Interview mit HBL-Präsident Reiner Witte - "Wir werden künftig noch vertrauensvoller miteinander umgehen" - Handball - Bundesliga - Artikel - Handballwoche
Interview mit HBL-Präsident Reiner Witte

"Wir werden künftig noch vertrauensvoller miteinander umgehen"

> Glückwunsch zur Wiederwahl. Was bedeutet das Ergebnis für Sie?

Reiner Witte: „Natürlich freue ich mich sehr über die Wiederwahl. Allerdings bedeutet für  mich die Tatsache, dass es einen starken Gegenkandidaten gab, der nicht wenige Stimmen hinter sich vereinen konnte, dass wir zukünftig innerhalb der HBL noch vertrauensvoller miteinander umgehen und unsere Arbeit noch transparenter machen müssen. Dies ist für mich eine zentrale Botschaft der Mitglieder. Diesem Wunsch komme ich in meiner zweiten Amtszeit sehr gerne nach. Wir werden verstärkt einbinden und informieren.

> Sie haben es erwähnt: Anders als bei Ihrer Wahl vor drei Jahren gab es mit Ralf Uhding  einen Gegenkandidaten.

„Damit habe ich überhaupt keine Probleme, das Antreten eines Gegenkandidaten gehört zur Demokratie ebenso wie die harte und faire Auseinandersetzung. Ralf Uhding ist aus Überzeugung angetreten, es ist keine Schande zu verlieren. Generell spricht es für das Amt des Präsidenten, wenn mehrere Kandidaten antreten. Für mich ist dies ein Zeichen für eine lebendige und offen geführte Diskussion innerhalb unseres Ligaverbandes. Jetzt freue ich mich auf eine sicherlich hochinteressante Aufgabe, bei der ich mir weiterhin Unterstützung  wünsche, selbstverständlich auch Kritik.“

> Auch das Präsidium wurde bis auf wenige Änderungen bestätigt.

„Neu hinzugekommen ist Flensburg-Manager Holger Kaiser. Er ersetzt Ulrich Derad und übernimmt das Amt des Vizepräsidenten Finanzen. Die Wiederwahl des übrigen Präsidiums  ist sicher eine Bestätigung der geleisteten Arbeit in den vergangenen drei Jahren. Wir sind ja nicht ohne Grund als Team angetreten. Wir haben mit Freude und Leidenschaft in der Vergangenheit zusammengearbeitet und werden mit noch mehr Engagement an die künftigen Aufgaben gehen.“

> Einen Aufsichtsrat gibt es nun nicht mehr. Wie kam es dazu und ist das so in Ihrem Sinne? „Die Entscheidung, den Aufsichtsrat aufzulösen, war eine gemeinsame Entscheidung von Aufsichtsrat und Präsidium. Die Mitgliederversammlung der HBL e. V. hat diese einstimmig unterstützt und verabschiedet. Der Aufsichtsrat war, wie der Name schon sagt, ausschließlich ein Aufsichtsorgan. Tatsächlich übernimmt das Präsidium schon seit geraumer Zeit diese Aufgabe. Aus meiner Sicht sind nun die Entscheidungswege kürzer, mithin die Arbeit noch effektiver. Ich danke den Mitgliedern des Aufsichtsrates für ihr intensives Mitwirken.“

> Welche Aufgabenschwerpunkte setzen Sie sich für Ihre zweite Amtszeit?

„Davon gibt es viele. Zunächst geht es jetzt darum, aus Sicht der Handball-Bundesliga unsere Nationalmannschaft zu stärken. Wir alle wissen, dass nur eine erfolgreiche Nationalmannschaft der Liga verbesserte Vermarktungsmöglichkeiten bietet. Dazu hat die Ligaversammlung ein deutliches Zeichen gesetzt. So haben wir uns dazu entschlossen, den letzten Spieltag vor der EM-Pause vom 29. Dezember auf den 7. vorzuverlegen. So hat das Nationalteam eine längere Vorbereitungszeit auf die bevorstehende Europameisterschaft. Für die Vereinsvertreter war dies keine einfache Aufgabe. Bundestrainer Martin Heuberger hat das ausdrücklich begrüßt und sich bei der Liga bedankt.“

> Wo drückt sonst der Schuh?

