HSG Wetzlar - "Wer kein Herz hat, soll zu Hause bleiben" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
 

"Wer kein Herz hat, soll zu Hause bleiben"

>Zerknirscht saß Michael Roth in der Pressekonferenz. Statt der angestrebten Wiedergutmachung für die peinliche 18:29-Schlappe acht Tage zuvor in Lemgo hatte sich seine Mannschaft gegen Flensburg-Handewitt mit 21:30 die nächste Packung abgeholt. "Nach 15 Minuten ist uns das Herz in die Hose gerutscht. Was wir dann gezeigt haben, sah emotionslos aus", analysierte der Coach die pomadige Vorstellung des Tabellen-13., welche die 3.215 Zuschauer in der Rittal-Arena bereits kurz vor der Pause mit den ersten Pfiffen quittiert hatten. "Uns hat der bedingungslose Einsatz gefehlt, aber ohne Herz geht es nicht. Wer keines hat, soll zuhause bleiben", zürnte der 47-Jährige, um dann anzufügen: "Ich kann vieles vermitteln, aber Herz müssen die Spieler schon selbst mitbringen."

Führungsspieler vermisst der Coach in seiner Mannschaft und ist diesbezüglich besonders von seinem Kapitän Timo Salzer enttäuscht, "der viele Ballverluste hatte, obwohl er Zeichen hätte setzen sollen. Uns fehlt einer, der klar das Sagen hat. Salzer steckt aber den Kopf in den Sand", kritisierte Roth den Nationalspieler, der sich nach gutem Saisonstart in einem Tief befindet, hart.


Nur ein böser Bube

Insgesamt sei das Team "mental schwer zu handeln, weil wir keine Truppe haben, die durch dick und dünn geht. Wir sind einfach zu brav", sagte Roth, der in Abwehrchef Georgios Chalkidis nur einen bösen Buben in seinen Reihen hat und sich darüber ärgert, dass sein Team trotz des Kampfes gegen den Abstieg zu den fairsten Mannschaften der Liga zählt. Bezeichnend dafür fand Roth die Zurückhaltung seiner Spieler nach einem üblen und unnötigen Foul von Oscar Carlén, der bei einem Gegenstoß den in den Sechs-Meter-Raum springenden Salzer in der 48. Minute beim Stand von 15:25 umgerissen hatte. "Da wären zu meinen Zeiten als Spieler fünf Leute hingegangen und es hätte Tumulte gegeben", sagte Roth und hätte eine Rote Karte für Carlén für angebracht gehalten. Wenn die Schiedsrichter Christoph Immel und Ronald Klein seinem Sohn die Rote Karte gezeigt hätten, "wäre ich nicht überrascht gewesen", gab auch Flensburgs Trainer Per Carlén zu. "Natürlich war die Aktion unnötig, aber sie zeigt auch, dass meine Spieler meine Philosophie immer 100 Prozent zu geben, verinnerlicht haben."


Roth in der Pflicht

Um Roths weitere Philosophie zu erfahren, bat der enttäuschte Manager Rainer Dotzauer, "ich hatte gedacht, dass wir zumindest eine kleine Außenseiterchance hatten, aber nicht einmal das war der Fall", den Coach nach der Pressekonferenz zu einer kurzen Unterredung, auch weil er Angst hat, dass seine HSG weiter abstürzen könnte. Dies zu vermeiden und seinem Team den unbedingten Einsatzwillen und Teamgeist "was wir jetzt brauchen, um zum Erfolg zu kommen", so Roth, einzuimpfen, ist jetzt die Aufgabe des Coachs.

Derzeit hat die HSG, die zehn ihrer letzten elf Spiele verlor, noch fünf Punkte Abstand auf Relegationsplatz 16. "Ich bin kein Zauberer", sagt Roth, dessen Team bei der angestrebten Weiterentwicklung stehen geblieben ist, wobei sich diese Tatsache auch der Coach zurechnen lassen muss.

Während Roth schwer an der erneuten Niederlage zu knabbern hatte, war sein Kollege Carlén aufgrund der starken Vorstellung seines Teams bestens aufgelegt und freute sich darüber, dass Jacob Heinl den am Knie operierten Kreisläufer Michael Knudsen in der Abwehr an der Seite von Tobias Karlsson gut ersetzte. "Sie haben das super gemacht", lobte er das den Mittelblock bildende Duo und war auch von der Vorstellung von Ersatzlinksaußen Anders Eggert angetan, der den von Carlén geschonten Lars Christiansen, "er ist ein bisschen alt und braucht eine Pause" gut vertrat.

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