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Bundesliga aktuell

Wetzlar besiegt den Angstgegner

Die zuweilen seltsamen Methoden des Handballtrainers Rolf Brack haben der HSG Wetzlar Freitag Abend nichts anhaben können. Neun Tage nach Aschermittwoch dröhnten Karnevalslieder durch die Rittal-Arena und die Grün-Weißen durften nach dem 27:22 (14:12) über "Angstgegner" HBW Balingen/Weilstetten praktisch den vorzeitigen Bundesliga-Klassenerhalt feiern.

Vor 4040 am Ende begeisterten Zuschauern stieg die große Sause erst nach der Pause. Dennoch mussten Trainer Gennadij Chalepo und die Anhänger lange bangen, ehe die wichtigen zwei Punkte unter Dach und Fach waren. "Unsere Abwehr hat hervorragend gearbeitet und dahinter stand ein sehr guter Torwart. Das waren die entscheidenden Faktoren", freute sich der 42-Jährige über die Punkte 19 und 20 und verteilte "ein Riesenlob an meine Mannschaft, die stolz auf das Geleistete sein kann."

"Wir werden sicher nicht den offenen Schlagabtausch suchen, sondern müssen mit Quotenorientierung versuchen, das Spiel zu kontrollieren", hatte Sportprofessor Brack vor dem Anpfiff angekündigt. Was immer der 57-Jährige damit meinte. Jedenfalls machten die ohne ihre verletzten Rückraumspieler Roland Schlinger, Johan Boisedu und Felix König angetretenen Schwaben den Grün-Weißen erneut das Leben schwer. Für den HBW Balingen/Weilstetten ist die Spielgemeinschaft aus Dutenhofen und Münchholzhausen ohnehin der Lieblingsgegner. Gegen keine andere Mannschaft haben die in Anlehnung an die Asterix-Comics selbsternannten "Gallier von der Alb" mit sechs Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen eine bessere Bilanz seit ihrem Aufstieg 2006.

Doch mit zunehmender Spieldauer dominierten die Gastgeber. Nach drei Toren des erst in der WM-Pause vom Zweitligisten SG Frankfurt RM verpflichteten Tobias Hahn sah es beim 12:9 gut aus. Aber mit zwei Gegentoren in Unterzahl brachte sich die HSG selbst um die Früchte der ersten Halbzeit. Durch einen in der Schlusssekunde verwandelten Siebenmeter von Lars Friedrich ging es wenigstens mit einer Zwei-Tore-Führung in die Kabine.

"Das ist eine ganz andere Mannschaft als in der Hinrunde. Sie haben einen neuen Trainer und einen neuen Spielmacher, der seine Nebenleute hervorragend einsetzt", hatte Nikola Marinovic, der Schlussmann der Süddeutschen, der im Sommer zur HSG wechselt, seine Vorderleute noch gewarnt. Der vom enttäuschenden österreichischen Nationaltorwart erwähnte Adnan Harmandic saß grippegeschwächt zunächst nur auf der Bank und kam erst in der 39. Minute. Als die Schützlinge von Gennadij Chalepo vom Kurs abzukommen drohten, auf dem sich Mannschaft und Fans spätestens nach der 18:12-Führung (35.) wähnten.

Dass HSG-Keeper Nikolai Weber seinen enttäuschenden künftigen Kollegen und dessen Stellvertreter Martin Ziemer deutlich ausstach, war letztlich mitentscheidend. Die Grün-Weißen setzten sich in einem zerfahrenen und selten hochklassigen, aber für die Zuschauer durchaus unterhaltsamen Spiel trotz einiger Schwächen am Ende sicher durch und nahmen Revanche für die 22:32-Schlappe aus der Hinrunde auf der Schwäbischen Alb.

"Wir konnten unsere Ausfälle nicht kompensieren, Wetzlar war in allen Belangen besser und hat hochverdient gewonnen", zeigte sich der prommovierte Sportwissenschaftler Brack als fairer Verlierer.

Wetzlar: Hacko (bei drei Siebenmetern), Weber - Rompf, Salzer (1), Valo (4), Jungwirth (n.e.), Mraz (3), Müller (4), Chalkidis, Hahn (4), Harmandic (1), Friedrich (6/4), Kristjansson (4)

Balingen/Weilstetten: Marinovic, Ziemer (18. bis 34., 53. bis 60.) - Lobedank (3), Herth (5/1), Sauer (4), Wilke (2), Ettwein, Strobel (1), Mitkov (1), Temelkov (4/2), Bürkle (2), Ilitsch, Wessig

Schiedsrichter: Damian/Wenz (Bingen/Mainz)
Zuschauer: 4040
Zeitstrafen: Wetzlar vier (Kristjansson, Valo, Müller, Rompf); Balingen/W. fünf (Ilitsch, Srobel, Mitkov, Ettwein, Wessig)
verworfene Siebenmeter: Herth (Balingen/W.) scheitert an Hacko (14), Friedrich (Wetzlar) auf die Latte (51)