„Verbunden mit dem Nationalteam ist natürlich auch das Thema Nachwuchs. Wir haben mit dem Jugendzertifikat und diversen anderen Maßnahmen bereits sehr viel auf den Weg gebracht. Dabei wird es nicht bleiben. Wir wollen künftig die Arbeit unserer Partner und die der Landesverbände in eine gemeinsame Spur bringen. Eine der gemeinsam definierten Aufgaben ist es, in Zusammenarbeit mit den Schulen unseren Nachwuchs voranbringen. Davon werden auch die 20 Vereine der jetzt eingleisigen zweiten Liga profitieren. Die neue Ausrichtung der zweiten Liga gibt uns verbesserte Möglichkeiten diese in der öffentlichen Wahrnehmung zu positionieren. Es wird sicher nicht einfach, aber ein Namenssponsoring haben wir uns hier auf die Fahne geschrieben. Auf der Mitgliederversammlung wurden weitere Weichen gestellt. So hat die Vision hinsichtlich einer Europaliga eine Absage erhalten. Da hat die Liga sich klar positioniert. Zudem machen wir uns im Präsidium darüber Gedanken, wie der Handball im Jahr 2020 aussehen wird, bzw. wie die junge Zielgruppe den Handballsport wahrnimmt und was sie von unserem Sport erwartet.

> Was ist mit dem Grundlagenvertrag zwischen der Liga und dem Verband?

„Der Grundlagenvertrag ist mittlerweile mit sämtlichen Eckdaten vorgestellt worden. Das Präsidium ist nun seitens der HBL-Mitgliederversammlung beauftragt, die letzten - ich will nicht sagen: Kleinigkeiten - eher offenen Fragen abzuarbeiten. Wenn das geschehen ist, dann sollte die Unterschrift unter diesen Vertrag nicht mehr weit sein. Die Message ist klar, wir wollen die Zusammenarbeit mit dem DHB und die Verlängerung des Grundlagenvertrages. Dazu gibt es keine Alternative.“

> Ihr Verhältnis zum Deutschen Handballbund gilt als sehr gut. Ist das dabei Vor- oder Nachteil?

„Letztlich geht es um ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen HBL und DHB. Und dieses besteht. Das mein gutes Verhältnis zum Verband auch schon mal schwierig ist, weil es mitunter zu entsprechenden Erwartungshaltungen seitens des DHB kommt, weil

ich dabei nicht verhehlen. Letztlich aber habe ich klar die Interessen der Liga zu vertreten. Und das tue ich mit allem Nachdruck.“

> Sie sind über Ihre Aufgabe als Ligapräsident hinaus sowohl national als auch international noch in andere Dinge eingebunden.

„Das ist korrekt. Dabei ist meine Tätigkeit als Präsident des Norddeutschen Handballverbandes wohl ein Auslaufmodell. Mit der Einführung der 3. Ligen ist beschlossen, sich von den Regionalverbänden zu verabschieden. Das wird vielleicht noch zwei Jahre dauern, mehr aber nicht. International hingegen habe ich als Präsident der European Professional Handball Leagues Association (EPHLA) noch einiges vor. Wir sind dabei, die internationale Ligavereinigung weiter zu vergrößern. So sind die Gespräche mit der Schweizer Liga schon weit gediehen und stehen vor einem Abschluss. Auch mit Ungarn haben wir Gespräche aufgenommen. Da stehen wir zwar noch am Anfang, aber uns wurde bereits sehr deutlich das nominelle Interesse signalisiert. Da werden wir künftig - so scheint es -  neun Ligen als Mitglieder haben.“

> Im Rahmen der Mitgliederversammlung gab es auch bewegende Momente…

„Sie spielen auf die erste Ehrenmitgliedschaft an, die die Handball-Bundesliga e. V. am Mittwoch vergeben hat. Manfred Werner, der den deutschen Handballsport in unterschiedlichsten Funktionen nach vorne gebracht hat, bekam zu Recht stehende Ovationen und minutenlangen Applaus. Das waren sehr emotionale Momente. Wer Manfred Werner und seinen Werdegang in Beruf und Sport, insbesondere im Handball kennt, weiß;, dass der deutsche Handballsport ohne sein vielfältiges Wissen und Engagement nicht diese erfolgreiche und beeindruckende Entwicklung genommen hätte. Dafür sind wir sehr dankbar. Ich freue mich auf sein weiteres Wirken als Ehrenmitglied und bin sicher, er wird uns weiterhin kritisch und konstruktiv begleiten."