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TBV setzt Versöhnungskurs mit den Fans fort

Blau-weiße Genugtuung statt rosarote Illusionen. Mit dem 29:18 über eine schwache HSG Wetzlar hat der TBV Lemgo seinen Versöhnungskurs mit den eigenen Fans fortgesetzt. Das hat es in der Lipperlandhalle schon lange nicht mehr gegeben: Als der formidable Florian Kehrmann 90 Sekunden vor Schluss mit seinem fünften Treffer in Unterzahl zum 28:17 traf, erhoben sich die meisten der 4.164 Zuschauer von ihren Plätzen und genossen den finalen Kempatrick durch Bechtloff im Stehen.

Der höchste Sieg seit elf Monaten verleitete jedoch weder Spieler noch Trainer zu überschwänglichen Elogen. "Die Einstellung war jetzt dreimal hintereinander spürbar gut. Das müssen wir fortführen", hatte Martin Strobel als umsichtiger Lenker schon den Blick auf den nächsten Dreierpack mit den schweren Auswärtsspielen in Nettelstedt und Hamburg sowie in Halle gegen den THW Kiel vor Augen.

Das Feuer, das im TBV schlummerte, war bereits in den ersten Minuten erkennbar, als Lemgo perfekt gegen den Ball arbeitete. Die Abwehr versprühte Funken und hatte gleichzeitig das Ziel, den Ball sofort scharf zu machen. Grandios, wie Kehrmann eine etwas zu lang geratene "Harpune" von Galia aus vollem Lauf zum 2:0 einnetzte. Mit Mocsai für Glandorf in der Startformation hatte sich Trainer Mudrow beim Rendevouz mit seinem Ex-Club dazu noch eine kleine Überraschung ausgedacht, welche die taktischen Ambitionen der Mittelhessen durchkreuzte.

So setzte sich der TBV von 5:4 auf 16:4 ab. Von den kümmerlichen fünf Wetzlarer Treffern vor der Pause gingen vier auf das Konto von Sven-Sören Christophersen. Wetzlars Trainer Michael Roth war angesichts der 20-minütigen Ladehemmung angefressen: "Wir haben aber auch gleich sämtliche Klassiker eingesetzt: Siebenmeter verworfen plus Galia eingeworfen." Da solch eine Leistung über 60 Minuten nur schwer zu ertragen sei, habe er es in der Pause vermieden, in die Kabine zu gehen. "Immerhin haben wir die zweite Hälfte unentschieden gespielt, weshalb ich meinen Co-Trainern nur gratulieren kann. Sie scheinen die besseren Trainer zu sein", flüchtete Roth in Sarkasmus.

Dass sich Michael Kraus im Abschlusstraining einen Faserriss im Adduktorenbereich zugezogen hatte und mindestens zwei Wochen ausfällt, war den TBV-Offiziellen zum Ende der Pressekonferenz nur einen Nebensatz wert. Mit Strobel und Ilyes spielten sich zwei Akteure in den Vordergrund, die sich bislang viel zu lange im Schatten des Nationalmannschaftskapitäns versteckt hielten.