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Protest gegen Dopingkontroll-Meldepraxis

Mehrere deutsche Handball-Profis haben aus Ärger über die Dopingkontroll-Meldepraxis den Aufstand gegen die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) geprobt.

Sie gaben am ersten Weihnachtstag als Aufenthaltsort den Namen der Spielerorganisation GOAL an, sagte deren 1. Vorsitzender Johannes Bitter am Samstagabend nach dem 30:25 des HSV Hamburg über Frisch Auf Göppingen. Der HSV-Torwart betonte, man spreche sich nicht gegen Dopingkontrollen aus, «aber wir müssen uns positionieren und es ist wichtig, dass wir in Dialog kommen mit der NADA». Sein Teamkollege Michael Kraus meinte: «Die NADA muss spüren, dass sie auf Gegenwind trifft».

Protest-Auslöser ist die Vorgabe im Anti-Doping-Kodex, dass viele Athleten ihren Aufenthaltsort bis zu drei Monate im Voraus angeben müssen. Ihr Vorgehen, an dem sich deutsche Basketballer beteiligen wollten, hatten die Akteure schon vor dem Weihnachtsfest über ihre Interessenverbände GOAL und Spin (Basketball) in Aussicht gestellt. Die Organisationen kritisieren die zu strengen Melde-Regularien.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dagegen hatte den Protest schon im Vorfeld als «reine PR-Aktion» kritisiert, die daran zweifeln lasse, «dass die Beteiligten an einer Lösung im Sinne der Athletinnen und Athleten interessiert sind oder konstruktive Vorschläge parat haben», meinte DOSB-Aktivensprecher Christian Breuer. Auch die NADA zeigte sich «verwundert» über die Ankündigung, weil der Athleten- Protest sich gegen eine Regel richte, die für sie nicht gelte.

«Wir wissen, dass die Regel für uns nicht gilt. Es geht ja auch um eine Aktion mit Symbolwirkung», sagte Bitter der Nachrichtenagentur dpa. «Wir wollen unseren Beitrag zu einem effektiven Anti-Doping- Kampf leisten.» Das Kontrollsystem müsse aber effektiver werden.

Bitter & Co. stören aber nicht nur die Einschnitte in die Privatsphäre. Offenbar wird die Meldepraxis nirgendwo so konsequent betrieben wie in Deutschland. «Ich will nicht von Wettbewerbs- Verzerrung reden, aber die anderen Nationen lachen schon über uns», meinte der Nationaltorwart. So müssen laut Bitter in seinem Team auch nur die DHB-Auswahlspieler wie Kraus, Torsten Jansen, Pascal Hens, Matthias Flohr und Stefan Schröder die strengen Auflagen erfüllen.

Beim HSV stößt die Aktion der Spieler indes nur zum Teil auf Verständnis. «Ich finde es wichtig, sich dagegen zu wehren. Es geht dabei ja nicht gegen Dopingkontrollen», sagte Trainer Martin Schwalb. Der Sportliche Leiter Christian Fitzek findet die NADA-Vorgaben zwar grenzwertig, kündigte aber ein Gespräch mit Bitter an. «Wir müssen uns mit dem derzeitigen Rechtsstand abfinden.» Er fürchte, dass das Vorpreschen der Profis möglicherweise zu Verwarnungen führt, die Sperren für die betroffenen Spieler nach sich ziehen könnten.