TBV Lemgo - TSV Hannover-Burgdorf - Ostwestfalen leisten sich immer wieder spektakuläre Aussetzer - TBV Lemgo der Flop des Jahres? - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Ostwestfalen leisten sich immer wieder spektakuläre Aussetzer

TBV Lemgo der Flop des Jahres?

Kurz vor Jahresende hat der TBV Lemgo noch einmal eine eindrucksvolle Bewrbung um den Titel als ‚Flop des Jahres’ abgegeben. Die Niederlage beim TSV Hannover-Burgdorf war schon – mindestens – der fünfte große Fehltritt des Star-Aufgebots der Ostwestfalen.

In der Bundesliga blamierten sich die Schützlinge vor ihrer peinlichen Pleite beim Aufsteiger bereits bei der 30:31-Niederlage bei der HSG Wetzlar und vor allem bei der 22:38-Heimklatsche gegen die Rhein-Neckar Löwen. Welches Potenzial im Team schlummert, zeigten die Mudrow-Schützlinge in Kiel, als sie - in der Endphase sogar in Unterzahl – dem Rekordmeister THW beim 27:27 den ersten Zähler der Saison abknöpften.

„Ich bin aber natürlich sehr enttäuscht, weil wir mehr Potenzial haben als Hannover, Hannover ist aber mehr als Mannschaft aufgetreten“, versuchte sich Mudrow etwas hilflos an einer Analyse. Sein Fazit („wir haben am Anfang vielleicht nicht die richtige Einstellung gehabt“) könnte man auch als roten Faden für die Auswertung der bisherigen Saison nutzen.

Zwei weitere Mal scheiterte der gerne beschworene „TBV Deutschland“ spektakulär: Schon vor Bundesliga-Beginn waren Trainer Markus Baur und Sportdirektor Daniel Stephan gefeuert worden. Baur war zum Sündenbock für das blamable Verpassen der Champions League erkoren worden: Im Qualifikationsturnier für die Königsklasse waren die Ostwestfalen gegen die Spanier Reale Ademar Leon, die Schweizer Kadetten Schaffhausen und die Slowenen von Celje Pivovarna Lasko ohne Punkt nur Letzter geworden.

Da Stephan nicht bereit war, für Baur auf den heißen Trainerstuhl aufzurücken, wurde er ebenfalls von seinen Aufgaben entbunden. Im DHB-Pokal kam das Aus bereits in der dritten Runde beim Zweitliga-Siebten VfL Bad Schwartau, damit hatte auch der Oktober einen TBV-Tiefpunkt. Rätselhaft bleibt weiter, warum Lemgo immer wieder solche Katastrophen-Vorstellungen bietet.

Schließlich ist das Aufgebot – genau wie der Anspruch – des TBV nicht nur deutscher, sondern sogar europäischer Spitze würdig. Nationalmannschafts-Kapitän Michael Kraus, Torhüter Carsten Lichtlein, Martin Strobel und Holger Glandorf sind in Heiner Brands EM-Kader, Sebastian Preiß hat nur wegen seiner Achillessehnen-Operation für das Turnier in Österreich abgesagt. Mit Martin Galia und Daniel Kubes für Tschechien, Ferenc Ilyes und Tamas Mocsai für Ungarn sowie den beiden Isländern Logi Geirsson und Vignir Svavarsson sind ab Ende nächster Woche sechs weitere TBV-Akteure für ihre Nationalteams bei der EM dabei.

Da bleiben Volker Mudrow nicht allzu viele Möglichkeiten, im bundesliga-freien Januar mit und an seinem Team zu arbeiten. Verständlich also, dass der 40-jährige Handball-Lehrer etwas irritiert reagierte, als er nach der Pleite in Hannover nach der Verlängerung seines bis Saisonende laufenden Vertrags gefragt wurde. „Das ist derzeit wohl nicht der richtige Zeitpunkt, um das anzusprechen“, blieb ihm nur zu antworten.