HSG Wetzlar - Wenn die guten Vorsätze in der Kabine bleiben ... - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

Wenn die guten Vorsätze in der Kabine bleiben ...

>... dann ist auch ein Trainer der Verzweifelung nahe. Michael Roth, Coach der HSG-Wetzlar, hatte bewusst den Fokus auf das Spiel gegen Balingen-Weilstetten gerichtet, weil seine Mannschaft bislang in konstanter Regelmäßigkeit ihre zwei Gesichter präsentierte. Nicht zuletzt zeigte die siegreiche Partie in Lübbecke den starken Charakter des Teams, das nie aufsteckt und an seine Stärken glaubt. In den Begegnungen gegen die Meisterschaftsfavoriten Kiel und Hamburg waren die Lahnstädter dann nur "Mitläufer", so dass gegen die Brack-Truppe endlich wieder ein Erfolgserlebnis in der Rittal-Arena eingefahren werden sollte. "Es heißt, sich weiter zu konzentrieren und die Spannung hoch zu halten. Balingen ist eine machbare Aufgabe. Es wird ein hart umkämpftes Spiel, in dem wir von Beginn an mit Leidenschaft zu Werke gehen müssen", predigte Michael Roth seinen Protagonisten die Vorgehensweise für die sechzig Minuten.

Taube Ohren, schlechte Nerven, schwaches Selbstvertrauen? Es mag von jedem etwas gewesen sein, dass die HSG-Recken die von Trainer Roth geforderten Attribute nicht auf die Platte bringen konnten. Obwohl die Lahnstädter auf die zuletzt angeschlagenen, erkrankten und gesperrten Spieler Daniel Valo, Sebastian Weber, Kevin Schmidt und Georgios Chalkidis zurück greifen konnten, von neuer mannschaftlicher Geschlossenheit keine Spur. Souveränität, mit der einem Gegner des hinteren Tabellenfeldes hätte begegnet werden müssen, sieht anders aus. Kein Wunder, dass die Wetzlarer Hauptdarsteller dann hinterher auch über ihre eigene Leistung erschrocken waren. "Das war seit langem das mit Abstand schlechteste Spiel von uns. Keiner hatte Normalform", hieß von Michael Allendorf. Und Avishay Smoler fügte lapidar und deutlich hinzu: "Das war eine Katastrophe".

Einen Wetzlarer Lichtblick gab es trotzdem, und zwar auf der Gegenseite. Philipp Müller, der in der kommenden Saison das grün-weiße Trikot der Mittelhessen tragen wird, zählte zu den herausragenden Akteuren der Gäste. "Er hat ein sehr gutes Bild abgegeben", lobte HSG-Geschäftsführer Sascha Schnobrich den künftigen Wetzlarer.

Für den HSG-Trainer galt es aber zunächst, die peinliche Vorstellung seiner Schützlinge zu verarbeiten. Doch der "Kämpfer" Michael Roth dachte auch schon an die nächste Partie: "In Großwallstadt sind wir sicher nicht chancenlos". Hinzu gefügt werden muss aber: "Wenn die guten Vorsätze nicht in der Kabine bleiben ..."
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