Exklusiv-Interview mit HBL-Präsident Reiner Witte - "Vistenkarte des deutschen Handballs" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Exklusiv-Interview mit HBL-Präsident Reiner Witte

"Vistenkarte des deutschen Handballs"

Der HBL-Präsident Reiner Witte stand exkusiv der HANDBALLWOCHE Rede und Antwort.


> Herr Witte, das Lufthansa Final4 in Hamburg steht an. Was kann man dieses Jahr von diesem absoluten Handball-Highlight erwarten?
Reiner Witte: Handballfans und Sportbegeisterte sollten gute Nerven mitbringen. Unser Pokalfinale bietet mindestens drei Stunden Handballsport auf Top-Niveau. Spannend, umkämpft und fair. Mit den vier Spitzenteam der TOYOTA Handball-Bundesliga kommen die weltbesten Handballer nach Hamburg. Die über 13.000 Zuschauer, die jeweils an beiden Tagen die Ränge stimmgewaltig und farbenfroh füllen werden, erleben Olympiasieger, Welt- und Europameister sowie Titelträger aller europäischen Wettbewerbe auf der Spielfläche. Viele Fans werden die Gelegenheit haben, ihre Stars hautnah zu erleben. Die oft unmittelbare Nähe zwischen Handballstars und Fan gehört nach wie vor zu den Höhepunkten unserer Sportart. Dies gilt im Übrigen für Sportler und Fan gleichermaßen. Alle Spiele werden live bei SPORT1 übertragen, Spielbilder gehen weltweit in über 60 Länder, wir erzielen 100 Millionen Kontakte. Im Mittelpunkt steht der Sport, ein anspruchsvolles Rahmenprogramm flankiert die Spiele. Das Pokalfinale ist in seiner Gesamtheit eine Visitenkarte des deutschen Handballs.

> Seit wann laufen die Vorbereitungen zum Lufthansa Final4?
„Im November haben wir mit dem Kartenvorverkauf begonnen. Ich bin mir ganz sicher, dass die Vorbereitungen zu dieser Veranstaltung, die wir in den vergangenen Jahren mit der Unterstützung unserer Sponsoren zu einem echten Megaevent weiterentwickelt haben, spätestens seither die Mitarbeiter unserer Dortmunder Geschäftsstelle ganz ordentlich auf Trab halten. Im Übrigen ist das Lufthansa Final4 zwar das Flaggschiff unserer Veranstaltungen, bei weitem aber nicht der einzige Event. So haben wir vor knapp 14 Tagen in Berlin den Rookie Cup an drei Tagen ausgespielt. An ihm haben 20 A-Jugendteams unserer Bundesligisten, mit insgesamt fast 300 Nachwuchsspielern, teilgenommen. Direkt nach dem Pokalfinale starten wir mit dem Kartenvorverkauf zum Handball-Super Cup, der am 30. August in München stattfinden wird. Im Anschluss laufen wir uns warm für das All Star Game im Februar. Dazwischen gibt es eine Reihe kleinerer Veranstaltungen, wie zum Beispiele Mitgliederversammlungen und Trainerfortbildungen. Uns wird ganz sicher nicht langweilig.“

> Auf was können sich die Fans neben dem absoluten Spitzensport freuen?
„An dieser Stelle möchte ich insbesondere auf unsere Partnerschaft mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe hinweisen. Wir leben diese Kooperation vielfältig, auch beim Pokalfinale rühren wir die Werbetrommel für die Sporthilfe, die über 4.000 meist junge Sportler, darunter auch Handballtalente fördert. Unser Profi-Handball unterstützt vor allem die Sporthilfe-Kampagne „Dein Name für Deutschland“. Das ist ein Konzept, dass es jedem Fan erlaubt, Sponsor des deutschen Spitzensports zu werden. Unser Ziel ist es, möglichst viele Handballer der TOYOTA HBL und Fans für die Kampagne zu gewinnen. Natürlich gilt dies auch für das Lufthansa Finla Four. Also Augen auf und mitmachen!“

> Der HSV Hamburg wird diesmal nur in der Zuschauer-Rolle sein. Ist das ein Nachteil für diese Veranstaltung?
„Natürlich tut es einer Veranstaltung, die in Hamburg stattfindet, gut, wenn der Lokalmatador mit von der Partie ist. So haben der HSV und seine Fans in den vergangenen Jahren viel zu der einzigartigen Stimmung beigetragen. Auf der anderen Seite ist die O2 World auch in diesem Jahr ausverkauft. Das unterstreicht, dass das Lufthansa Final4 über Hamburgs Grenzen hinaus eine bundesweite Bedeutung hat. Im Übrigen gehen in diesem Jahr gleich drei Topclubs der TOYOTA HBL an den Start, die im letzten Jahr nicht qualifiziert waren. Ein Abo für das Pokalfinale gibt es nicht, dazu ist die Spitze zu dicht beieinander.“

> Schaffen es die Rhein-Neckar Löwen diesmal, endlich den ersten Titel ihrer Vereinsgeschichte zu erringen?
„Die Bilanz der Rhein-Neckar Löwen ist beeindruckend. Die Badenser sind zum sechsten Mal in Folge beim Pokalfinalwochenende dabei. Wir erinnern uns alle, wie knapp die Löwen im vergangenen Jahr den Sieg im Finale gegen den HSV Hamburg verpasst haben. Sollte es zu einem Finale zwischen dem THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen kommen, agieren beide Teams auf Augenhöhe. Allerdings ist es nicht sicher, ob sich diese beiden Spitzenteams überhaupt im Finale begegnen. Im Halbfinale lauern mit der SG Flensburg-Handewitt und Frisch Auf Göppingen schwere Brocken.“

