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Jérôme Fernandez zum THW

Turbulentes Wochenende in Kiel

Turbulent ging es am Wochenende zu hinter den Kulissen von Meister THW Kiel. Zunächst waren sich die "Zebras" mit Olympiasieger Jerome Fernandez über einen sofortigen Wechsel von BM Ciudad Real nach Kiel einig geworden. Ein Interview, das der 33-Jährige Medien in seiner Heimat gab, sorgte dann für Verstimmung bei den Spaniern. Sonntag Abend löste sich der Knoten auf. "Die Freigabe von Ciudad Real liegt vor, Jerome wird ein Kieler", erklärte THW-Manager Uli Derad.


Damit gelang dem Champions-League-Sieger ein überraschender Coup, den Trainer und Mannschaft sehr begrüßten. Er habe nie erwartet, dass ein Spieler diesen Formats auf den Markt komme, sagte THW-Coach Alfred Gislason. "Es wäre fahrlässig gewesen, diese Möglichkeit nicht zu nutzen, zumal er keine Ablöse kostet. Jerome ist spielerisch und menschlich eine Bereicherung für das Team."

Der THW will erneut in allen drei Wettbewerben vorne dabei sein. Die Verletzungen von Kim Andersson (Knie) und Daniel Narcisse (Kreuzbandriss) rissen aber eine Lücke in den Kader, die kurzfristig kaum zu schließen gewesen wäre, weil auf dem Transfermarkt kein Rückraumspieler mit internationaler Klasse zu finden war. Diese Situation änderte sich schlagartig, als Mitte der vergangenen Woche durchsickerte, dass sich der spanische Meister kurzfristig von dem Franzosen trennen wolle.

Weil Fernandez beabsichtigte, nach der Spielzeit 2011 in seine Heimat zurückzukehren, um dort seine Karriere ausklingen zu lassen, bat Trainer Talant Duschebajew seinen Rechtshänder zum Gespräch und erklärte ihm, dass er vorzeitig gehen könne. Fernandez war auf dem Markt, Kiels Manager intensivierte die Gespräche mit Fernandez-Berater Bhakti Ong. Man wurde sich einig. Ein Fernandez-Interview mit französischen Medien sorgte dann für Verstimmung in Ciudad Real. Der Franzose hatte erzählt, dass sich die Spanier auch aus finanziellen Gründen von ihm trennen wollten. Eine Aussage, die den Stolz des Clubs traf. Die Kontakte wurden abgebrochen. Uli Derad stellte die Kommunikation dann mit viel Geduld wieder her, am Ende stand die Einigung gestern Abend.

Der Olympiasieger, Welt- und Europameister spielte seit 2002 in der spanischen Liga, bis 2006 beim FC Barcelona, danach in Ciudad Real. In Kiel wird er in den nächsten Tagen einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 unterschreiben, am kommenden Sonntag könnte er beim Bundesligaspiel bei den Füchsen Berlin bereits auf der THW-Bank sitzen. Fernandez gilt als Allrounder im Rückraum, ist in der Mitte und auf beiden Halbpositionen einsetzbar, außerdem ist der 199-Zentimeter-Mann, der 303 Länderspiele absolvierte, ein exzellenter Abwehrspieler. "Eine tolle Lösung für alle, für Jerome und für unsere Mannschaft", freute sich auch Fernandez' verletzter Landsmann Daniel Narcisse, der mit Gehhilfen auf der Tribüne saß. "Jerome ist ein Mann für alle Positionen." Verständigungsprobleme erwartet Narcisse nicht. Fernandez komme mit Deutsch-Kenntnissen aus der Schulzeit, "er spricht schon ein wenig." Die Transfer-Nachricht zauberte auch ein Lächeln ins Gesicht von Thierry Omeyer, den seit zehn Jahren eine enge Freundschaft mit Fernandez verbindet. "Das ist großartig, eine tolle Verpflichtung, Jerome wird uns sehr helfen."

In einer wichtigen Phase befinden sich auch die Gespräche mit THW-Linkshänder Christian Zeitz, dessen Vertrag 2011 ausläuft. Derad sprach zuletzt von guten Gesprächen. Der 29-jährige Rückraumspieler erklärte allerdings, dass es noch wichtige ungelöste Probleme gebe. Eine Rolle spiele auch seine berufliche Perspektive nach dem Karriereende. "Das ist mir wichtig", sagte Christian Zeitz. Sollte es letztlich aber zu einer Vertragsverlängerung über drei weitere Jahre mit dem Badener kommen, "bleibe ich in Norddeutschland, baue hier ein Haus." Zeitz betonte, dass die Verlängerung kein Selbstgänger sei. "Ich habe momentan das Gefühl, dass alle in Kiel glauben, ich werde auf jeden Fall bleiben. Das ist aber unsicher, es gibt auch Kontakte mit anderen Clubs."