THW Kiel - Der THW Kiel lässt sich feiern - Schwarz-Weißes Jubelmeer - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Der THW Kiel lässt sich feiern

Schwarz-Weißes Jubelmeer

Meistereuphorie an der Förde: Der THW Kiel ist zum 16. Mal deutscher Champion, aber Mannschaft und Fans jubeln, als wäre es die Premiere.

Es wurde in Kiel schon wieder hell, als die letzten nach Hause gingen - sie hatten den Triumph zehn Stunden lang gefeiert. Am 5. Juni mussten 15 000 glückselige Anhänger auf dem prallvollen Rathausplatz bis 22.50 Uhr warten, dann traf endlich das überglückliche Team von Trainer Alfred Gislason ein. Viereinhalb Stunden zuvor hatten die «Zebras» mit einem 27:24-Sieg beim TV Großwallstadt in Aschaffenburg die sechste Meisterschaft in Serie perfekt gemacht. Sechs Tage nach dem Triumph in der Champions League war das ersehnte Double perfekt.

Mit der Ankunft am Rathaus nahm die fröhliche Party in Schwarz-Weiß bei dröhnender Musik und ausgelassener Stimmung noch einmal richtig Fahrt auf. Kapitän Marcus Ahlm und Co. brachten Meisterschale und Champions-League-Pokal mit. Ihre traditionellen Matrosenhemden hatten eine neue Buchstabier-Variante von THW auf der Brust: Totaler Handball Wahnsinn. Konfettikanonen krachten, wenn sich die Spieler auf dem Rathausbalkon einzeln zeigten. «So sehen Sieger aus», sang die Menge und natürlich «Deutscher Meister wird nur der THW»: Von den letzten 17 Titeln gingen 13 an die Förde.

«Schwarz und Weiß...» - ausgelassen stimmte ein völlig aufgekratzter Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) am späten Abend vor seinem Amtszimmer die THW-Hymne an. Im Club-Trikot und mit Fan-Schal begrüßte er die Meister, die singend das Rathaus «eroberten», dort Frauen und Freundinnen umarmten.

Mehr als 5000 Fans hatten beim Public Viewing den entscheidenden Sieg im letzten Saisonspiel gesehen. Kurz nach 18 Uhr war es geschafft, der hartnäckige Rivale HSV Hamburg musste sich mit einem Punkt Rückstand mit Platz zwei begnügen. Bei schönstem Wetter sangen die Kieler Fans «Oh, wie ist das schön!», als Gislason im fernen Großwallstadt von seinen Spielern mit Weißbier überschüttet wurde. «Ich würde es lieber trinken als in die Augen zu bekommen», sagte der Isländer.

Auch für die Profis begann die Feier gleich nach dem Abpfiff, im Flugzeug ging sie weiter. Aus der Luft kam es dann zum ersten «Kontakt» mit den Fans: Um 21.35 Uhr überflog die Maschine mit dem THW-Team den Rathausplatz und hängte noch eine Ehrenrunde dran. Die Menge jubelte auf. Wenige Minuten später landete das Flugzeug in Kiel-Holtenau, begrüßt von rund 1000 Fans. Die Spieler stiegen aus und begannen, auf dem Rollfeld zu tanzen.

Als «unglaublich» nahm Manager Ulrich Derad die Begeisterung in Kiel wahr, das die «Handball-Welthauptstadt» sei. Nach den Manipulationsvorwürfen um Vorgänger Uwe Schwenker hatte er ein schweres Erbe angetreten, aber sogleich das Double erleben dürfen. Die Mannschaft habe Sensationelles geleistet, meinte der begeistere Derad.

Auch Momir Ilic, der trotz Knieverletzung in den vergangenen Wochen viel zum Erfolg beitragen hat, hätte sich das Ganze nicht so groß vorgestellt. Für ihn und einige andere war es der erste Titel mit den Kielern. Und der Serbe macht klar, dass der Titelhunger auch nach der 16. Meisterschaft längst nicht gestillt ist: «Wer das erlebt hat, tut alles dafür, den Titel wiederzubekommen». Im kleinen Kreis wurde mit Freunden und Sponsoren in der Innenstadt weitergefeiert, Daniel Narcisse war der wohl ausgelassenste Tänzer, auch Filip Jicha entpuppte sich dabei als Stimmungskanone.