> Welche Schlagzeile möchten Sie in der kommenden HANDBALLWOCHE lesen?
„Mit einer komme ich da nicht aus, ich hätte da einen ganzen Strauß zu bieten…(lacht). Lassen Sie mich außerdem ein wenig weiter vorausschauen. Immens wichtig für den deutschen Handball ist die EM-Qualifikation unserer Nationalmannschaft. Dann sollte uns der Sprung zu den olympischen Sommerspielen 2012 in London gelingen. Als Ligapräsident wünsche ich mir dann natürlich, über ein erfolgreiches Abschneiden unserer Clubs in den europäischen Wettbewerben zu lesen. Die Chancen, derartige Schlagzeilen zu lesen, stehen recht gut – und dann freue ich mich auch über die Artikel, die darunter stehen.“

> Sind Sie mit dem Verlauf der Saison 2010/11 aus Sicht des HBL-Präsidenten zufrieden?
„Insgesamt ja. Lassen Sie mich das an einigen wenigen Beispielen deutlich machen, denn natürlich gibt es immer Dinge, bei denen Optimierungs- und Handlungsbedarf besteht. Für die sportliche Leistung unserer Vereine gilt dies sicher nicht. Dies unterstreicht das Abschneiden unserer Clubs bei den europäischen Wettbewerben. Im der letzten Saison ist es uns gelungen, alle Titel in die Vitrinen deutscher Clubs zu holen. Die Aussichten, ein ähnlich überragendes Ergebnis zu erzielen, sind nicht schlecht. Bereits seit Jahren führen die Clubs der TOYOTA HBL die Rangliste der EHF deutlich vor der auf Platz zwei rangierenden spanischen Liga an. Von diesen Ergebnissen träumen alle anderen deutschen Ligen. Insgesamt können wir auch wirtschaftlich zufrieden sein. Obwohl uns nicht verborgen bleibt, dass Clubs der 1. und 2. Ligen finanziell zu kämpfen haben. Dies wird auch direkte Auswirkungen auf die Lizenzvergabe für die kommende Saison 2011/12 haben.“

> Am Grundlagenvertrag zwischen HBL und DHB wird weiter intensiv gearbeitet. Können Sie uns über den aktuellen Stand der Dinge informieren?
„Erst in der letzten Woche haben Liga und DHB erneut intensive Gespräche geführt, die - Sie können mir glauben - zum Teil sehr kontrovers geführt wurden. Beide Seiten sind sich darüber im Klaren, dass es darum gehen muss, durch Kompromissbereitschaft einen Mittelweg zu finden, der im Sinne des gesamten deutschen Handballsports steht. Konkreter möchte ich mich zu diesem Zeitpunkt dazu nicht äußern.“

> Gibt es Neues von „Arbeitsgruppe Nationalmannschaft“ zu berichten?
„Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich keine Wasserstandsmeldungen abgebe. Wir hoffen zuversichtlich, zeitnah auch von den weiter eingerichteten Arbeitsgruppen Ergebnisse zu den Inhalten präsentieren zu können.“

> An welchen neuen Projekten arbeitet die HBL?
„Wir wollen mehr junge Leute erreichen, die sich für Handball interessieren. Und wir wollen sie nicht nur erreichen, sondern von ihnen wissen, wie sie sich den Handball wünschen, wie sie unsere Sportart in 10, 20 Jahren sehen. Das kann nicht nur durch Schulaktionen, wie Handballstars Go School gelingen, die wir in Zusammenarbeit mit TOYOTA Deutschland mit großem Erfolg durchführen. Ein wichtiger Weg, die Kids zu erreichen, ist Social Media. Das haben wir erkannt, also investieren wir seit geraumer Zeit verstärkt in Facebook, Youtube und Co.“

> Können Sie das konkretisieren?
„Gerne. Bei Facebook haben wir bereits nach wenigen Monaten fast 9.000 Mitglieder, es werden täglich mehr. Der neue Pokal, der beim Lufthansa Final Four Premiere feiert, ist durch einen Fan-Designentwurf entstanden, der bei Facebook mit zahlreichen anderen Designvorschlägen eingereicht wurde: Anschließend haben unsere Fans online über den besten Entwurf abgestimmt. Auch das All Star Team, das im Februar gegen die Nationalmannschaft gespielt hat, wurde unter anderem über Facebook von den Fans gewählt, die Resonanz war riesig. Ein anderes Beispiel ist die Kinderreporterin der Lufthansa, die vom Pokalfinale berichten wird. Unsere ganz jungen Fans konnten bei Facebook einen eigenen Video-Beitrag hochladen. Die Aufgabe bestand darin, festzuhalten, warum man davon überzeugt ist, der geeignete Kinderreporter zu sein. Die hochgeladenen Beiträge waren zum weitaus größten Teil sehr professionell, es ist spannend zu erleben, wie sich 10-jährige mit Handball auseinandersetzen. Die junge Siegerin ist heute hier mit der Kamera unterwegs, sicher ein einmaliges Erlebnis. Diesen Weg wollen wir weitergehen und intensivieren, denn die Zukunft des Handballs liegt auf und neben der Spielfläche in den Händen des Nachwuchses.“
Interview: Burchard Forth