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"Russisches Roulette"

Olafur Stefansson wählte drastische Worte, um die Leistung der Rhein-Neckar Löwen gegen den TSV Hannover-Burgdorf zu beschreiben. "Wir spielen russisches Roulette, irgendwann trifft uns die Kugel", sagte der Halbrechte und schüttelte ungläubig den Kopf. Einerseits konnte er die schwache Vorstellung von sich selbst und seinen Kollegen nicht begreifen, andererseits staunte der Isländer, dass am Ende zwei Punkte für die Löwen herausgesprungen waren. "Hannover hatte heute den Sieg verdient", analysierte Stefansson, doch auf der Anzeigetafel stand ein 27:26 (16:18)-Erfolg der Badener.

Dabei hatten die Löwen über 60 Minuten fast alles falsch gemacht. Das sah auch Ola Lindgren so. "So darf man im Sport nicht in ein Spiel gehen. Wir waren unkonzentriert, haben den Gegner unterschätzt und waren zu bequem", erklärte der Löwen-Coach: "Die Punkte heute waren ein Geschenk." Das Präsent hatten die Süddeutschen Henning Fritz zu verdanken, der in der Schlussphase über sich hinauswuchs. Außerdem schwanden den Hannoveranern am Ende die Kräfte, so dass es nichts mit der durchaus möglichen Sensation wurde.

Während die Löwen ganz schwer ins Spiel kamen, waren die Burgdorfer hellwach, standen gut in der Deckung und nutzten die Fehler des Gegners eiskalt aus. Nach 22 Minuten führte der TSV beim Favoriten mit 13:7 und nur ein entschlossener Schlussspurt von Uwe Gensheimer, der sieben seiner acht Tore vor der Pause erzielte, brachte die Löwen immerhin auf zwei Tore heran - 16:18.

Direkt nach dem Wechsel ging die Heimsieben sogar in Führung (20:19), doch Sicherheit bekamen die Löwen dadurch nicht. Im Gegenteil, nachdem die Mannschaft von Frank Carstens erneut vorne lag, begann bei den Badenern das große Zittern. "Uns hat lange eine große Euphorie getragen", sagte der TSV-Coach später, doch Pech und Unvermögen kostete am Ende zumindest einen Teilerfolg.

20 Sekunden vor dem Ende hatte der TSV beim Stand von 26:26 Ballbesitz, und schloss den Angriff zu früh ab, als Piotr Przybecki aus dem Rückraum aufs Tor warf. "Das müssen wir ausspielen und zumindest den einen Punkt sichern", haderte Carstens mit der großen Chance, mit etwas Zählbarem nach Hause zu fahren. Den Gegenstoß der Löwen schloss Patrick Groetzki fünf Sekunden vor dem Ende mit dem Siegtreffer ab. "Das war heute unsere schlechteste Saisonleistung", sagte Löwen-Manager Thorsten Storm. Das Lob gehörte allein dem TSV Hannover-Burgdorf, der sich trotzdem mit leeren Händen auf die Heimfahrt machen musste.