HSV Hamburg - Interview mit Christian Fitzek (Sportdirektor HSV Hamburg) - „Wir haben die gleichen Ambitionen wie in den Vorjahren" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Interview mit Christian Fitzek (Sportdirektor HSV Hamburg)

„Wir haben die gleichen Ambitionen wie in den Vorjahren"

Erfolge hat Christian Fitzek viele gefeiert. Er war Deutscher Meister, Pokalsieger und einmal sogar Gewinner des Europacups der Landesmeister. Und in 109 Spielen für die Nationalmannschaft durfte er das Trikot der DHB-Auswahl überstreifen. Aber wie das so ist: Auch als 48-Jähriger kann man vom Gewinnen nicht genug bekommen. Mit dem HSV Hamburg versucht er bereits seit 2005 – zunächst als Co-Trainer und Trainer, später dann als Sportlicher Leiter – die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. In dieser Saison sieht es gut aus. In einem Interview redet Fitzek darüber, warum das so ist.

> Mit 12:0-Punkten ist der HSV recht souverän in die Saison gestartet. Was haben Sie vor dieser Spielzeit anders gemacht?
"Wir hatten endlich mal eine richtige Vorbereitung – das haben wir anders gemacht. In der vergangenen Saison mussten wir teilweise mit vier Spielern, davon zwei Torhüter trainieren, weil all unsere Nationalspieler in Peking bei Olympia waren. Und zum Teil kamen die dann auch noch verletzt zurück. Aufgrund all dieser Dinge, und auch aufgrund eigener Nachlässigkeiten, war die Saison für uns in der Liga eigentlich schon nach zwei Monaten beendet. Diesmal ist weitgehend alles glatt gelaufen. Wir hatten eine gute Vorbereitung, auch wenn Bertrand Gille und Pascal Hens lange verletzungsbedingt passen mussten."

> Fühlen Sie sich nicht schon als Tabellenführer? Ihnen fehlt doch nur ein Nachholspiel gegen den TSV Dormagen.
"
Das ist so ärgerlich. Auch wenn es nur eine Momentaufnahme wäre, so wäre die Tabellenführung für den Club extrem wichtig. Eigentlich sind wir seit Wochen vorn, können es aber nicht genießen, weil wir diesem einen Spiel hinterherlaufen. Man muss sich das mal vorstellen: Wir hatten 8:0-Punkte, waren aber nur Fünfter in der Tabelle."

> Helfen denn die Zugänge Igor Vori und Domagoj Duvnjak denn schon richtig weiter?
"
Igor Vori kam, und es war so, als sei er schon immer da gewesen. Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand so rasch einlebt. Ich bin auch beeindruckt von seinen sprachlichen Fähigkeiten. Schon auf dem gemeinsamen Sommerfest ließ er sich alles übersetzen, sodass wir nachts um zwei den Eindruck hatten, er spreche schon perfekt deutsch. Duvnjak hingegen ist gerade mal 21 Jahre alt, kam in schlechter Verfassung von Zagreb – übrigens vielen Dank noch einmal dafür an diesen Verein – und hängt der Physis noch ein wenig hinterher. Aber auch er wird von Woche zu Woche besser und damit wichtiger in dem Gesamtkonzept dieser Mannschaft."

> Offenbar meint es der HSV mit seinen Titelambitionen in diesem Jahr sehr ernst. Sind Sie einfach mal dran?
"
Ernst gemeint haben wir es immer. Vor drei Jahren waren wir punktgleich mit dem THW und sind nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz Zweiter geworden. Okay, die vergangene Spielzeit war wirklich eine Grottensaison. Ich denke, wir haben die gleichen Ambitionen wie in den vergangenen Jahren, aber einfach die besseren Grundlagen. Das ist noch einmal verstärkt worden und hat sich zusammengefunden. Auch wir als Verein haben uns weiterentwickelt. Ich habe immer gesagt, du kannst nicht einfach zwölf gute Handballer zusammenkaufen und dann auf Anhieb Deutscher Meister werden."

> Immerhin: Einen Titel konnte Ihr Team dem THW zum Saisonauftakt beim Spiel um den Supercup bereits abjagen. War das ein erster Triumph, oder haben Sie den Titel en passant mitgenommen?
"
Ich glaube, beide Aussagen treffen es nicht. Der Titel ist nicht uninteressant, war aber sicher auch keine Initialzündung. Ich glaube, es war für Kiel schlimmer, als es für uns gut war. Man hat ja gesehen, dass der THW in den ersten Saisonspielen ein wenig verunsichert wirkte. Insgesamt aber war es schon gut, nach der deftigen Niederlage im vergangenen Jahr diesmal den Pott zu gewinnen."

> Am Wochenende kommt die SG Flensburg-Handewitt. Ist das beim gegenwärtigen Leistungsunterschied beider Clubs noch ein richtiges Derby?
"
Natürlich. Flensburg ist noch immer eine überdurchschnittlich gute Mannschaft. Vor allem ihr Spiel mit einer starken Deckung, einem starken Torhüter und den daraus resultierenden Gegenstößen ist noch immer großartig. Es ist wirklich sehr schwer, die 6:0-Deckung der SG zu knacken. Außerdem polarisiert dieses Match noch immer die Leute. Wir werden die Halle mit jeder Mange Zusatzbestuhlung bis unters Dach voll haben."

> Aber tief in Ihrem Handball-Herz blicken Sie schon jetzt mit Spannung auf den 20. Dezember voraus, wenn es zum Aufeinandertreffen mit dem THW in Kiel kommt, oder?
"
Ganz ehrlich: Das ist noch ganz weit weg. Wir haben noch so viele wichtige Spiele bis dahin. Zum Beispiel war das Champions-League-Spiel gegen Zagreb so eines. Das war für uns ein Endspiel. Jetzt, nach dem deutlichen Sieg, haben wir in unserer Gruppe noch die Chance auf den zweiten Platz und damit eine gute Ausgangsposition für die K.o.-Runde. Bei uns denkt noch keiner an das Spiel gegen den THW. Wenn Sie es nicht erwähnt hätten, hätte ich nicht einmal das Datum des Matches gewusst."

> Eine Frage müssen wir zum Schluss noch stellen. Wie geht es dem an Krebs erkrankten Oleg Velyky?
"
Nicht gut. Zurzeit befindet sich Oleg in der Reha und ist in intensiver Behandlung. Ab und zu kommt er vorbei und schaut beim Mannschaftstraining zu. Ich finde es schön, dass das Team und er engen Kontakt halten."