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Auch Tabellenführer HSV von Balingens "Wunder" überrascht

Wie die Jungfrau zum Kinde

Irgendwie kam der HSV Hamburg zur Tabellenführung wie die berühmte Jungfrau zum Kinde: Der neue Spitzenreiter wusste nicht so recht wie ihm geschah. Benjamin Chatton, Geschäftsführer des HBW Balingen-Weilstetten nannte das, was sich am Abend vor dem Heiligen Abend in Balingen zutrug, schlicht als „Handball-Wunder“.

Trainer Dr. Rolf Brack, dessen Mannschaft dem THW Kiel mit dem 39:37, der ersten Bundesliga-Niederlage der Saison, von der Spitze gestürzt hatte, behauptete zwar: jetzt fehlen mir die Worte.“ Ein paar Anmerkungen und ein Superlativ fielen dem eloquenten Sport-Wissenschaftler aber dann doch noch ein: „Es war ein Super-Sensationssieg, der überraschendste Erfolg in meinen 25 Jahren als Trainer. Ich habe vorher gedacht, das heute wird ein Schlachtfest. Wir hatten keine Chance, aber die haben wir genutzt. Uns war vorher klar, dass Kiel am Sonntag (beim Gipfeltreffen gegen Hamburg) sehr emotional gefordert war, jetzt tut es mir leid für meinen besten Freund Alfred (Gislason). Aber ich kann ihm nur versprechen, dass wir auch in Hamburg alles geben, und wenn nötig auch länger mit einem siebten Feldspieler agieren werden.“

Gislason "bitter enttäuscht"

Die Bereitschaft, volles Risiko zu gehen, und den Gegner durch den siebten Feldspieler unter Druck zu setzen, war vier Tage vorher in Lübbecke noch gescheitert. Da hatte der TuS unter anderem durch Torhüter Nikola Blazicko zwei Treffer ins verlassene Tor erzielt. Gegen Kiel signalisierte die Herausnahme des Torhüters den Spielern und den begeisterten Fans, wie sehr Brack die Chance nutzen wollte, die er ja angeblich nicht hatte.

Sein Kieler Kollege war nach der erst zweiten Bundsliga-Niederlage in seinen 18 Monaten als THW-Coach natürlich „bitter enttäuscht. Wir haben in der Abwehr nicht zu unserer Leistung gefunden und viel zu viele einfache Tore kassiert. Der Angriff war zu statisch. Wir wussten, dass wir hier konzentriert zur Sache gehen mussten. Aber der Sieg geht verdient an Balingen“, gab Alfred Gislason zu. Auch THW-Geschäftsführer Uli Derad gestand: „ Das ist eine ganz bittere Niederlage, wir haben es nicht geschafft, Spannung aufzubauen.

In Hamburg wurde nach der Rückkehr vom nicht glanzvollen, aber gewonnenen Spiel in Hannover die Tabellenführung gefeiert. „Wir können auf die Tabellenführung stolz sein, wissen aber auch, dass noch viel, und jetzt umso mehr, zu tun ist, um diese Position zu halten“, sagte HSV-Geschäftsführer Christian Fitzek, und: „ Die Niederlage der Kieler in Balingen ist ein mahnendes Zeichen, dass in dieser Liga wirklich jeder jeden schlagen kann.“

Das ist auch das, was unbedingt von der Sympathien-Verteilung für Kiel oder Hamburg, jeden freut: Die ‚stärkste Liga der Welt‘ hat – auch durch den gleichzeitigen Dormagener Überraschungs-Coup gegen die Füchse Berlin – ihre Ausgeglichenheit gezeigt. Keiner ist vor Überraschungen sicher. Spitzenreiter HSV empfängt übrigens Sonntag den HBW Balingen-Weilstetten . . .