THW Kiel - HSV Hamburg - Ursachensuche nach dem Supercup - THW Kiel arbeitet intensiv die Niederlage auf - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Ursachensuche nach dem Supercup

THW Kiel arbeitet intensiv die Niederlage auf

Die Nacht nach der 35:28-Supercup-Niederlage gegen HSV Hamburg war kurz und unruhig, das schlechte Spiel lastete wie ein Sack schwerer Steine auf der Seele von Spielern und Trainer des Handballmeisters THW Kiel. Bereits gegen neun Uhr hob das Flugzeug in Nürnberg ab. So blieb Coach Alfred Gislason viel Zeit, den Tag nach der Schmach zu nutzen.

„Wir müssen die Woche über hart arbeiten, um einen gelungenen Saisonstart hinzulegen“, sagte er nach der ersten Niederlage gegen den Nordrivalen seit November 2007. Am Sonnabend (15 Uhr) starten die „Zebras“ bei MT Melsungen in die Bundesliga-Saison. Die Angst vor einem Fehlstart spielt dann mit. „Ich habe mich schwarz geärgert über das Spiel meiner Mannschaft“, gab Gilslason zu Protokoll. Das sei Spaziergang-Handball gewesen, ohne Druck und Tempo, mit sehr vielen technischen Fehlern. Außerdem hätten seine Spieler etliche Siebenmeter verworfen. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen.“
Tatsächlich war der THW im Vergleich zu seinem Auftritt zwei Tage zuvor beim 27:25-Sieg in der Sparkassen-Arena über Montpellier nicht wiederzuerkennen. In der Arena Nürnberg stand eine andere Mannschaft auf dem durch eine enorme Luftfeuchtigkeit oft gefährlichen Parkett. Die viel gepriesene Rückraum-Macht um Kim Andersson, Filip Jicha, Momir Ilic, Christian Zeitz oder Börge Lund tauchte gegen die aggressive HSV-Abwehr mit dem starken Torhüter-Gespann „Jogi“ Bitter und Per Sandström einfach weg. Neuzugang Daniel Narcisse kam erst in der zweiten Halbzeit länger zum Einsatz, deutete mit einem Kracher aus zwölf Metern und einigen Traumpässen auch an, dass er bald die erhoffte Verstärkung sein wird. Aber bei seiner Premiere im THW-Trikot durften Wunderdinge nicht erwartet werden. Noch fehlt die Bindung - wie auch bei anderen Neuzugängen wie Ilic und Sprenger. Ob eine zentrale Figur wie Stefan Lövgren jetzt fehlen würde, wurde Gislason gefragt. Kiels Trainer schüttelte den Kopf. Er habe drei Mittelleute im Team, Lund habe ganz ordentlich gespielt, Narcisse werde sicher zulegen. „Und Aron Palmarson ist ein großes Talent, aber erst 19, er braucht seine Zeit.“

Die eigene Hilflosigkeit machte Gislason auch an der Stärke des Gegners fest. Der HSV habe eine Supermannschaft, lobte er. „Die haben hochverdient gewonnen.“ Torhüter Thierry Omeyer spielte die Niederlage herunter: „Okay“, sagte er, „das ist nur der Supercup. Die Wettbewerbe, die jetzt kommen, Meisterschaft und der Pokal, die sind unser Ziel“. Trotzdem habe es richtig wehgetan, den Hamburgern beim Jubeln zuschauen zu müssen.

Dagegen gefiel HSV-Sportchef Christian Fitzek, was er gesehen hatte. Natürlich. „So ein Sieg hat schon eine gewisse Aussagekraft“, sagte er und freute sich auf das für Oktober vorgesehene Comeback von Pascal Hens. „Wenn Pommes noch reinkommt, dann kracht's richtig.“ Um die THW-Vormacht in der Bundesliga zu brechen, erwartet Fitzek allerdings die Hilfe anderer Teams. „Allein können wir das nicht schaffen, das ist unmöglich.“

Die Wettbüros haben bereits reagiert, der HSV-Sieg hat bei den Buchmachern Eindruck hinterlassen. Sportwetten-Anbieter MyBet führt die Hamburger mit der Quote 2,50 als Top-Favoriten auf die Meisterschaft, Kiel folgt bei 2,70 auf Platz zwei.