Auch HBL will ihren Einfluss auf die Politik stärken - Profiligen gründen Initiative - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Auch HBL will ihren Einfluss auf die Politik stärken

Profiligen gründen Initiative

Internet-Piraterie, Werbeverbote und nicht zuletzt der Wettskandal: Die großen deutschen Profiligen sehen ihre Interessen massiv gefährdet und rüsten mit der neu gegründeten "Initiative Profisport Deutschland" gemeinsam für die Zukunft.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL), die Basketball-Bundesliga (BBL), die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) und die Handball-Bundesliga (HBL) wollen ihren Einfluss in der Politik verstärken. "Der professionelle Sport ist kein Naturzustand", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in Berlin. "Es braucht Rahmenbedingungen, und die wollen wir im politischen Diskurs stärker zum Ausdruck bringen." DEL- Geschäftsführer Gernot Tripcke meinte, die Initiative werde den gemeinsamen Anliegen "eine gewichtige Stimme verschaffen".

Regelungen erschweren den Markt

Die vier Ligen, die eine Zusammenarbeit bereits seit Jahresbeginn planten, hätten sich schnell auf gemeinsame Themen geeinigt, erklärte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer. Dazu gehörten die Neuordnung des Bereichs Sportwetten, der Kampf gegen Internet-Piraterie sowie ein in der EU drohendes Werbeverbot für Alkohol. Letzteres könnte dem professionellen Sport eine wichtige Einnahmequelle entziehen - wie bereits das Werbeverbot für private Sportwetten-Anbieter. "Das sind Regelungen, die uns in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zusätzlich den Markt erschweren", betonte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

Bei der Regelung von Sportwetten unterstrichen die Vertreter der Ligen, dass auch ein Wettmonopol den aktuellen Skandal nicht vermeiden konnte. Außerdem sei der Wett- und Manipulationsskandal vorrangig kein Problem des Fußballs, sondern der organisierten Kriminalität. "Wir fordern eine Neuordnung des Wettmarktes", sagte Pommer. Die jetzige Situation habe "nur Verlierer: den Fan, den Konsumenten, den Wettanbieter, den Breitensport und auch den Monopolisten, der lotrecht mit seinen Einkünften nach unten sackt - das kommt nicht von ungefähr". Es müsse dafür gesorgt werden, dass Fans auf legalem und transparentem Weg wetten könnten.

Starke Profi-Ligen im Interesse des DOSB

Ein wachsendes Problem sehen die Ligen bei der Internet-Piraterie. Anbieter, die auf Websites verlinken, wo Sportveranstaltungen illegal gezeigt werden, gefährdeten nicht nur Profiligen. Auch kleine Ligen, die das Internet als Vertriebsmöglichkeit sehen, seien betroffen. "Das ist kein Kavaliersdelikt", unterstrich Seifert als Sprecher der Initiative. "Das klingt immer cool in der Internetgemeinde, ist aber genauso illegal wie in Kinos Aufzeichnungen zu machen oder sich ohne zu bezahlen in irgendein Konzert zu schmuggeln."

Die Initiative, die ihren Sitz in Berlin hat, soll in keinem Konkurrenzverhältnis zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) stehen. Im Gegenteil: DOSB-Generaldirektor Michael Vesper begrüßte den Vorstoß: "Starke Profiligen können dazu beitragen, dass starke Nationalmannschaften entstehen, die Identifikation für ein Land, eine Sportart oder eine Liga schaffen. Dies liegt im Interesse des DOSB."