THW Kiel - Manipulationsaffäre in Kiel - Verfahren gegen Schwenker vor Abschluss - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Manipulationsaffäre in Kiel

Verfahren gegen Schwenker vor Abschluss

Seit Monaten gab es nichts Neues im vermeintlich größten Skandal der Handballgeschichte. Nun aber kommt offenbar Bewegung in die laufenden Strafverfahren gegen Uwe Schwenker und Noka Serdarusic. Nach Einschätzung des Rechtsanwalts Erich Samson, der Serdarusic vertritt, dürfte das Landgericht Kiel in den nächsten zwei Wochen darüber befinden, ob es zu einem Prozess gegen den ehemaligen Manager und den ehemaligen Trainer des THW Kiel kommt. „Ich rechne damit, dass das Gericht noch im August eine Entscheidung trifft, aber sicher ist das nicht“, sagte Samson der Nachrichtenagentur dpa. Schwenker und Serdarusic waren am 29. Januar 2010 von der Staatsanwaltschaft Kiel wegen Untreue bzw. Beihilfe zur Untreue angeklagt worden.

Schwenker wird zudem vorgeworfen, die Bilanz der THW Kiel Verwaltungsgesellschaft mbH nicht korrekt erstellt zu haben. Sein Anwalt Harald Riettiens wollte keine Einschätzung abgeben. „Wir warten auf eine Entscheidung des Landgerichts“, ließ er lediglich wissen. Im Februar hatte Riettiens erklärt, die Anklage der Staatsanwaltschaft enthalte keine Substanz. Das Landgericht Kiel hielt sich ebenfalls bedeckt: „Eine Entscheidung über die Eröffnung eines Verfahrens ist noch nicht gefallen“, sagte Sprecherin Susanne Bracker. Den Beschluss fasst die 5. Große Strafkammer unter ihrem Vorsitzenden Stephan Worpenberg.

Ausgangspunkt der Verfahren waren massive Manipulationsvorwürfe gegen Schwenker und Serdarusic, die am 28. Februar 2009 öffentlich geworden waren. Im Zentrum stand dabei das Finalrückspiel in der Champions League des Jahres 2007, das der THW gegen die SG Flensburg- Handewitt mit 29:27 gewann und sich dadurch erstmals den bedeutendsten Clubwettbewerb der Welt sichern konnte. Schwenker und Serdarusic sollen damals über den kroatischen Spielervermittler Nenad Volarevic rund 90 000 Euro an die polnischen Schiedsrichter Miroslav Baum/Marek Goralczyk zwecks Manipulation gezahlt haben. Auch andere Spiele des THW Kiel in der Champions League sollen durch Schiedsrichterbestechung manipuliert worden sein. Beide Angeklagten und auch die Schiedsrichter haben die Vorwürfe stets bestritten.

Ans Licht der Öffentlichkeit kamen die Vorwürfe, nachdem der THW Serdarusic im Juni 2008 vorzeitig freigestellt hatte. Als der Coach im Herbst 2008 einen Vertrag bei den Rhein-Neckar Löwen unterschrieb, soll er den dortigen Verantwortlichen zahlreiche Details über die Manipulationen berichtet haben. Das jedenfalls sagten Löwen-Manager Thorsten Storm und Löwen-Gesellschafter Jesper Nielsen als Zeugen bei der Staatsanwaltschaft aus. Zudem soll Schwenker sich bereits im Sommer 2007 auf der Finca des HSV-Präsidenten Andreas Rudolph mit den Manipulationen gebrüstet haben, wie weitere Zeugen bestätigten, andere Zeugen indes verneinten.

Im Zuge des Skandals hatten viele europäische Top-Schiedsrichter von Bestechungsversuchen berichtet. Das deutsche Gespann Frank Lemme/Bernd Ullrich wurde aus dem Verkehr gezogen, nachdem bekannt wurde, dass Ullrich nach einem Europapokalfinale 2006 am Moskauer Flughafen mit 50 000 US-Dollar aufgegriffen worden war. Die Europäische Handball-Föderation (EHF) als Veranstalter der Champions League hat bislang keine Sanktionen gegen den THW Kiel ausgesprochen. Sie erklärte stets, den Ausgang der Strafverfahren abwarten zu wollen.