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Wetzlar bekommt Punkte zurück

Sieg vor Gericht

„Meine Damen und Herren, die Zeit der Entscheidung ist gekommen.“ Als der Vorsitzende der zweiten Kammer des Bundessportgerichts, Jürgen Thomas, im Konferenzraum zwei des Landessportbundes diesen Satz sagte, waren Björn Seipp (Geschäftsführer der HSG Wetzlar), Martin Bender (Aufsichtsratsmitglied), Rainer Dotzauer und auch dem Rechtsanwalt Manfred Rühl die Anspannung deutlich anzumerken. „Hier geht es mehr als nur um zwei Punkte, hier geht es auch um einen möglichen Abstieg der HSG Wetzlar aus der Bundesliga“, hatte Rühl während der Anhörung in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise in Schlagdistanz zur Arena zuvor gesagt. Letztendlich wendete sich nach knapp zweieinhalb Stunden Verhandlungszeit das grün-weiße Blatt doch noch zum Guten und die HSG Wetzlar bekommt die beiden aberkannten Punkte aus dem Spiel gegen Frisch Auf Göppingen (26:25) zumindest vorerst wieder zugesprochen.

„Wir glauben der HSG Wetzlar, dass sie im Falle Andrej Klimovets in gutem Glauben gehandelt hat und wiedersprechen dem ersten Urteil des Punktabzuges. Die HSG hat sich nachweislich bei der HBL rückversichert, ob Klimovets spielberechtigt ist und kann nichts dazu“, sagte Thomas, nach einer über einstündigen Beratungszeit mit seinen Kollegen Nicola Bitsch und Stefan Pfeifer.

Wetzlars Winterneuzugang Klimovets, der beim Ligaspiel am 8. Februar für den rheinland-pfälzischen Oberligisten TSG Haßloch beim Pfälzischen Verband als auch für die HSG Wetzlar in der Bundesliga  spielberechtigt war, kommt jedoch nicht straffrei davon. Zwar bestätigte die zweite Kammer aufgrund der Aussagen des Spielers und des TSG-Verantwortlichen Edberg Best, dass Klimovets ebenfalls nach „gutem Glauben gehandelt“ habe. Für Wetzlars Anwalt Manfred Rühl, der im Rahmen der Anhörung einen  starken Eindruck machte und mehrfach die in den in den Landesverbänden unterschiedlich geregelten Spielberechtigungsregularien infrage stellte, ist dieses Urteil nicht zu verstehen: „Auf der einen Seite wird ihm guter Glaube bestätigt, aber dann wird er doch gesperrt. Das passt nicht zusammen. Hinzu kommt noch, dass er gar kein Mitglied in Hassloch ist, was nach den Statuten des Pfälzischen Handballverbandes eine Spielgenehmigung ohnehin ausschließt.“

Gemeinsam mit den HSG-Verantwortlichen überlegt der Anwalt  nun, in diesem Punkt in Revision zu gehen. Klimovets gab vor Gericht zu, seinem Freund Andrej Sinjak - dem Trainer des Oberligisten TSG Haßloch - im September des vergangenen Jahres nach fünf Trainingseinheiten die Zusage für ein Spiel gegeben zu haben. „Andrej ist mein Freund, wir kennen uns schon lange. Ich habe ihn damals gefragt, ob ich mich bei ihm fithalten darf. Dann fragte er mich, ob ich auch spielen kann und ich sagte spontan ja. Am anderen Tag sagte ich gleich wieder ab, da ich mich mit meiner Frau abgesprochen hatte und wir das doch nicht wollten“, sagte Klimovets bei der Anhörung. Abweichend zur Stellungnahme von TSG-Vertreter Best war die Aussage des ehemaligen Nationalspielers, dass er seinen Spielerberater nicht um Rat gefragt habe. „Herr Klimovets und Herr Best haben ihre Sichtweise glaubhaft dargestellt“, meinte Thomas.

DHB-Justitiar Andreas Thiel hatte zuvor gefordert, bei dem alten Urteil zu bleiben - auch um nicht noch mehr Unannehmlichkeiten für den Verband zu bekommen. Nach der Urteilsverkündung sprach der ehemalige Nationalkeeper von einem „bizarren Fall, der uns die Schwächen aufgezeigt hat.“ Auch Thiel kritisiert die undurchsichtige und förderalistische Regelung der Spielgenehmigungen seitens der Landesverbände: „Wir hätten auch bei der HBL am liebsten, dass die Spieler nur bei uns geführt wird und wir eine zentrale Eingabestelle haben. Die Verbände stellen sich aber quer, da sie mit der Passvergabe Geld verdienen.“

HSG-Geschäftsführer Björn Seipp machte nach der Urteilsverkündung keinen Hehl aus seiner Freude: „Für die HSG Wetzlar hat die Gerechtigkeit gesiegt. Dieses Urteil haben die Fans und die Mannschaft verdient und soll uns nun Auftrieb für die kommenden Aufgaben geben.“ Frisch Auf Göppingen bekommt die zunächst wieder gut geschriebenen Punkte wieder abgezogen, hat aber die Möglichkeit vor dem Bundesgericht in Revision zu gehen.