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Die letzte Entscheidung

Showdown zwischen Emsdetten und Dormagen

Noch ein Match, dann ist auch die wirklich letzte Entscheidung dieser Spielzeit in der TOYOTA Handball-Bundesliga gefallen. Dabei treffen am Samstagabend in der Sporthalle Berg Fidel in Münster der TV Emsdetten und der TSV Dormagen im Relegations-Rückspiel aufeinander, in dem es um nichts weniger als den letzten noch freien Platz in der 1. Liga für die Saison 2010/2011 geht. Die Partie beginnt um 19.00 Uhr und hat in dem Gast aus Dormagen jene Mannschaft, die nach dem 27:23-Hinspielerfolg mit einem Vier-Tore-Vorsprung ins Match geht. Dennoch lässt dieses Ergebnis auch den Emsdettenern weiterhin berechtigte Hoffnungen, in der kommenden Saison zum erlesenen Kreis der besten 18 Handballteams Deutschlands zu gehören.

 Allerdings sehen sich die Verantwortlichen des TSV Dormagen trotz des Vorsprungs im Nachteil. Selten waren die Voraussetzungen für die Rheinländer so ungünstig wie in der Gegenwart. Personalsorgen erschweren Trainer Kai Wandschneider die Planungen für das samstägliche Match. Kapitän Florian Wisotzki, Tobias Plaz und der Grieche Dinos Chantziaras fehlen seit geraumer Zeit verletzt, zudem stehen die Niederländer Michiel Lochtenbergh und Bobby Schagen sowie der Grieche Spyros Balomenos in den Aufgeboten für die WM-Qualifikationsspiele ihrer Heimatländer und sind für die Rückspiele ihres Verbandes in den Niederlanden (gegen Österreich) und in Griechenland (gegen die DHB-Auswahl) nominiert. Balomenos wird sicher fehlen, die beiden Holländer reisen unmittelbar nach Spielschluss zu ihrer Nationalmannschaft.

Aber auch in Emsdetten ist die Situation angespannt. Zu enttäuscht waren Mannschaft und Trainer nach der Hinspiel-Niederlage. Dennoch verbreitet sich gegenwärtig Optimismus, das Ergebnis im Rückspiel in der rund 3.500 Besucher fassenden Sporthalle in Münster, die eigens für die Relegationsspiele vom TVE gebucht wurde, umzudrehen. Die Zuversicht nährt sich einerseits aus der Hoffnung auf die bedingungslose Unterstützung der Fans, andererseits, so der scheidende Trainer Lars Walther, „kann man nicht zwei Mal so schlecht spielen wie im Hinspiel. Das ist gut für Samstag." Walther trägt am Samstag zum letzten Mal die sportliche Verantwortung in Diensten des TV Emsdetten und wechselt zum Saisonende zum polnischen Erstligisten Wisla Plock. Sein Nachfolger wird der Isländer Patrekur Johannesson.

Das Doppelinterview mit Thomas Dröge (Team-Manager TSV Dormagen) und Frank Thünemann (TV Emsdetten)

Thomas Dröge vom TSV Dormagen und Frank Thünemann vom TV Emsdetten sind beide maßgeblich beteiligt, wenn es darum geht, die Zukunft ihres jeweiligen Clubs zu gestalten. Allein: Gegenwärtig weiß weder der eine noch der andere, in welche Richtung der Zug geht. Erst am späten Samstagabend werden beide Planungssicherheit haben. Dann nämlich endet das Relegations-Rückspiel um den letzten noch freien Erstligaplatz zwischen dem TVE und dem TSV. Vor dem – aus Sicht beider Vereine – wichtigsten Match der Saison sprach die TOYOTA HBL mit beiden Managern.

> Warum besteht Ihr Club am Samstag die Relegation und spielt in der kommenden Saison erstklassig?

Dröge: Das ist provokant gefragt. Wir haben sicher das größere Kämpferherz. Alle Jungs haben ein blau-weißes Herz. Und das werden sie am Samstagabend in die Waagschale werfen, um den Vier-Tore-Vorsprung erfolgreich zu verteidigen.

Thünemann: Wir gewinnen die Relegation, weil man nicht zwei Mal hintereinander so grottenschlecht spielen kann wie im Hinspiel in Dormagen. Das war ganz und gar nicht unser Spiel. Wir haben uns offenbar zu viel vorgenommen, wollten keine Fehler machen und haben dann vergessen, Tempo zu machen. Das passiert uns ganz sicher nicht noch einmal.

 > Wo sehen Sie die Stärken, wo die Schwächen Ihres Teams?

Dröge: In kämpferischer und in taktischer Hinsicht sind wir stärker als unser Gegner. Wir haben einen sehr erfahrenen Trainer, der die Spieler ziemlich punktgenau in die entsprechende Situation steuern kann. Was uns gegenwärtig fehlt, ist eine gewisse körperliche Präsenz. Und der Ausfall unseres Griechen Spyros Balomenos, der in der Deckung ein ganz wichtiger Baustein ist, trifft uns hart.

Thünemann: Unsere Stärke ist zweifellos unser Abwehrspiel. Hier legen wir die Grundlage für unser gesamtes Spiel. Und wenn wir jetzt im Angriff nur ein klein wenig besser agieren als im enttäuschenden Match in Dormagen, dann habe ich keinerlei Zweifel, dass wir gewinnen.

> Und wenn der Klassenverbleib bzw. der Aufstieg nicht gelingen sollte: Wie geht es dann weiter im Club?

Dröge: Wir sind für beide Fälle gewappnet. Organisatorisch sind wir für eine Spielzeit in Liga eins ebenso aufgestellt wie in Liga zwei. Allerdings wird es in der 2. Liga im kommenden Jahr ein Hauen und Stechen um die Plätze für die eingleisige 2. Liga geben. Alle wollen da hin, insofern müsste man dann erst einmal abwarten, wie eine solche Zweitligasaison läuft, um entsprechende Zielsetzungen in Richtung Erstklassigkeit ausgeben zu können.

Thünemann: Wir haben unserer Mannschaft im Vorfeld überhaupt keinen Druck gemacht. Klar, wir wollen aufsteigen, aber unabhängig davon bleibt die Mannschaft so zusammen, wie sie aktuell ist. Bis auf einen einzigen Vertrag sind alle Kontrakte verlängert worden. Mit anderen Worten: Unsere Jungs können am Samstag unabhängig von Existenzsorgen ganz befreit das spielen, was sie können.