HSV Hamburg - SG Flensburg-Handewitt - Zukunft weiter ungewiss - Per Carlén spannt Flensburg weiter auf die Folter - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Zukunft weiter ungewiss

Per Carlén spannt Flensburg weiter auf die Folter

Die Frage hatte Per Carlén offenbar nicht richtig verstanden. Der Rundfunk-Reporter wollte eigentlich nur wissen, ob nach der klaren 24:32-Niederlage beim HSV Hamburg für das nächste Wochenende ein Aufwärtstrend von der SG Flensburg-Handewitt zu erwarten wäre. „Es wird mein persönlicher Entschluss, es geht nur darum, ob ich in Flensburg bleibe oder nicht“, sagte der Trainer. Der Schwede war angesichts der vielen bohrenden Fragen zu seiner Zukunft einem Automatismus verfallen. Aus seinem Munde gab es nichts Neues. Er bestätigte nicht, dass er ab Sommer auf der Bank der Hanseaten sitzen wird. Seine Worte vermochten die Journalisten aber auch nicht vom Gegenteil überzeugen.

Interessanter war da schon die Aussage von Flensburgs Geschäftsführer Holger Kaiser. Sie ließ erkennen, dass an der deutsch-dänischen Grenze allmählich die Geduld mit ihrem Übungsleiter schwindet, dass sich die SG nach Alternativen umschaut. „Wir sprechen mit Per Carlén -- aber auch mit anderen Trainern“, sagte Holger Kaiser, „ab Juli haben wir in jedem Fall einen starken Coach.“

Ein heißer Kandidat sitzt bereits neben Per Carlén auf der Bank: Team-Manager Ljubomir Vranjes. Er war einst Spielmacher, hatte bereits vor einem Jahr geplant, im schwedischen Skövde eine Trainer-Laufbahn einzuschlagen, ehe ihn Flensburg zum Bleiben in anderer Funktion überredete. Zudem würde seine Beförderung Kosten einsparen, die für einen neuen Spieler verwendet werden könnten. Zum Beispiel für den Göppinger Haupttorschützen und Nationalspieler Lars Kaufmann, dem ein Angebot aus dem hohen Norden vorliegen soll. „Er ist ein Top-Spieler“, sagte Kaiser und ergänzte: „Auf seinem Leistungsniveau halten wir nach Verstärkungen Ausschau.“

Die werden auch nötig sein. Die Flensburger scheinen nicht mehr in der Verfassung der letzten Serie, als sie bis auf den dritten Platz stürmten. In Hamburg lagen sie mit bis zu zwölf Toren (29:17) zurück, waren nur ein Spielball des Meisterschaftskandidaten. „Wir haben richtig einen herausgelassen“, strahlte der zuletzt formschwache HSV-Keeper Johannes Bitter, der zum Spieler des Tages gekürt wurde. „Nach 20 Minuten haben wir in der Abwehr Gas gegeben und sind Gegenstöße gelaufen“. Martin Schwalb drückte derweil auf die Euphoriebremse. „Wir brauchen nicht in Jubelstürme ausbrechen, unsere Heimspiele müssen wir einfach gewinnen“, sagte der HSV-Coach. Er schaute schon voraus. Am Dienstag geht es nach Großwallstadt, am 16. November steigt der Bundesliga-Knüller gegen den THW Kiel. „Das Spitzenspiel wird der HSV gewinnen, wenn er mit der gleichen Disziplin agiert wie gegen uns. Wir hätten hier mit 15 Toren verlieren können“, sagte Per Carlén. Ob er schon von seinem zukünftigen Team schwärmte?