TUS N-Lübbecke - Markus Baur (TuS N-Lübbecke) im Interview - „Wir müssen hart arbeiten!” - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Markus Baur (TuS N-Lübbecke) im Interview

„Wir müssen hart arbeiten!”

Fast eineinhalb Jahre musste die Liga warten, jetzt ist Markus Baur zurück. Der Weltmeister von 2007 unterschrieb beim TuS N-Lübbecke einen Vertrag bis zum Sommer 2012 und hat den Auftrag, die Ostwestfalen kurzfristig aus dem Tabellenkeller und langfristig näher an die Europacup-Plätze heranzuführen. Wie es zu seinem neuen Engagement als Trainer kam und was er in den kommenden Monaten vorhat, verriet er in einem Interview.

> Wie fühlt sich das an, wieder in der Bundesliga zu sein und auf der Trainerbank zu sitzen?
Markus Baur: Sehr schön. Es macht riesig Spaß, täglich in der Halle zu stehen und mit den Jungs zu trainieren. Es macht aber noch mehr Spaß, bei den Spielen an der Seite zu stehen und zu coachen. Und dann war das Einstandsergebnis in Wetzlar auch noch so positiv…   

> Wie kam denn der Kontakt zustande?
Sie werden überrascht sein: ganz einfach übers Telefon. Uwe Kölling (Geschäftsführer, Anm. der Red.) hat mich angerufen und angefragt, ob ich grundsätzlich interessiert sei. Wir haben uns ausgetauscht, getroffen, lange geredet und irgendwann waren wir uns einig. Dann habe ich unterschrieben.

> War dabei auch ausschlaggebend, dass für Sie nach so vielen Jahren in Lemgo das Ostwestfälische zu Ihrer zweiten Heimat geworden ist?
Nein, ausschlaggebend war allein das Gefühl, dass die Art und Weise wie beide Seiten hier die Arbeit angehen wollen, ganz einfach passt. Aber natürlich kenne ich das Ostwestfälische sehr gut. Allerdings bleibt meine Familie zunächst im gemeinsamen Haus am Bodensee.

> Ihr Einstand war überragend: Mit einem 29:24-Erfolg in Wetzlar fuhren Sie zwei Auswärtspunkte ein, mit denen Sie sich prompt aus der Abstiegszone verabschiedeten. Was haben Sie gemacht?
Das Team hat doch auch schon in Lemgo gewonnen und andere gute Spiele in dieser Saison abgeliefert. Die Jungs sind absolut in der Lage, solch hervorragende Leistungen abzurufen. Der Vorwurf, den man dieser Mannschaft machen kann, ist die enorme Schwankung in der Leistung. Wir müssen hart daran abreiten, weil so etwas wie in Wetzlar nicht einfach automatisch immer weiter geht.

> Nach dem erfolgreichen Auftakt in Wetzlar steht am Samstag die Heimpremiere gegen den SC Magdeburg an. Von Ihnen und Ihrer neuen Mannschaft wird nichts weniger als ein Sieg erwartet, oder?
Ich habe diesbezüglich nichts gehört, aber es würde mich auch enttäuschen, wenn es anders wäre. Auch wir als Mannschaft wollen nichts weniger, als am Samstag das Match gewinnen und den Fans eine engagierte und gute Leistung bieten. Ob das am Ende reichen wird, um den SC Magdeburg zu schlagen, werden wir sehen. Wir haben das Potenzial, gegen den SCM zu gewinnen, aber der Gegner präsentiert sich in dieser Saison als Wundertüte – und das auf hohem Niveau.

> Sportdirektor Zlatko Feric trainierte vorübergehend das Team – und das mit beachtlichen Erfolgen. Haben Sie mit Ihm über die Mannschaft gesprochen?
Natürlich habe ich mit ihm über das Team geredet. Er kennt die Mannschaft unglaublich gut. Ich habe aber auch mit jedem einzelnen Spieler gesprochen, um mir ein eigenes Bild über die Mannschaft zu machen.

> Als Weltmeister von 2007 sind die Erwartungen, die an Ihre Verpflichtung geknüpft werden, riesig. Welche Perspektiven konnten Sie in den Gesprächen in Lübbecke ausloten?
Wir haben das Ziel, uns stetig weiter zu entwickeln und unser Potenzial auszuschöpfen. Auf lange Sicht wollen wir uns im Bereich eines einstelligen Tabellenplatzes etablieren.

> Ist der TuS auf Sicht ein Europacup-Kandidat?
Das kann irgendwann mal passieren, liegt aber auch an den anderen Mannschaften.

> Zuletzt sahen Sie viele Spiele der Liga aus der Beobachterposition als Co-Kommentator von Sport1. Müssen Sie diesen Nebenjob nun wieder drangeben?
Nein, ich werde auch weiterhin für Sport1 arbeiten, allerdings nur, wenn sich das terminlich mit meiner neuen Aufgabe vereinbaren lässt  

> Insgesamt acht Trainerwechsel nach nicht einmal der Hälfte der Saison sind ein bedenklicher Ligarekord. Was sagen Sie dazu?
Das sind Dinge, die ich nicht beurteilen kann. Das muss jeder Verein für sich entscheiden, wann und weshalb er einen solchen Wechsel vornimmt. Ich habe aber auch von Betroffenen Gründe erfahren, die man eigentlich so nicht gelten lassen kann.