THW Kiel - HSV Hamburg - Glückwünsche werden noch abgelehnt - Rekordkulisse in Hamburg: Kiel siegt souverän und steht vor 16. Titel - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Glückwünsche werden noch abgelehnt

Rekordkulisse in Hamburg: Kiel siegt souverän und steht vor 16. Titel

Der Rekordmeister stürzt den Tabellenführer. Der THW Kiel hat das "Spiel der Spiele" beim HSV Hamburg gewonnen und steht damit unmittelbar vor dem Gewinn seiner 16. Deutschen Meisterschaft. Auch wenn die "Zebras" nach dem Spiel noch keine Glückwünsche zum Titelgewinn entgegennehmen wollten, zweifelt angesichts ihrer Leistung im Giganten-Gipfel wohl niemand mehr daran.

13.296 Zuschauer hatten in der Hamburger O2-World (dank Zusatz-Bestuhlung) für eine Rekord-Kulisse gesorgt. Die Hoffnung unter den HSV-Fans, endlich den großen Nordrivalen als Meister abzulösen, erhielt kurz vor dem Anwurf neue Nahrung, als die Nachricht die Runde machte, dass der THW neben Kim Andersson auch Momir Ilic nicht ins Spielgeschehen einbinden kann. Das Kreuzband des Serben ließ lediglich den Einsatz für drei Siebenmeterwürfe zu. Kiel aber konnte auch diesen Ausfall kompensieren.

Mit ihrer offensiven 3:2:1-Deckung überraschte das Team von Trainer Alfred Gislason den Gastgeber. Der HSV, der sich in der Anfangsphase nervös präsentierte, fand kein Durchkommen durch den THW-Beton. In den ersten 18 Minuten gelang den Hamburgern nur ein einziger Treffer aus dem Rückraum. Auf der Gegenseite trumpfte derweil Daniel Narcisse auf. "Air France" spielte in eigentlich passiven Situationen seine enorme Sprungkraft aus und warf den THW mit drei Toren zum 4:2.


Nur Lindberg überzeugt

Der HSV wurde nur durch Hans Lindberg (zehn Tore bei zehn Würfen) und Johannes Bitter im Spiel gehalten, konnte allerdings über die gesamten 60 Minuten kein einziges Mal in Führung gehen. Pascal Hens, Marcin Lijewski und später auch Blazenko Lackovic waren weit von ihrer Bestform entfernt, während das Angriffsspiel des THW diesmal nicht allein durch Filip Jicha zu gefallen wusste. Neben Narcisse, bei dem sich später Licht und Schatten abwechselten, glänzten vor allem Christian Zeitz und Christian Sprenger. Geradezu symptomatisch war eine Szene, in der der Rechtsaußen Hamburgs Kreis-Koloss Igor Vori den Ball in der letzten Sekunde abluchste (16.).

Durch die Einwechslungen von Bertrand Gille und Domagoj Duvnjak hielt der HSV jedoch den Anschluss. Das kroatische Super-Talent donnerte den Ball zum 17:19 mit 117 km/h in die Maschen. Letztlich aber waren die Konzentrationsschwächen des HSV im Angriff (zwölf technische Fehler, Kiel nur sechs) so gravierend, dass Trainer Martin Schwalb sich gezwungen sah, Bitter beim Stand von 27:30 aus dem Kasten zu nehmen. Eine Maßnahme, die nicht aufging, weil Hens nur den Pfosten traf und Sprenger den Ball im verwaisten Kasten versenkte. Der bärenstarke Lindberg und Bertrand Gille konnten noch einmal auf 29:31 verkürzen, bevor Zeitz seine beste Saisonleistung mit der Entscheidung krönte. Nach 2007 und 2009 bleibt dem HSV damit voraussichtlich zum dritten Mal nur die Vizemeisterschaft.