicht mehr in Kiel - und ein Standort in oder nahe Slowenien. Dann wird gependelt."