HSG Wetzlar - Wetzlars Trainer Michael Roth zieht eine Zwischenbilanz - November für HSG der Monat der Wahrheit - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Wetzlars Trainer Michael Roth zieht eine Zwischenbilanz

November für HSG der Monat der Wahrheit

Nach guterm Saisonstart ist die HSG Wetzlar wieder in der Realität des Mittelfelds gelandet. Trainer Michael Roth zieht nach vier Monate bei den Mittelhessen eine erste Zwischenbilanz.

> Herr Roth, vier Monate sind sie jetzt bei der HSG Wetzlar in der sportlichen Verantwortung. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Abschneiden Ihrer jungen Mannschaft?
Michael Roth: „Ich denke wir liegen zum aktuellen Zeitpunkt absolut im Soll - auch wenn wir in den vergangenen beiden Ligaspielen sicher nicht so gespielt haben, wie wir uns das vorgenommen hatten, beziehungsweise wie es die Mannschaft kann. Die Auswärtssiege bei den direkten Konkurrenten Dormagen und Minden waren zum Rundenstart natürlich optimal. Dazu das Highlight, der Heimsieg über Lemgo – das sorgt sicherlich erst einmal für Ruhe und die nötige Sicherheit im Team. Ein Weiterkommen im DHB-Pokal in Gummersbach, wo wir leider unglücklich in der zweiten Verlängerung unterlegen waren, wäre natürlich das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Aber alles in allem bin ich mit den Ergebnissen, dem Engagement und der Entwicklung der Mannschaft bislang zufrieden!“

>Auch wenn es zuletzt gegen das Spitzenteam von Frisch-Auf Göppingen und beim SC Magdeburg zwei deutliche Niederlagen setzte?
„Man muss einer jungen Truppe, wie wir sie hier in Wetzlar haben, auch solche Niederlagen eingestehen. Die Mannschaft verfügt über jede Menge Talent und Ehrgeiz, allerdings fehlt es ihr noch an Routine, um über einen längeren Zeitraum auf einem konstant hohen Level spielen zu können. Das hat man in den vergangenen beiden Spielen gemerkt. Spieler wie Timo Salzer oder Sven-Sören Christophersen sind zwar schon absolute Leistungsträger im Team, aber mit ihren 25 beziehungsweise 24 Jahren trotzdem noch jung und größeren Formschwankungen unterlegen als so machen Routinier. Und gerade deshalb sprechen wir im Training relativ deutlich über unsere Fehler, um sie so schnell wie möglich abzustellen. Sowohl gegen Göppingen als auch in Magdeburg haben wir ja nicht schlecht gespielt. Wir haben es nur leider jeweils in der Anfangsphase versäumt, unsere klaren Chancen in Tore umzumünzen. So sind wir in beiden Spielen schnell deutlich in Rückstand geraten und haben diese letztlich nicht mehr ganz aufholen können. Diese Unkonzentriertheiten im Abschluss gilt es abzustellen, dann bin ich mir sicher, werden wir auch erfolgreich sein!“

>Nächste Woche erwartet ihr Team mit den Füchsen erneut eine ambitionierte Mannschaft, die zuletzt drei Ligaspiele in Folge gewonnen hat!
„Die Füchse haben ganz andere finanzielle Möglichkeiten als die HSG Wetzlar und sich vor der Saison namhaft verstärkt. Allerdings traue ich meiner Mannschaft durchaus zu auch dieses Spiel zu gewinnen! Allerdings nur dann, wenn es uns gelingt, wie beispielsweise gegen Lemgo, am obersten Limit zu spielen! Berlin hat sich große Ziele gesteckt, will ins internationale Geschäft. Mit derzeit 8:6-Punkten und dem Ausscheiden im DHB-Pokal hinkt die Mannschaft aber dem eigenen Anspruch noch hinterher. Das heißt: auch Berlin hat Druck, ist in Wetzlar Favorit und muss unbedingt gewinnen. Das wird ein interessantes Spiel!

