Interview mit Frank Bohmann, Geschäftsführer der TOYOTA Handball-Bundesliga - "Unsere Fans können so viel Handball im TV sehen, wie nie zuvor" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Interview mit Frank Bohmann, Geschäftsführer der TOYOTA Handball-Bundesliga

"Unsere Fans können so viel Handball im TV sehen, wie nie zuvor"

Mit dem Spiel um den LoS Super Cup startet die TOYOTA Handball-Bundesliga am 1. September offiziell in die neue Saison. Was erwartet die Fans?

Bohmann: Ganz sicher ein hochinteressantes Spiel. Schließlich treffen hier zwei der absoluten Top-Favoriten auf die Deutsche Meisterschaft aufeinander, die beide heiß auf den Gewinn des LoS Super Cup und damit auf den ersten Titel der neuen Saison sind. Sowohl für Kiel als auch für den HSV bedeutet dieses Match eine Standortbestimmung auf allerhöchstem Niveau. Das garantieren allein schon die Namen der Spieler, die bei diesen beiden internationalen Topklubs unter Vertrag stehen.

Mit dem Sportswear-Label und Ausrüster Label of Sportwear – kurz LoS genannt – präsentiert die TOYOTA HBL einen neuen Partner für diese Veranstaltung.

Bohmann: Wir sind darüber hocherfreut, mit LoS einen neuen Titelsponsor für den LoS Super Cup präsentieren zu können. Zunächst einmal für drei Jahre ist diese neue Partnerschaft vereinbart. LoS ist ein junges und dynamisches Unternehmen, das den etablierten Markt in den vergangenen Monaten richtiggehend aufgewirbelt hat.

Auch in Sachen TV-Vertrag wird sich vieles verändern. Mit Beginn der neuen Saison ist das DSF neuer Hauptlizenznehmer der Übertragungsrechte der TOYOTA HBL.

Bohmann: Seit zwei Jahren gehört der Handball ununterbrochen zu den Top-Five-Sportarten im TV. Das haben wir ganz sicher auch unseren bisherigen Partnern zu verdanken. Mit dem nun abgeschlossenen TV-Vertrag sichert sich die TOYOTA HBL eine deutlich gesteigerte TV-Präsenz. Mit dem Deutschen Sportfernsehen wird es noch mehr Live-Spiele und noch mehr Handball im frei empfangbaren TV geben. Und mit dem Vertragsabschluss mit dem Münchner Rechteverwerter Sportsman Media Group, der nun die internationalen TV-Rechte der stärksten Liga der Welt vermarktet, werden wir auch unsere ausländische TV-Präsenz weiter ausbauen. Das umfasst neben den TV-Rechten auch die Mobil- und Internet-Lizenzen.

Sind die Öffentlich-Rechtlichen damit komplett raus?

Bohmann: Davon gehe ich nicht aus. Zurzeit arbeiten wir daran, mit der Sport A, der Rechteagentur von ARD und ZDF, zu einem Vertragsabschluss in Sachen Nachverwertung zu kommen. Dann wäre unser TV-Paket komplett.

Bei all der Vorfreude auf die neue Spielzeit: Denken Sie manchmal noch an die schwere Zeit in der ersten Jahreshälfte zurück?

Bohmann: Es wäre fatal, das zu verdrängen. Mit dem zeitlichen Abstand von heute müssen wir bekennen, dass wir damals von den Ereignissen wirklich überrollt worden sind. Die Manipulationsverdächtigungen trafen uns völlig unvorbereitet. Wie hätte es auch anders sein können, wenn man eine solche Entwicklung für völlig unmöglich gehalten hat.

Die Liga hätte sich doch auf den Standpunkt stellen können, dass die Manipulationsvorwürfe ausschließlich Spiele im Europacup betrafen, insofern kein Handlungsbedarf bestehe.

Bohmann: Sie haben insofern Recht, als es bis heute keinerlei Anhaltspunkte gibt, die auch nur den Verdacht nahe legen, dass die Liga von diesem Skandal betroffen ist. Dennoch mussten wir schonungslose Aufklärung einfordern, da deutsche Schiedsrichter und ein Mitglied der TOYOTA HBL verdächtigt wurden.

Mangelhaftes Krisenmanagement kann man der TOYOTA HBL wohl nicht vorwerfen, oder?

Bohmann: Ganz sicher nicht. Sicher ist man hinterher immer schlauer und weiß im Nachgang, wo man hätte besser reagieren können. Aber im Gegensatz zu vielen anderen haben wir uns bei Bekanntwerden der Vorwürfe nicht weggeduckt. Dass dabei auch Fehler gemacht wurden, wer will das bestreiten? Wir haben Verantwortung übernommen, als andere sich gedrückt haben. Bedauerlicherweise wird es aber sicher noch lange dauern, bis die gesamte Affäre aufgeklärt ist.

In Sachen Lizenzierungsverfahren ist die Liga aber einen ganz entscheidenden Schritt vorangekommen.

Bohmann: Es hat in Bezug auf diese Saison viele Veränderungen gegeben, und es wird auch in Bezug auf das kommende Jahr Veränderungen  geben. Der gravierendste Unterschied zu den Vorjahren ist, dass sämtliche Erst- und Zweitligisten im Abstand von drei Monaten alle Kosten offenlegen müssen. Diese strengere Kontrolle kann wirtschaftliche Turbolenzen nicht grundsätzlich verhindern, kann aber das Risiko von Insolvenzen aber zumindest minimieren.

Reicht das aus?

Bohmann: Wir werden mittelfristig nicht darum herumkommen, dass der Anteil der Lohnkosten an den Gesamtkosten reduziert wird, und dass sich jeder Klub eine Eigenkapitaldecke zulegt, die die – übrigens völlig normalen – Schwankungen im Verlaufe eines Wirtschaftsjahres ausgleichen kann. Angesichts schwankender Konjunktur und schwierigeren Sponsorenverhandlungen in der Wirtschaftskrise kann rasch mal ein Planungsloch von 100.000 Euro auftreten. Das ist weder Missmanagement noch ein Vergehen. Mit einer entsprechenden Eigenkapitaldecke wäre dieses Loch gestopft.

Auch in der Nachwuchsförderung ist die Liga ein gewaltiges Stück vorangekommen.

Bohmann: Das von uns eingeführte Jugendzertifikat gibt es nun bereits im dritten Jahr. Unser Fazit bis hierher fällt durchweg positiv aus, weil unsere Erwartungen, die daran geknüpft waren, weit übertroffen wurden. Jeder Verein engagiert sich, weil jeder Verein dieses Zertifikat haben möchte. Aber was noch wichtiger ist: Das Jugendzertifikat hat maßgeblich dazu beigetragen, eine gravierende Veränderung im Denken der Klubs herbei zu führen. Der deutsche Handball ist in der Fürsorge für den Nachwuchs sehr gut aufgestellt.