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Finanzstudie

Proficlubs vor schwierigster Saison

Viele Profi-Sportvereine in Deutschland stehen vor der finanziell schwierigsten Saison der vergangenen Jahre. Das geht aus einer Umfrage unter Experten hervor, deren Ergebnis die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte in Düsseldorf vorstellte.

Nach jahrelangem Wachstum erwartet die Sportbranche besonders beim Sponsoring zunächst Umsatzrückgänge. Allerdings sollen die Einnahmen bereits 2010/2011 wieder steigen. Die Fans sorgen beim Ticketing voraussichtlich weiter für Wachstumsraten. Ein erstmals veröffentlichter Spezialindex, der die Prognosen widerspiegelt, sank jetzt von 103,4 (2008) auf 90,3 Punkte.

Die Vereine der Fußball-Bundesligen kommen dabei im Vergleich mit den Top-Spielklassen im Basketball (BBL), Handball (HBL) und Eishockey (DEL) am besten durch die Wirtschaftskrise: In den Bereichen Ticketing, Merchandising und Hospitality gehen deutlich mehr Befragte von gleichbleibenden oder steigenden Erlösen aus. «Die Clubs der Deutschen Fußball-Liga haben offensichtlich das Potenzial, wie bereits in der Vergangenheit wirtschaftlichen Krisen zu trotzen und ihre Erlöse auf einem hohen Niveau zu halten», sagte Experte Stefan Ludwig von der Deloitte-Sport Business Gruppe, die die Studie gemeinsam mit dem ISS Institut für Sportmanagement der Fachhochschule Koblenz/Remagen erstellt hat.

Auch beim Sponsoring kommt der Fußball vergleichsweise glimpflich davon. Für diese Spielzeit erwarten 27 Prozent (Bundesliga) beziehungsweise 42 Prozent (2. Bundesliga) der Befragten rückläufige Erlöse. Deutlichere Einschnitte werden der HBL (62 Prozent), DEL (68) und BBL (73) prognostiziert, die damit von der Krise empfindlicher belastet werden. «Zum einen gibt es eine stärkere Abhängigkeit vom Bereich Sponsoring, in dem bis zu 70 Prozent der Einnahmen generiert werden. Zum anderen ist es noch stärker ein regionales Thema. Wenn Unternehmen aus der Stadt betroffen sind, wirkt sich das auch auf die Clubs aus», sagte Ludwig.

Auswirkungen dieser Flaute sind schon jetzt zu erkennen: Die Köln 99ers gaben unter anderem wegen fehlender Sponsoren ihre BBL-Lizenz zurück. Den Handballprofis des VfL Gummersbach drohen in der kommenden Saison Gehaltskürzungen, nachdem sich selbst der Gewinn des EHF-Pokals bei der Suche nach Geldgebern nicht nachhaltig bemerkbar machte. Doch schon 2010/2011 geht ein Drittel der Befragten von steigenden Sponsoringeinnahmen in den Top-Ligen aus, dieser Wert steigt im folgenden Jahr auf mehr als 60 Prozent. «Grundsätzlich genießt der Sport eine Ausnahmesituation in der Industrie. Bereits in der Vergangenheit hat man viele Krisen gut überstanden», sagte Ludwig.

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