>Für das Ihnen nur eine kurze Vorbereitungszeit bleibt!
„Richtig! Gleich sechs unserer Spieler sind derzeit bei ihren jeweiligen Nationalmannschaften und kommen erst am Sonntag oder Montag nach Wetzlar zurück. Aber da geht es den Füchsen nicht anders! Allerdings können diese Länderspielreisen durchaus auch positive Aspekte haben. So konnte Avishay Smoler in Israel Spielpraxis sammeln, die er für die Bundesliga dringend braucht. Auch bin ich mir sicher, dass unsere deutschen Nationalspieler, Smöre Christophersen und Timo Salzer, bei der DHB-Auswahl zusätzliches Selbstvertrauen tanken werden. Für mich ist nur wichtig, dass die Jungs gesund zurückkommen, den Rest bekommen wir bis Mittwoch hin! Unser Neuzugang Daniel Valo hat im übrigen der slowakischen Nationalmannschaft abgesagt, um hier in Wetzlar zu bleiben und seine Schulterprobleme und eine Beinverletzung auszukurieren. Das zeigt, wie sehr er sich schon mit dem Verein identifiziert und dass auch er weiß, wie wichtig die kommenden Wochen für uns sind!“

>Von den nächsten vier Spielen sind drei Heimspiele – stehen Sie mit Ihrer Mannschaft vor einem der wichtigsten Monate der Saison?
„Ganz klar! Der November wird zeigen, wo unsere Reise in dieser Saison hingeht. Nach dem Berlin-Heimspiel müssen wir nach Düsseldorf und haben dann Hannover und Lübbecke zu Gast. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass das alles Spiele sind, die man gewinnen kann oder zum Teil auch gewinnen muss! Gelingt uns das, können wir uns auf Dauer im Mittelfeld der Liga etablieren. Wenn nicht, müssen wir uns wohl oder über wieder mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen! Da braucht man nicht drum herum zu reden.“

>Setzt das vor allem Ihre Leistungsträger noch mehr unter Druck?
„Wenn Du in der Bundesliga spielst, stehst Du als Spieler oder Trainer eigentlich immer unter Druck. Nichts desto trotz verlange ich natürlich, dass sich vor allem die erfahrenen Akteure der Situation bewusst werden, wie wichtig die kommenden vier Ligaspiele für uns sind. Jetzt gilt es eine Mannschaft zu führen – nicht nur verbal sondern auch durch Kampf, Einsatz und Konzentration auf dem Spielfeld. Wir können in der Bundesliga jede Mannschaft schlagen, wenn wir keine Ausfälle haben, weder im Tor noch im Angriff, und im Kollektiv Hundert Prozent geben!“

>Wo sehen Sie in Ihrer Mannschaft noch das größte Potential oder anders gefragt, wo muss sich das Team noch am meisten verbessern?
„Ich denke, dass wir seit Beginn der Vorbereitung schon einen großen Schritt nach vorne gemacht habe. Die aggressive 6:0-Deckung, die wir jetzt vornehmlich spielen, war für die Spieler die größte Neuerung. Das haben aber alle schnell verinnerlicht und in Sachen Abwehrarbeit große Fortschritte gemacht. Was es sicherlich noch zu verbessern gilt ist, wie bereits erwähnt, der Torabschluss. Da sind wir ab und zu noch zu leichtfertig. Die Jungs müssen in jeder Situation den Willen haben, das Tor zu machen – um jeden Preis! Ansonsten hapert es hier und da noch am Selbstbewusstsein auf dem Spielfeld. Hier bin ich und an mir muss der Gegner erst einmal vorbei – so eine Einstellung verlange ich von meinen Spielern, doch damit tut sich vor allem der ein oder andere junge Spieler noch etwas schwer! Aber je mehr Erfolge wir feiern können, umso schneller wird sich auch das einstellen.“