TSV Hannover-Burgdorf - Interview mit Burgdorfs Trainer Frank Carstens - "Wir sind kein Kanonenfutter" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Interview mit Burgdorfs Trainer Frank Carstens

"Wir sind kein Kanonenfutter"

Geboren in Rotenburg an der Wümme, aufgewachsen in Oldenburg und lange Zeit in Bremen und Aurich Handball gespielt: Das Niedersächsische liegt Frank Carstens im Blut. Nur einmal – von 2000 bis 2003 – übersprang er die Grenze zu Nordrhein-Westfalen, um im ostwestfälischen Minden Erstliga-Erfahrungen zu sammeln. Heute, mit 37 Jahren profitiert er von dieser Zeit und trainiert erfolgreich den Aufsteiger TSV Hannover-Burgdorf. Nach gutem Saisonstart mit 2:2-Punkten empfängt der TSV am Wochenende den Traditionsklub TV Grosswallstadt. Nachfolgend steht Frank Carstens Rede und Antwort.

Herr Carstens, wie fühlt es sich an, endlich in der 1. Liga mitspielen zu können?
Frank Carstens: Das ist eine Riesensache für uns, für mich als Trainer und die Spieler sowieso, aber auch für den ganzen Verein. Wir lernen jetzt jeden Tag so viel dazu. Wir sehen die Unterschiede zur 2. Liga, wir sehen aber auch die Chancen, die sich für uns ergeben. Und Kanonenfutter werden wir ganz sicher nicht sein.

Der Start war ganz ordentlich, oder?
Carstens: Der Sieg gegen Balingen zum Auftakt hat uns sicher sehr viel Selbstbewusstsein gegeben. Andererseits gehört HBW zu jenen Gegnern, die du schlagen musst, wenn du in der Liga bleiben willst. Hätten wir nicht gewonnen, wäre es sehr schwer geworden, die Punkte woanders wieder reinzuholen. Insofern war der Druck gleich zum Auftakt richtig groß. Beim Gastspiel in Göppingen hat mir meine Mannschaft spielerisch nicht so gut gefallen, aber das Ergebnis war in Ordnung. Ich will nicht vermessen klingen, aber an einem guten Tag hätten wir auch in Göppingen punkten können.

Das können Sie schon am Wochenende nachholen. Der Gegner heißt TV Grosswallstadt und ist von ähnlichem Kaliber.
Carstens: Der TVG war in den ersten beiden Saisonspielen recht gut und konnte vor allem in kämpferischer Hinsicht überzeugen. Wir brauchen einen richtigen Sahnetag, wenn wir gewinnen wollen. Aber wir haben ein Heimspiel. Die Unterstützung der Fans ist für meine Spieler unglaublich wichtig. Da können wir noch zusätzlich Druck entfalten.

Wie schätzen Sie denn die Chancen Ihres Teams auf den Klassenverbleib ein?
Carstens: Wir haben sicher noch einige Erfahrungen zu sammeln, aber ich glaube ganz fest daran, dass wir eine realistische Chance haben, in der Liga zu bleiben. Das ist das Ziel aller hier. Die Voraussetzungen, dass uns das gelingt, sind gegenwärtig wirklich nicht schlecht.

Wie dramatisch wäre ein Abstieg?
Carstens: Das kann ich nicht für den Club beurteilen. Da müssten Sie bei uns andere Leute fragen. Für mich allerdings wäre ein Abstieg schon dramatisch. Ich werde alles daran setzen, dass das nicht passiert.

Besteht aus Sicht des Clubs die Möglichkeit, personell nachzubessern?
Carstens: Wir überlegen gegenwärtig, für unseren langzeitverletzten Rechtsaußen Thomas Bergmann, der sich in der Vorbereitung einen Kahnbeinbruch zuzog und längere Zeit ausfällt, Ersatz zu verpflichten. Das zeigt mir, dass da offenbar noch ein wenig Potenzial vorhanden ist.

Ihr Vater, Jürgen Carstens, führte einst den Wilhelmshavener HV in die Bundesliga. Haben Sie viel von ihm gelernt?
Carstens: Er war mein erster Trainer. Insofern habe ich natürlich viel von ihm gelernt.

Tauschen Sie sich auch heute noch aus?
Carstens: Das machen wir regelmäßig. Er war zum Beispiel Gast beim Relegationsspiel gegen Friesenheim und hat sich riesig über den Erfolg seines Sohnes gefreut. Mittlerweile haben wir ein entspanntes Verhältnis.

Mittlerweile?
Carstens: Das war keineswegs immer so. Früher haben wir durchaus ein problematisches Verhältnis gehabt und öfter als einmal die Klingen gekreuzt. Aber familiär ist da nichts hängen geblieben. Er ist vor allem einer meiner Sieggaranten. Jedesmal, wenn er in der Halle war, haben wir auch gewonnen.

Wie oft hat er Ihre Spiele bereits besucht?
Carstens: Na ja, er hat gerade mal acht Spiele besucht. Aber am Wochenende gegen Großwallstadt wird er vor Ort dabei sein. Das ist ein gutes Omen.